Jane Eyre. Шарлотта Бронте
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Читать онлайн книгу Jane Eyre - Шарлотта Бронте страница 28

Название: Jane Eyre

Автор: Шарлотта Бронте

Издательство: Bookwire

Жанр: Языкознание

Серия: 99 Welt-Klassiker

isbn: 9783954180196

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СКАЧАТЬ mich warm ge­lobt; Miss Tem­ple hat­te mir Bei­fall zu­ge­lä­chelt; sie hat­te mir ver­spro­chen, mich zeich­nen zu leh­ren und mich fran­zö­sisch ler­nen zu las­sen, wenn ich noch zwei Mo­na­te fort­fah­ren wür­de, sol­che Fort­schrit­te zu ma­chen. Mei­ne Mit­schü­le­rin­nen wa­ren mir freund­lich ge­sinnt; mei­ne Al­ters­ge­nos­sin­nen be­han­del­ten mich als ih­res­glei­chen, nie­mand quäl­te, nie­mand be­läs­tig­te mich – und jetzt lag ich hier zer­tre­ten, zer­malmt! Wür­de ich mich je­mals wie­der er­he­ben kön­nen?

      »Nie­mals«, dach­te ich; und bren­nend, glü­hend wur­de der Wunsch in mir rege, ster­ben zu kön­nen. Wäh­rend ich in ge­bro­che­nen Lau­ten die­sen Wunsch her­vor­stam­mel­te, nä­her­te sich mir je­mand; ich fuhr em­por – wie­der­um war He­len Burns mir nahe; das er­lö­schen­de Feu­er ließ mich ge­ra­de noch er­ken­nen, wie sie durch das große, lee­re Zim­mer da­her kam, sie brach­te mir Kaf­fee und Brot.

      »Komm, iss ein we­nig«, sag­te sie; aber ich schob bei­des zu­rück; mir war, als hät­te ein Bis­sen, ein Trop­fen in mei­nem ge­gen­wär­ti­gen Zu­stan­de eine Er­sti­ckung her­bei­füh­ren müs­sen. He­len sah mich wahr­schein­lich mit Er­stau­nen an; wie sehr ich mich auch be­müh­te, jetz­t konn­te ich mei­ner Er­re­gung nicht Herr wer­den. Ich fuhr fort laut zu wei­nen. Sie setz­te sich zu mir auf den Fuß­bo­den, schlang die Arme um ihre Knie und leg­te ih­ren Kopf auf die­sel­ben; in die­ser Stel­lung ver­harr­te sie re­gungs­los wie ein In­dia­ner. Ich war die ers­te, die sprach:

      »He­len, wes­halb bleibst du bei ei­nem Mäd­chen, das je­der­mann für eine Lüg­ne­rin hält?«

      »Je­der­mann, Jane? Nun, es sind doch nur acht­zig We­sen, wel­che dich so nen­nen hör­ten, und die Welt trägt ih­rer Hun­der­te von Mil­lio­nen.«

      »Aber was habe ich mit Mil­lio­nen zu tun? Die acht­zig, wel­che ich ken­ne, ver­ach­ten mich.«

      »Jane, du irrst; wahr­schein­lich ist nicht eine ein­zi­ge in der gan­zen Schu­le, die dich ver­ach­tet oder dich hasst; vie­le – des­sen bin ich ge­wiss – be­dau­ern dich von gan­zem Her­zen.«

      »Wie kön­nen sie mich nach dem, was Mr. Brock­le­hurst ge­sagt hat, noch be­dau­ern?«

      »Mr. Brock­le­hurst ist kein Gott; er ist nicht ein­mal ein großer und be­wun­der­ter Mensch; man liebt ihn hier nicht; er hat auch nie­mals ir­gend et­was ge­tan, um sich be­liebt zu ma­chen. Wenn er dich wie sei­nen be­son­de­ren Lieb­ling be­han­delt hät­te, so wür­dest du rund um­her nur Fein­de ge­fun­den ha­ben, of­fe­ne oder heim­li­che, – wie die Din­ge jetzt aber lie­gen, wür­den die meis­ten Mäd­chen die Sym­pa­thie gern be­wei­sen, wenn sie nur den Mut dazu hät­ten. Mög­lich ist es, dass Leh­re­rin­nen und Schü­le­rin­nen dich wäh­rend der nächs­ten zwei, drei Tage mit kal­ten Bli­cken be­trach­ten, aber glaub mir, freund­li­che Ge­füh­le und Ge­sin­nun­gen tra­gen sie für dich im Her­zen. Und wenn du fort­fährst, gut und flei­ßig zu sein, so wer­den die­se Ge­füh­le bin­nen kur­z­em umso au­gen­schein­li­cher zu Tage tre­ten, weil sie eine Zeit lang un­ter­drückt wer­den muss­ten. Au­ßer­dem, Jane« – – sie hielt inne.

