Название: Bis ihr sie findet
Автор: Gytha Lodge
Издательство: Readbox publishing GmbH
Жанр: Зарубежные детективы
Серия: Detective Chief Inspector Sheens ermittelt
isbn: 9783455006216
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Es entstand eine Pause. Er hatte das Gefühl, dass Jojo ihn mit ihren Blicken durchbohrte.
»Wir wissen noch nicht, was passiert ist«, sagte Hanson schließlich über ihren Blickkontakt hinweg. »Deshalb müssen Sie uns alles erzählen, was vielleicht hilfreich sein könnte.«
Jojo rutschte auf ihrem Stuhl hin und her, blickte zu Hanson und nickte.
»Ich sehe dabei nicht gut aus. Ein Freund meines Bruders hatte ein Problem. Er hatte für irgendeinen reichen Wichser in Southampton einen Riesenvorrat an Dexedrin gekauft. Und dann wurde besagter Wichser kurz vor dem Kauf wegen des Besitzes von Kokain hochgenommen, und der Freund meines Bruders saß in der Scheiße. Ich habe es Benners erzählt und ihn gefragt, ob er das Zeug kaufen wollte. Ich habe ihm gesagt, dass er es für praktisch nichts kriegen könnte …« Jojo zuckte die Achseln. »Ich weiß nicht, ob das als Dealerei zählt oder so. Aber ich hab es eingefädelt. Ich habe den Kontakt hergestellt. Benners’ Eltern waren steinreich, und es schien eine großartige Gelegenheit zu sein. Wir dachten, wir würden einfach auf den Drogen hocken und sie nach und nach nehmen. Wir standen damals voll auf Dexedrin. Es war unser Wachmacher für Partynächte, und Benners hat es manchmal benutzt, um den Abgabetermin für eine Hausarbeit zu schaffen.«
»Wie viel war es?«, fragte Jonah und dachte daran, was Brett Parker gesagt hatte.
»Fünfzehn Kilo«, antwortete Jojo. Ihr Mund zuckte leicht. »Eine irre Menge. Damit wären wir jahrelang ausgekommen.«
Jonah zeigte keine Reaktion. Er erinnerte sich an den Haufen kleiner Päckchen. Es waren nicht annähernd fünfzehn Kilo gewesen. Nicht mal ein Kilo.
»Und wie lange vor jenem Abend fand der Kauf statt?«, fuhr Jonah fort. Er spürte, wie Hanson sich neben ihm anspannte. Anders als angekündigt, überließ er ihr nicht die Führung.
»Ein paar Wochen. Nicht besonders lang«, sagte Jojo. »Es war immer noch ein neuer, großer, aufregender Kick.«
»Also können bis dahin höchstens ein paar hundert Gramm verbraucht gewesen sein.«
»Wenn überhaupt«, sagte Jojo. »Wir waren eigentlich alle keine starken Konsumenten, keiner von uns.«
»Und nachdem Aurora verschwunden war, hat die Gruppe beschlossen, es dort liegen zu lassen?«, fragte Jonah.
Jojo lächelte leer und stellte den Becher hart auf den Tisch. »Wir mussten die Suche nach ihr lostreten, und wir wussten, dass es dort früher oder später vor Polizisten wimmeln würde. Wir hatten eine Scheißangst und haben beschlossen, das Zeug dazulassen. Dass Aurora einfach so verschwunden ist, hat einen … Schatten über alles geworfen, nehme ich an. Keiner von uns wollte noch was mit dem Zeug zu tun haben. Zumindest habe ich das gedacht, wenn ich überhaupt daran gedacht habe. Wir haben hinterher nicht mehr über die Drogen gesprochen.«
»Keiner von Ihnen hat sie mehr erwähnt?«, fragte Hanson neugierig. »Überhaupt nicht?«
Jojo zögerte.
