Das Schweigen der Prärie. Ole Edward Rölvaag
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Название: Das Schweigen der Prärie

Автор: Ole Edward Rölvaag

Издательство: Public Domain

Жанр: Зарубежная классика

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СКАЧАТЬ seufzte und wandte sich zum Gehen.

      Sie wanderten Hand in Hand hinauf.

      In ihrer kummervollen Güte heute abend war etwas, womit er nicht fertig wurde. Er hätte jetzt am liebsten zugleich gesungen und geweint. — — — Aber er war ihr so gut, so gut. Seltsam, daß er sie niemals dazu brachte, das ganz zu verstehen! — — O nein, es war wohl so mit ihr, daß sie nicht mit dem Glück zu ringen vermochte, — war wohl zu zart gebaut dazu! — — — Nun, — er wußte einen, der es an ihrer Stelle wagte!

      Der Per Hansen hatte so viel zu überdenken und zurechtzulegen, daß er des Nachts lange wach lag. Und jetzt, wo er die Beret so ruhig neben sich schlafen fühlte, hatte er dazu auch die beste Gelegenheit; es hieß die Zeit gut ausnutzen; sonderlich müde war er auch nicht.

      Siebenunddreißig Dollar waren sein ganzer Geldbesitz, und wenn er jetzt überlegte, was unentbehrlich war für die nächste Zukunft, dann wurde daraus eine Liste so lang wie der Weg, den er hierher zurückgelegt. — Da waren zunächst Haus und Stall, zu denen Fenster und Türen gehörten. Und Eßwaren und Tabak; und Kleider und Schuh; und Geräte, — ja, Geräte! Hätte er doch Geräte und Pferde! Dann sollte das ganze Landstück bald wie ein Garten daliegen! — Mit den Pferden wurde es vorläufig nichts. Aber mindestens eine Kuh noch mußte er bis zum Herbst angeschafft haben. Das war klar und somit erledigt. — Und Ferkel, — natürlich mußte er sehen, zum Winter Ferkel herzukriegen. Bekam er die Kartoffeln rechtzeitig in die Erde, dann gab es zum Winter auch Futter genug für die Ferkel. — Und Hühner! Die will er besorgen, sobald er an Menschen gelangte. — Es wird die Beret freuen, für all das Viehzeug zu sorgen. — Nein, es war nicht abzusehen, was er alles nötig brauchte — — — Und dann auch der Strich durch die Rechnung, daß die Beret wieder ein Kleines haben sollte! War übrigens ein rechter Gottessegen; nur daß es sie beide sehr aufhielt. — Ja, damit mußte sie nun freilich allein fertig werden, wenn‘s soweit war. — Ein ausnehmend tüchtiges und prächtiges Weib, das war sie wahrhaftig, und ein merkwürdig scharfsinniger und guter Mensch, mit dem man akkurat so umgehen konnte, wie mit dem besten Kameraden.

      Der Per Hansen nahm das Bild seines Weibes mit in die Zukunftsgesichte, die jetzt kamen, — gut und willig kamen: Das ganze Land war wohlbestellt und gab seinen Reichtum her; eine große Herde lebte darauf, Pferde und Rinder, jung und alt. Wo er jetzt die Gamme bauen wollte, stand später ein großes Wohnhaus. — Weiß sollte es sein, das Haus; es leuchtete so schmuck in der Sonne; aber die Windbretter an den Hausecken, Per Hansen denkt sich die in Norwegen allgemein üblichen Holzhäuser. die mußten grün sein! — — —

      Das erstemal, daß der Per Hansen das Haus vor sich sah, war es weiß mit grünen Windbrettern, und seither behielt es diese Farben. Aber der Kuhstall wie auch der Pferdestall und die andern Nebengebäude, die waren rot gestrichen mit weißen Windbrettern; denn das nahm sich ungemein prächtig aus! — — Oh, die Beret sollte auf einem Königshof wohnen mitsamt ihren Prinzen!

      VI

      In Per Hansens Wesen sprangen Schleusen auf, von denen er früher nicht gewußt; seine Kräfte wären unerschöpflich. Er begann mit einem Arbeitstag von vierzehn Stunden, kam bald dahinter, daß das für jemanden, dem noch so vieles ungetan lag, wenig Sinn hatte, dehnte also den Tag auf sechzehn Stunden aus, legte sicherheitshalber noch eine Stunde zu und überlegte, ob es nicht anginge, sich im Sommer bei dem guten Wetter mit nur fünf Stunden Schlaf zu begnügen.

      Die freundlichen Bilder hatten ihn in jener Nacht sanft in Schlummer gewiegt; er öffnete bei Tagesgrauen die Augen, bekam sofort Licht hinein — es tagte bereits; und er fuhr aus dem Bett.