      »Nun, He­len?« frag­te ich und leg­te mei­ne Hand in die ihre; zärt­lich rieb sie mei­ne Fin­ger, um sie zu er­wär­men und fuhr dann fort:

      »Wenn die gan­ze Welt dich hass­te und dich für böse und gott­los hielt, so wür­dest du doch Freun­de ha­ben, so­lan­ge dein ei­ge­nes Ge­wis­sen dich von Schuld frei­spricht und dir Recht gibt.«

      »Nein; ich weiß, dass ich selbst dann gut von mir den­ken wür­de; aber das ist nicht ge­nug; wenn an­de­re mich nicht lie­ben, so will ich lie­ber ster­ben als le­ben – ich kann es nicht er­tra­gen, ein­sam und ge­hasst und ver­ach­tet zu sein, He­len. Sieh doch – um von dir oder Miss Tem­ple oder sonst je­mand, den ich wirk­lich lie­be, ein we­nig wah­re, auf­rich­ti­ge Lie­be zu er­rin­gen, wür­de ich mir gern den Kno­chen mei­nes Arms zer­bre­chen oder mich von ei­nem wil­den Stier auf­spie­ßen las­sen oder mich ei­nem scheu ge­wor­de­nen Pfer­de in den Weg wer­fen und mei­ne Brust von sei­nen Hu­fen zer­tre­ten las­sen – –«

      »Still Jane, still! Du denkst zu viel an die Lie­be der Men­schen; du bist zu stür­misch, zu hef­tig, du lässt dich zu sehr von dei­nen Emp­fin­dun­gen be­herr­schen. Die all­mäch­ti­ge Hand, die dei­nen Leib er­schaf­fen und ihm Le­ben ein­ge­haucht hat, gab dir an­de­re Stüt­zen als dein schwa­ches Selbst oder We­sen; die­se sind eben­so schwach wie du. Au­ßer die­ser Welt, au­ßer dem Men­schen­ge­schlecht gibt es eine un­sicht­ba­re Welt und ein Reich der Geis­ter; die­se Welt um­gibt uns, denn sie ist über­all, die­se Geis­ter be­wa­chen uns, denn sie sind da, um uns zu be­hü­ten; und wenn wir in Kum­mer und Schan­de stür­ben, wenn Ver­ach­tung von al­len Sei­ten auf uns ein­drän­ge, wenn Hass uns zer­malm­te – so sä­hen En­gel un­se­re Qua­len, er­kenn­ten un­se­re Un­schuld, wenn wir un­schul­dig sind – und ich weiß, du bist schuld­los; die­se An­kla­ge, wel­che Mr. Brock­le­hurst aus zwei­ter Hand von Mrs. Reed hat und so jäm­mer­lich und schwach und pa­the­tisch ge­gen dich wie­der­hol­te, – sie trifft dich nicht; denn auf dei­ner rei­nen Stirn, in dei­nen le­bens­vol­len Au­gen steht es ge­schrie­ben, dass du eine wah­re of­fen­her­zi­ge Na­tur bist – und Gott er­war­tet nur die Tren­nung der See­le vom Flei­sche, um uns mit dem höchs­ten Lohn zu krö­nen. Nun denn, wes­halb von Leid über­wäl­tigt zu Bo­den sin­ken, wenn das Le­ben so bald zu Ende ist, und der Tod uns den Ein­tritt zu Se­lig­keit und Herr­lich­keit be­deu­tet?«

      Ich schwieg. He­len hat­te mich be­ru­higt; aber die Ruhe, wel­che sie mir ge­ge­ben, hat­te einen Zu­satz von un­säg­li­cher Trau­rig­keit. Ich fühl­te den Ein­druck von Weh als sie sprach, aber ich konn­te nicht sa­gen, wo­her er kam; und als sie mit ih­rer Rede zu Ende, ein we­nig schnel­ler at­me­te und tro­cken und kurz hus­te­te, ver­gaß ich für einen Au­gen­blick mei­nen ei­ge­nen Kum­mer und gab mich ei­ner un­be­stimm­ten Furcht und Un­ru­he in Be­zug auf sie hin.

      Mei­nen Kopf an He­lens Schul­ter leh­nend, schlang ich mei­nen Arm um ihre Tail­le; sie zog mich an sich, und so ruh­ten wir lan­ge schwei­gend. Nach Ver­lauf von un­ge­fähr ei­ner Vier­tel­stun­de trat eine drit­te Per­son ins Zim­mer. Ein fri­scher Wind hat­te ei­ni­ge schwe­re Wol­ken vom Ho­ri­zont fort­ge­trie­ben, und der Mond ging klar auf; durch ein na­hes Fens­ter warf er sei­ne hel­len Strah­len auf uns und die na­hen­de Ge­stalt, in wel­cher wir so­fort Miss Tem­ple er­kann­ten.

      »Ich kam, um dich zu su­chen, Jane Eyre«, sag­te sie, »du sollst in mein Zim­mer kom­men, und da He­len Burns bei dir ist, mag sie uns be­glei­ten.«

      Wir gin­gen. Un­ter Füh­rung der Vor­ste­he­rin hat­ten wir un­se­ren Weg durch ein La­by­rinth von Kor­ri­do­ren zu su­chen und eine Trep­pe em­por­zu­stei­gen, be­vor wir ihr Zim­mer er­reich­ten. Ein hel­les Feu­er brann­te in dem­sel­ben; es sah freund­lich und be­hag­lich aus. Miss Tem­ple be­deu­te­te He­len Burns, sich in einen nied­ri­gen Lehn­ses­sel an ei­ner Sei­te des Ka­mins zu set­zen; sie selbst nahm einen zwei­ten und rief mich an ihre Sei­te.

      »Ist es jetzt vor­über?« frag­te sie und blick­te mir ins Ge­sicht. »Hast du dei­nen СКАЧАТЬ