Die bedeutendsten Österreicher. Isabella Ackerl
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Название: Die bedeutendsten Österreicher

Автор: Isabella Ackerl

Издательство: Bookwire

Жанр: Документальная литература

Серия: marixwissen

isbn: 9783843802512

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СКАЧАТЬ meinte dazu: »He made it dirt-cheap, he made it by the million.« Im Jahr 1859 wurde der berühmte Sessel Nr. 14 kreiert – von ihm wurden bis zum Jahr 1930 etwa 50 Millionen Stück produziert. Dieser Sessel bestand aus sechs Holzteilen, zehn Schrauben und zwei Schraubenmuttern. Für den Transport konnten 36 Stück Sessel in eine Holzkiste von einem Kubikmeter verpackt werden.

      Worin lag das Besondere von Thonets Entwürfen? Es war nicht nur die künstlerische Meisterschaft, das Auge für Formen und Proportionen, sondern dazu kamen zusätzlich viele praktische Erwägungen. Thonets Sessel waren leicht und wurden aus wenigen Einzelteilen verschraubt. Der Transport erfolgte in zerlegtem Zustand in eigens dafür konstruierten Behältern. Da die Sessel industriell gefertigt waren, blieben sie auch für bescheidenere Geldbörsen erschwinglich. Trotzdem waren Thonets Sessel sehr widerstandsfähig. Generationen von Kaffeehausbesuchern konnten sie nicht ruinieren. Sie waren billige Konsumware und doch von hervorragender Qualität. Ihr spezifisches Design machte sie spontan wiedererkennbar.

      1861 wurde eine weitere Fabrik in Bistritz/Mähren eröffnet, vier Jahre später ein Betrieb in Groß-Ugrócz in Ungarn. Im Laufe der Jahre erwarb die Familie auch die Wälder, aus denen sie das Buchenholz bezog, und die Sägewerke zur Verarbeitung des Holzes. Die wirtschaftliche Kraft der Betriebe verlieh den Eignern auch politisches Gewicht: August Thonet war Bürgermeister von Bistritz, wenige Jahre später löste ihn sein jüngerer Bruder Jakob ab. Als Großunternehmer der Region wirkten sie auch beispielgebend mit sozialen Einrichtungen für die Arbeiterschaft. Sie errichteten Wohnhäuser und Fabrikschulen, gründeten Spar- und Konsumvereine und riefen Krankenkassen für ihre Beschäftigten ins Leben.

      In den späten 1860er Jahren lief das seinerzeit gewährte Patent für das Biegen von Holz ab, die Konkurrenz drängte auf den Markt. Um Absatzmärkte vor Zollschranken zu schützen, errichteten die Thonets in der Folge Produktionsstätten in Deutschland und Russland. Der Firmengründer Michael Thonet starb am 3. März 1871 in Wien.

      Der Einfallsreichtum der Gebrüder Thonet blieb noch immer unerreicht. 1898 registrierte ein Katalog den Sessel Nr. 221! Es war vor allem die Form der Vermarktung, die die Gebrüder Thonet zu den erklärten Marktführern machte. Sie eröffneten nicht nur weltweit Niederlassungen, sondern sie publizierten auch Firmenkataloge, die in einer Reihe von Fremdsprachen über die lieferbare Kollektion informierten. Um die Jahrhundertwende beschäftigte das Haus Thonet 6000 Mitarbeiter, die täglich 4000 Möbelstücke produzierten; davon gingen zwei Drittel in den Export. »Gebrüder Thonet« war damit von einer kleinen Werkstatt zu einer Weltfirma aufgestiegen.

      Die Firma Thonet ging mit den künstlerischen Tendenzen der Zeit mit. Sie bot nicht nur »Selbstentworfenes«, sondern beauftragte große Designer wie Otto Wagner oder Adolf Loos mit Entwürfen. Prestigebauten wie der Hofpavillon Otto Wagners und das Café Museum von Adolf Loos wären ohne von Thonet produzierte Möbel nicht denkbar, Thonet’sche Sitzmöbel zierten das Sanatorium Purkersdorf von Josef Hoffmann und die Postsparkasse von Otto Wagner.

      Die Jahre des Ersten Weltkrieges brachten den Verlust der Auslandsmärkte. 1921 wurde die Firma zwecks Kapitalaufstockung in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Mit der Konzernbildung von 1923 entstand ein Bugholzimperium mit zwanzig Fabriken und 10.000 Arbeitern. Bauhausarchitekten, der Schweizer Le Corbusier und die Designer des Werkbundes entwarfen für das Unternehmen, und 1929 begann man mit der Stahlrohrmöbelproduktion. Erwähnt sei der dynamische Entwurf eines Sessels von Marcel Breuer.

      Bugholzmöbel aus der Produktion der Firma Thonet sind heute weltweit gesuchte Antiquitäten. Der Hollywood-Regisseur Billy Wilder (→ siehe dort) soll sich mit sieben Jahren in einen Schaukelstuhl verliebt haben; er brachte es zu einer Sammlung von mehr als 120 echten »Thonets«. Kaum ein Industrieprodukt des 19. Jahrhunderts hat eine derartig weite Verbreitung gefunden wie die in Millionen Stücken hergestellten Sessel des Michael Thonet.