      Da hätte er es fast verschlafen, — hatte man schon so was erlebt! Er aß zum Morgenimbiß ein wenig kalten Brei, sputete sich hinaus, spannte die Ochsen ins Joch und ging mit ihnen stracks zum Hans Olsen wegen des Pfluges. — Bei denen rührte sich noch nichts. Hm, — die hatten‘s vielleicht dazu, den Morgen zu verschlafen; aber er war fünf Tage später angekommen, hatte noch zwei dazu verloren, er mußte sich regen! — Er leitete die Ochsen am Halfter, um möglichst wenig Lärm zu machen.

      Er führte ein Stück die Höhe hinauf, hielt und sah sich um. Gewiß, hier mußte er anfangen, die Schollen aufzubrechen! Er setzte den Pflug ein und herrschte die Ochsen an: »Los mit euch, Lumpengesindel!« Aber die Freude, daß er zum erstenmal im Leben den Pflug in eigenen Boden stieß, milderte das Barsche der Stimme; er mußte zu immer kräftigeren Ermunterungen schreiten und dennoch wollten die Ochsen sich zu so früher Morgenstunde nicht kräftig in die Sielen legen. Sie trotteten träge dahin.

      Wäre jetzt der Ole zum Antreiben dagewesen, so daß er nur auf den Pflug zu achten gehabt hätte! Nun — davon war nicht die Rede! Der Bub brauchte mindestens noch eine Stunde Schlaf. Das Tagewerk wurde ohnehin schon lang genug für den. Junge Stiere haben mürbe Sehnen, — obwohl der Ole für sein Alter gewiß ein ungemein flinker Bursch war!

      Per Hansens erste Furche, die lief nicht nach der Schnur. Und zu lang zog er sie auch. Als er meinte, jetzt sei sie lang genug, und die Ochsen anhielt, da buchtete sich die Furche hinter ihm her wie eine Schlange. Jetzt lenkte er nach Westen und legte eine zweite in entgegengesetzter Richtung daneben. — Nun, schlechter geriet die jedenfalls nicht! — — — Nach der nächsten Runde ließ er die Ochsen verschnaufen, griff zum Spaten und begann an der andern Seite die Grasnarbe auszustechen, — das Baumaterial! So legte er auf der einen Seite die Schollen um und schnitt an der andern die Grasnarbe zum Bau, — o, der Per Hansen hatte sich alles vorher gut zurechtgelegt! —

      Zur Frühstückszeit lag ein Haufe Rasenstücke aufgeschichtet. Und kaum hatte er den letzten Bissen geschluckt, da kommandierte er die beiden Buben hinaus, spannte die Ochsen vor den selbstgefertigten Wagen, und fort ging es. »Koch‘ heut zu Mittag eine volle Schüssel Mus,« rief er zurück, »wir werden Futter brauchen, sag‘ ich dir!«

      Und jetzt machte sich der Per Hansen ernstlich ans Werk. Er und der Große-Hans und die Ochsen brachen Neuland auf; der Ole arbeitete mit der Hacke, aber es wollte dem armen Burschen nicht recht von der Hand! Die Grasnarbe, die dort in unzähligen Herrgottsjahren ungestört geschlummert hatte, die war widerspenstig und zähhäutig, wenn sie sich kehren sollte. Aber sie mußte sich trotz allem Stück für Stück wenden lassen; schwarzbraun und lecker war sie anzusehen, und wenn sich die Morgensonne darüberlegte, dann schien und glänzte es auf ihr. — Wenn der Per Hansen jeweils nach einigen Umgängen die Ochsen verschnaufen ließ, zeigte er dem Ole, wie er‘s geschickter anfangen könne. »So sollst du‘s machen! Da schau her, so!« Und dann hackte er, daß die Klumpen flogen.

      — — — Als sie Mittagspause machten, zogen sich viele Furchen über die Höhe und guckten in die Sonne. Und die drei Mannsleut kamen mit einem mächtigen Haufen Baumaterial nach Hause; die nächste Fuhre brachten sie zur Vesper heim und am Abend noch einmal eine. Da war das Abendessen noch nicht ganz bereit, und deshalb holte Per Hansen geschwind abermals eine, — es sei das beste, die Zeit gut zu nutzen, meinte er.

      VII

      Noch am gleichen Abend begann der Per Hansen mit dem Hausbau.

      »Nein, ruh‘ dich jetzt ein wenig, Per Hansen!« bat die Beret, »nimm doch Vernunft an!« »Freilich ruh‘ ich jetzt aus — das will ich ja gerad! — Komm du jetzt mit, du kannst dir nicht denken, wie kurzweilig es wird, — neues Haus auf eigenem Grund und Boden! — Aber nicht als ob du mit arbeiten sollst! Doch dabei sein mußt du, und zusehen, wie der Königshof aus der Erde wächst.«

      Alle kamen mit. Und es war so ausnehmend lustig, daß sie erst aufhörten, als sie nicht mehr genug sehen konnten. Da sagte der Per Hansen stopp; jetzt hätten sie ein gutes Tagewerk hinter sich gebracht, und damit sei es für heute genug; reichlich Lohn bekämen sie alle, nur wollte СКАЧАТЬ