Название: Jane Eyre
Автор: Шарлотта Бронте
Издательство: Bookwire
Жанр: Языкознание
Серия: 99 Welt-Klassiker
isbn: 9783954180196
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»Niemals«, dachte ich; und brennend, glühend wurde der Wunsch in mir rege, sterben zu können. Während ich in gebrochenen Lauten diesen Wunsch hervorstammelte, näherte sich mir jemand; ich fuhr empor – wiederum war Helen Burns mir nahe; das erlöschende Feuer ließ mich gerade noch erkennen, wie sie durch das große, leere Zimmer daher kam, sie brachte mir Kaffee und Brot.
»Komm, iss ein wenig«, sagte sie; aber ich schob beides zurück; mir war, als hätte ein Bissen, ein Tropfen in meinem gegenwärtigen Zustande eine Erstickung herbeiführen müssen. Helen sah mich wahrscheinlich mit Erstaunen an; wie sehr ich mich auch bemühte, jetzt konnte ich meiner Erregung nicht Herr werden. Ich fuhr fort laut zu weinen. Sie setzte sich zu mir auf den Fußboden, schlang die Arme um ihre Knie und legte ihren Kopf auf dieselben; in dieser Stellung verharrte sie regungslos wie ein Indianer. Ich war die erste, die sprach:
»Helen, weshalb bleibst du bei einem Mädchen, das jedermann für eine Lügnerin hält?«
»Jedermann, Jane? Nun, es sind doch nur achtzig Wesen, welche dich so nennen hörten, und die Welt trägt ihrer Hunderte von Millionen.«
»Aber was habe ich mit Millionen zu tun? Die achtzig, welche ich kenne, verachten mich.«
»Jane, du irrst; wahrscheinlich ist nicht eine einzige in der ganzen Schule, die dich verachtet oder dich hasst; viele – dessen bin ich gewiss – bedauern dich von ganzem Herzen.«
»Wie können sie mich nach dem, was Mr. Brocklehurst gesagt hat, noch bedauern?«
»Mr. Brocklehurst ist kein Gott; er ist nicht einmal ein großer und bewunderter Mensch; man liebt ihn hier nicht; er hat auch niemals irgend etwas getan, um sich beliebt zu machen. Wenn er dich wie seinen besonderen Liebling behandelt hätte, so würdest du rund umher nur Feinde gefunden haben, offene oder heimliche, – wie die Dinge jetzt aber liegen, würden die meisten Mädchen die Sympathie gern beweisen, wenn sie nur den Mut dazu hätten. Möglich ist es, dass Lehrerinnen und Schülerinnen dich während der nächsten zwei, drei Tage mit kalten Blicken betrachten, aber glaub mir, freundliche Gefühle und Gesinnungen tragen sie für dich im Herzen. Und wenn du fortfährst, gut und fleißig zu sein, so werden diese Gefühle binnen kurzem umso augenscheinlicher zu Tage treten, weil sie eine Zeit lang unterdrückt werden mussten. Außerdem, Jane« – – sie hielt inne.
»Nun, Helen?« fragte ich und legte meine Hand in die ihre; zärtlich rieb sie meine Finger, um sie zu erwärmen und fuhr dann fort:
»Wenn die ganze Welt dich hasste und dich für böse und gottlos hielt, so würdest du doch Freunde haben, solange dein eigenes Gewissen dich von Schuld freispricht und dir Recht gibt.«
»Nein; ich weiß, dass ich selbst dann gut von mir denken würde; aber das ist nicht genug; wenn andere mich nicht lieben, so will ich lieber sterben als leben – ich kann es nicht ertragen, einsam und gehasst und verachtet zu sein, Helen. Sieh doch – um von dir oder Miss Temple oder sonst jemand, den ich wirklich liebe, ein wenig wahre, aufrichtige Liebe zu erringen, würde ich mir gern den Knochen meines Arms zerbrechen oder mich von einem wilden Stier aufspießen lassen oder mich einem scheu gewordenen Pferde in den Weg werfen und meine Brust von seinen Hufen zertreten lassen – –«
»Still Jane, still! Du denkst zu viel an die Liebe der Menschen; du bist zu stürmisch, zu heftig, du lässt dich zu sehr von deinen Empfindungen beherrschen. Die allmächtige Hand, die deinen Leib erschaffen und ihm Leben eingehaucht hat, gab dir andere Stützen als dein schwaches Selbst oder Wesen; diese sind ebenso schwach wie du. Außer dieser Welt, außer dem Menschengeschlecht gibt es eine unsichtbare Welt und ein Reich der Geister; diese Welt umgibt uns, denn sie ist überall, diese Geister bewachen uns, denn sie sind da, um uns zu behüten; und wenn wir in Kummer und Schande stürben, wenn Verachtung von allen Seiten auf uns eindränge, wenn Hass uns zermalmte – so sähen Engel unsere Qualen, erkennten unsere Unschuld, wenn wir unschuldig sind – und ich weiß, du bist schuldlos; diese Anklage, welche Mr. Brocklehurst aus zweiter Hand von Mrs. Reed hat und so jämmerlich und schwach und pathetisch gegen dich wiederholte, – sie trifft dich nicht; denn auf deiner reinen Stirn, in deinen lebensvollen Augen steht es geschrieben, dass du eine wahre offenherzige Natur bist – und Gott erwartet nur die Trennung der Seele vom Fleische, um uns mit dem höchsten Lohn zu krönen. Nun denn, weshalb von Leid überwältigt zu Boden sinken, wenn das Leben so bald zu Ende ist, und der Tod uns den Eintritt zu Seligkeit und Herrlichkeit bedeutet?«
Ich schwieg. Helen hatte mich beruhigt; aber die Ruhe, welche sie mir gegeben, hatte einen Zusatz von unsäglicher Traurigkeit. Ich fühlte den Eindruck von Weh als sie sprach, aber ich konnte nicht sagen, woher er kam; und als sie mit ihrer Rede zu Ende, ein wenig schneller atmete und trocken und kurz hustete, vergaß ich für einen Augenblick meinen eigenen Kummer und gab mich einer unbestimmten Furcht und Unruhe in Bezug auf sie hin.
Meinen Kopf an Helens Schulter lehnend, schlang ich meinen Arm um ihre Taille; sie zog mich an sich, und so ruhten wir lange schweigend. Nach Verlauf von ungefähr einer Viertelstunde trat eine dritte Person ins Zimmer. Ein frischer Wind hatte einige schwere Wolken vom Horizont fortgetrieben, und der Mond ging klar auf; durch ein nahes Fenster warf er seine hellen Strahlen auf uns und die nahende Gestalt, in welcher wir sofort Miss Temple erkannten.
»Ich kam, um dich zu suchen, Jane Eyre«, sagte sie, »du sollst in mein Zimmer kommen, und da Helen Burns bei dir ist, mag sie uns begleiten.«
Wir gingen. Unter Führung der Vorsteherin hatten wir unseren Weg durch ein Labyrinth von Korridoren zu suchen und eine Treppe emporzusteigen, bevor wir ihr Zimmer erreichten. Ein helles Feuer brannte in demselben; es sah freundlich und behaglich aus. Miss Temple bedeutete Helen Burns, sich in einen niedrigen Lehnsessel an einer Seite des Kamins zu setzen; sie selbst nahm einen zweiten und rief mich an ihre Seite.
»Ist es jetzt vorüber?« fragte sie und blickte mir ins Gesicht. »Hast du deinen СКАЧАТЬ