Название: Der Akron Tarot
Автор: Akron Frey
Издательство: Автор
Жанр: Эзотерика
isbn: 9783905372939
isbn:
Kontroverse
Kronos als Hüter der Tradition
Was kann der Hohepriester im Tarot anderes als den Verkünder dessen bebildern, was als Sinn und Zweck des Ganzen zu betrachten ist, verehrter Kollege? Wir wissen alle, worin das Schöpferziel des Geistesfürsten liegt: im Schaffen der Ver—ein—igung oder der Eins—Werdung der Gegensätze, im Werden und Vergehen oder der Verbindung zwischen dem Licht der Erkenntnis und der Dunkelheit des Nicht—Erkennens, diesem Schatten der Er—Ahnung. Die Lösung liegt im Verbinden dessen, was in Wahrheit nie getrennt war, diesem virtuellen Mörtel, der die Bilder in den Köpfen der Menschen zusammenhält, mit denen er den Dom zu Ehren seines Gottes baut. Er ist das Spiegelbild des Herrn des Himmels und der Erde selbst, weil er die Insignien seiner Größe auf sich vereint, und er ist durchaus in der Lage, auch die dunkle Seite der Macht zu bedienen, wenn sie am Ende nur hell im Glanz seines Gottesbildes erstrahlt. Die Versuchungen auf dem Weg der Macht können ihm nicht zum Schaden gereichen, denn er ist der wahre Vater des religiösen Geistes. Er überragt die weltlichen Führer, die sich nur für Macht und Wohlstand interessieren. Jeder hohe Priester legt ein Gelübde ab, durch das er sich verpflichtet, die verirrten Schafe um sich zu sammeln und in den heimatlichen Hort Zurückzuführen. Er ist der Fels in der Brandung, der Leuchtturm im Sturm der Flut und sein Wort trifft unfehlbar, weil er die Unwissenheit der Menschen ins Licht der Erkenntnis hebt und ihnen wie eine lodernde Fackel die Richtung weist: Vertraue meiner Lehre und gebe bin, um das, was du suchst, mit dem zu verbinden, was dir noch fehlt! Das Ziel ist die Essenz dessen, was als Wahrheit aus seinem Mund ertönt. Deshalb möchte ich Sie verbindlichst fragen: Wie kann ein windiger Rechtsverdreher wie Sie den Anspruch erheben, in dieser Karte etwas anderes zu sehen als die Aufforderung des Hohepriesters, der zum Aufbruch mahnt?
Akronos als Advocatus Diaboli
Durch eine bessere Frage, lieber Staatsanwalt: Welche Erkenntnisse können wir aus Illusionen ziehen, die wir nicht als Illusionen erkennen können? Im Grunde steht diese Karte für die Kraft, unsere Wissenserkenntnisse über sich selbst reflektieren zu lassen: Es ist die Selbstbetrachtung der eigenen Ausrichtung oder das Bild der menschlichen Vorstellung von sich selbst. Der Hohepriester ist ein Lehrer, der Seelen lehrt, in endlosen Monologen mit sich selbst zu reden, was wir nur darum nicht merken können, weil jeder ununterbrochen mit sich selber spricht. In dem Moment, in dem es darum geht, einen höheren Sinn zu entdecken, fühlt sich das Ego gezwungen, diesen Sinn zu interpretieren. Das Ergebnis ist ein Bild von Gott und eine Schatzkarte, wie dieser Gott gefunden werden kann. Aber es gibt keinen Gott und keine Landkarte! Es ist der unzureichende Versuch, das Unbekannte zu bebildern und es vom Bekannten zu unterscheiden, indem man das Unbekannte mit einem Bild des Bekannten ummantelt und somit als Ganzes kontrolliert. In dem Maße, in dem wir von einer solchen Weltanschauung eine höhere Erkenntnis erwarten, liefern wir uns den Regisseuren dieser Suggestionen aus, ganz egal, ob es kirchliche Institutionen wie in den vergangenen zweitausend Jahren sind oder politische Modelle, die für Attentate gegen Ungläubige beispielsweise Paradiesgärten versprechen. Zuerst lehren sie uns, dass die Welt an einem gewissen Punkt unserer Sichtweise zu sitzen hat, und dann befehlen sie uns, unsere Perspektive so auszurichten, dass wir die Welt an diesem Punkt auch sehen können. Solange wir ihren Vorgaben persönliche Züge verleihen und sie dadurch zu einer Grundlage unserer Vorstellung machen, sind wir Gefangene dieser Bilder, weil sie genau das suggerieren, was unsere Anschauung uns zu sehen zwingt. Unsere Sinne nehmen so wahr, wie die Prägungen