      Franz Schubert

      * 31. Januar 1797 Wien, † 19. November 1828 Wien

      Komponist

      Schubert wurde im Haus »Zum roten Krebsen« als zwölftes Kind eines aus Mähren stammenden Schulgehilfen und späteren Schulleiters geboren. Nur fünf seiner Geschwister überlebten das Kleinkindalter. Seine Kindheit war, wie üblich im Hause eines Schulmeisters, von Musik geprägt. Mit acht Jahren begann er Geige zu spielen und konnte bald kleine Duette ausführen. Der ältere Bruder Ignaz (* 1785), der bereits den Lehrerberuf ausübte, unterwies den kleinen Franz im Klavierspiel. Michael Holzer, der Chordirigent der Lichtentaler Pfarrkirche, erteilte ihm Unterricht in Gesang, Orgelspiel und Generalbass. Sonntags sang er bei der Messe die Solosopranpartien. Außerdem wurden im Hause Schubert regelmäßig Streichquartette aufgeführt. Der Vater von Franz Schubert spielte bei diesen Aufführungen Cello, sein Sohn Franz Bratsche und die beiden Brüder Ferdinand und Ignaz die erste und zweite Geige.

      1808 schickte der Vater den kleinen Franz zum Probesingen in die k. k. Hofkapelle, wo zwei Sängerknabenstellen ausgeschrieben waren. Infolge seiner schönen und gut ausgebildeten Stimme erhielt er einen Stiftungsplatz im k. k. Stadtkonvikt, das sich in einem Gebäude der alten Universität neben der Jesuitenkirche befand. Für Schubert war es eine harte und entbehrungsreiche Zeit, bei der viele Unterrichtsstunden und karge Mahlzeiten an der Tagesordnung waren. Mit seinen Konviktskameraden und späteren Freunden Josef Spaun, Albert Stadler und Anton Holzapfel besuchte er das nahe Akademische Gymnasium. Den Musikunterricht im Konvikt leitete Antonio Salieri, der auch für die Aufführungen in der Hofkapelle zuständig war. Dabei lernte Schubert vor allem die Messen von Haydn, Mozart und Albrechtsberger kennen. Außerdem spielte er im Konviktsorchester Geige. Da sein herausragendes Talent schnell erkannt wurde, erhielt er ab 1811 von Salieri auch Kompositionsunterricht. Dieser Unterricht dauerte bis 1816. In späteren Jahren schrieb er zuweilen auf seine Kompositionen Schüler Salieris.

      In der Konviktszeit entstanden bereits viele kleinere Kompositionen, die anfänglich noch von seinem Lehrer geprägt waren, während Schubert später seine eine eigene musikalische Sprache entwickelte. Es waren vor allem Klavier- und Kammermusikwerke und nur vereinzelte Lieder. Auch mit der Komposition einer ersten Symphonie begann er im Konvikt. Manche dieser Werke sind leider verlorenen gegangen. Schuberts Komponierleidenschaft wirkte sich negativ auf seine Schulnoten aus, was zu Konflikten mit dem Vater führte, der ihm das Komponieren verbieten wollte. Schubert setzte seine kompositorische Tätigkeit jedoch heimlich fort und wurde dabei von seinem Freund Spaun mit Notenpapier ausgestattet. Sein Freundeskreis, der sich in den Jahren im Konvikt noch um Johann Nestroy und Joseph Rauscher, den späteren Kardinal von Wien, erweiterte, wurde für ihn lebenswichtig, denn er bot ihm die für ihn notwendige emotionale, aber auch materielle Unterstützung. So wohnte Schubert beispielsweise eine Zeitlang bei Franz Schober, dem späteren Weimarer Legationsrat und Reisebegleiter von Franz Liszt. Eine besonders enge Freundschaft verband den Komponisten mit dem romantischen Maler Moritz von Schwind. Ihm und dem Maler Leopold Kupelwieser verdanken wir großartige Bildzeugnisse aus Schuberts Leben. So manche Beziehung aus diesem Kreis ermöglichte dem Musiker Zugang in wohlhabende Häuser, wo zu seinen Ehren musikalische Zusammenkünfte, so genannte »Schubertiaden«, abgehalten wurden. Hinzu kamen Landpartien in die Umgebung Wiens, für die Schubert eigens fröhliche Tänze und Lieder für den Männerchor schrieb.

      Nur in den Sommerferien war es ihm möglich, die Hofoper zu besuchen und dort Werke von Mozart, Gluck oder Cherubini kennenzulernen.

      1813 verließ Schubert das Konvikt und kehrte in sein Elternhaus zurück. Nach dem Tod der Mutter hatte der Vater noch einmal geheiratet, seine Stiefmutter, die selbst noch fünf Kinder gebar, wurde den älteren Kindern eine gute Mutter. Schubert absolvierte rasch die Lehrerbildungsanstalt für Schulgehilfen und übernahm eine Klasse in der Schule des Vaters. Daneben komponierte er fleißig; seine F-Dur-Messe wurde 1814 zum 100-jährigen Jubiläum der Pfarrei Lichtental uraufgeführt. In rascher Folge schuf er die 2. und 3. Symphonie und die Zauberoper СКАЧАТЬ