»Nein, nicht … Ich glaube, Benners war ziemlich erpicht darauf, dass wir uns von dort fernhalten. Schließlich war er derjenige, der in der Scheiße gesteckt hätte, wenn es rausgekommen wäre.«
»Hat er Ihnen gesagt, dass Sie sich fernhalten sollen?«
»Nicht ausdrücklich.« Jojo zuckte mit den Achseln. »Er meinte bloß, eine Zeit lang müssten wir alle so tun, als würde der Ort gar nicht existieren.«
»Hat er gesagt, wie lange?«, bohrte Hanson nach. »Er hat nicht erwähnt, dass er später dorthin zurückkehren wollte?«
»Er hat wie gesagt überhaupt nicht viele Worte darüber verloren. Zumindest kann ich mich nicht daran erinnern. Ich bin davon ausgegangen, dass es allen anderen ging wie mir. Es war, als ob die Drogen beschmutzt worden wären.« Sie atmete nervös ein. »Mein Gott. Sie war die ganze Zeit dort und hat darauf gewartet, dass einer von uns dorthin zurückkehrt, aber keiner ist gekommen.«
Außer dass einer von euch vielleicht doch zurückgekommen ist, dachte Jonah.
Nach einem kurzen Schweigen fragte Hanson leise: »Wusste Aurora von den Drogen?«
»Oh ja, sie wusste davon«, antwortete Jojo. »Wir wussten es alle, sogar Brett. Topaz hat vor ihm damit angegeben, und weil sie es ihm zeigen wollte, musste Aurora es auch sehen.«
»Das heißt, Topaz war an Brett Parker interessiert?«
Jojo lachte leise. »Ja. Damals hatte Connor keine Chance. Der arme Connor. Er musste zugucken, wie sie die ganze Zeit um Brett herumscharwenzelt ist, der damals einfach nur total selbstgefällig war. Wahrscheinlich wird man so, wenn einen alle bewundern. Ich glaube, Auroras Verschwinden hat ihn ein wenig erwachsener werden lassen.«
»Und war Brett umgekehrt auch an Topaz interessiert?«
»Nein, eigentlich nicht. Das war wahrscheinlich frustrierend für sie. Es gab nicht viele, die sie abgewiesen haben.«
Während Hanson Jojo weiter befragte, stand Jonah auf. Er spürte Jojos Blick auf sich, als er durch das Zimmer wanderte und nach Spuren der letzten paar Jahrzehnte suchte.
»Wie nahe stehen Sie sechs sich heute?«, fragte Hanson.
»Ziemlich nah. Es hat sich so ergeben, dass wir uns damals alle ziemlich oft gegenseitig stützen mussten. Brett ist als Erster weggezogen, weil er in der Jahrgangsstufe über uns war und nach Loughborough gegangen ist, aber sobald er das Geld hatte, hat er sich hier ein Haus gekauft, das allmählich zum Mittelpunkt von allem geworden ist.«
»Haben Sie über Aurora gesprochen?«
»Ja, natürlich. Aber wir haben auch über viele andere Dinge gesprochen. Wir waren Freunde.«
Jonah war zu einem Regal geschlendert, das an der Stelle stand, wo der Raum auf den angebauten Wintergarten stieß. Darin standen sechs gerahmte Fotos. Er erkannte Jojos jüngeren Bruder Kenny, der immer noch in Lyndhurst lebte und dort im Outdoor-Shop arbeitete.
»Und heute?«, fragte Hanson.
»Wir haben uns ein bisschen aus den Augen verloren, als Topaz und Connor weggezogen sind«, antwortete Jojo. »Ich meine, Daniel und Brett treffe ich nach wie vor unabhängig von den anderen. Coralie lebt mittlerweile in London und hat sich nicht übermäßig bemüht, Kontakt zu halten. Dieses mangelnde Interesse beruht durchaus auf Gegenseitigkeit.«
Jonah speicherte diese Informationen, während er weiter die Fotos betrachtete. Auf zwei Bildern waren Kinder zu sehen: Nichten und Neffen, die Kinder von Jojos älterem Bruder, vermutete er. Ein Foto zeigte Jojos Vater als jüngeren Mann, mit olivfarbener Haut, grinsend in einem Overall bei der Reparatur eines Daches.
Eins der beiden anderen Fotos nahm Jonah aus dem Regal. Eine Aufnahme von einer etwas jüngeren Jojo, um die dreißig, pitschnass an einem verregneten Tag, das Gesicht eng an das eines Mannes geschmiegt. Im Hintergrund sah man ein stürmisches Panorama von Meer und Klippen, im Vordergrund grinsten die beiden trotz des scheußlichen Wetters in die Kamera.
Er hörte, wie Jojo aufstand, sich recht nah neben ihn stellte und aufgewühlt von einem Fuß auf den anderen trat.
»Das ist Aleksy«, СКАЧАТЬ