unseres Bewusstseins sie einladen, wahrzunehmen, denn dieses ist gerade der Grund, warum wir annehmen, dass es überhaupt eine höhere Welt geben muss. Wahrheit ist: Die religiösen und philosophischen Glaubensmodelle sind reine Spekulation. Aber diese auf bloßen Mutmaßungen beruhende Erwartung hat eine wichtige Funktion. Sie ist der Kanal, gemeinsame Netzwerke aufzubauen, Erfahrungen zu machen und uns miteinander auszutauschen, ohne letzten Endes wissen zu müssen, wer wir sind. Anders formuliert: Illusion und Spekulation sind die Bahnen, damit sich die Bilder, die wir uns von der Welt machen, miteinander austauschen können, ohne dass wir uns mit der Frage beschäftigen müssen, wer wir wirklich sind oder wo der Sinn unserer Frage liegt. In dem Augenblick, in dem wir unsere Vorstellung in Frage stellen, richtet sich unser Fokus auf sich selbst aus bzw. unsere gesellschaftliche Ausrichtung fängt an sich selbst zu beobachten. Weil aber nichts mehr vorhanden ist, was sich außerhalb unserer Selbstbetrachtung beobachten lässt, stellt sich die Beobachtung auf sich selbst ein. Das bedeutet, sie erkennt plötzlich die eigene Welt, die wir aus dem Inventar unserer Vorstellung gebildet haben. Und da sie nichts so sehr wie eine Grundlage braucht, auf die sie sich abstützen kann, setzt sie - ohne das Inventar zu hinterfragen - immer neue Abwandlungen auf alte Denkschlaufen drauf. Deshalb kann das Ziel des Hohepriesters weder Licht noch geistiger Wegweiser sein - ganz im Gegenteil! Seine Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass wir unsere Religion nicht als Illusion erkennen, denn sonst liefe uns unsere ganze Glaubensarchitektur davon.
Deutungen
Allgemein
Der Hohepriester steht dem Herrscher nahe, denn die materiellen Werte, die der Herrscher schafft, füllt er mit einem geistigen Konzept. So gibt er den weltlichen Strukturen einen Sinn und erklärt sie zugleich. In unserer Gesellschaft zeigt er sich am deutlichsten in den Anführern der großen patriarchalischen Religionen oder den Gurus der Esoterikszene. Aber nicht nur die Religionen und Glaubensrichtungen, unser ganzer Alltag ist durchdrungen von den geistigen Modellen, die der Hohepriester verkörpert: Ob Platon oder Seneca, Marx, Nietzsche oder Goethe, alle Denker, Philosophen, viele Geschichtsschreiber und einige Schriftsteller entsprechen der Energie dieses Archetypen, denn unsere Welt wurde und wird durch ihre Glaubenskonzepte gestaltet. Wenn wir also ein philosophisches Buch lesen oder einen Gottesdienst besuchen, über den Sinn des Lebens nachdenken, Seminare abhalten oder die Schulbank drücken, Zeitung lesen oder im Fernsehen eine politische Diskussion verfolgen, dann begegnen wir in unserem täglichen Leben dem Hohepriester, der unsere Weltanschauung formt und damit unser Leben bestimmt, und zwar so subtil, dass wir es gar nicht merken. Er stellt uns die Projektionsfläche zur Verfügung, die wir brauchen, um uns zu spiegeln und unsere eigenen Glaubensvorstellungen im Spiegelbild festhalten zu können. Je mehr wir uns von unserem Instinkt und aus unserer Mitte entfernen, desto mehr bedarf es eines Glaubenskonstrukts, das uns einen neuen Inhalt für unser Tun und Handeln anbietet. So halten wir uns an ihm fest, um unserem Leben einen Sinn zu geben.
Beruf und Finanzen
Alle Berufe, in denen wir mit Glaubensmodellen arbeiten und dadurch Macht ausüben, also Lehrer, Gelehrter, Politiker oder Literaturkritiker - vom Pfarrer ganz zu schweigen -, entsprechen dieser Karte. Wenn wir dem Hohepriester in diesem Bereich begegnen, kann das auch bedeuten, dass wir uns von einem klugen Menschen, dem wir vertrauen, beruflich Rat einholen. Das Weltliche wie Karriere oder Geld spielt dabei neben der Sinnsuche und der Auseinandersetzung mit den verschiedensten geistigen Lehren die zweite Geige. Wir können ebenso belesen wie engstirnig sein, halten unsere Ideen und Vorstellungen zumeist für die einzig wahren und versuchen, СКАЧАТЬ