Gold!. Gerstäcker Friedrich
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Название: Gold!

Автор: Gerstäcker Friedrich

Издательство: Bookwire

Жанр: Языкознание

Серия:

isbn: 9783753136295

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СКАЧАТЬ weggelaufene Matrosen, die andere Kameraden nicht so leicht im Stiche ließen. Freilich führten sie nur zwei Ruder, und das Boot ging so schwer im Wasser, daß sie entsetzlich langsam damit fortrücken konnten, aber das Land war auch nicht weit entfernt, und das erst einmal erreicht, und alle Capitaine der Bai hätten sie nicht wieder holen können.

      Capitain Meier gedachte indessen nicht, sie bis an Land zu lassen, und hoffte noch immer genug von seiner Autorität über die Leute, sie vorher zurück und aus dem Boote zu holen.

      Rasch sank die schon bereitgehaltene Jolle auf's Wasser nieder, und mit seinen beiden Steuerleuten, wie dem Zimmermann und Koch, setzte er den Flüchtigen nach, die er auch bald eingeholt hatte. Das viereckige kastenartige Fahrzeug war gerade vor dem Bug der Leontine vorübergefahren, und zwar so dicht, daß das eine Ruder die angespannte Ankerkette streifte, als die leichtgebaute Jolle heranschoß und der Capitain seine Leute barsch herüber und zu sich an Bord beorderte. Sein Empfang dort lautete aber nicht ermunternd.

      „Komm herüber und hol' uns, mein Schatz!" riefen ihm die Matrosen höhnend zu, während die Passagiere ihren bisherigen Schiffsführer mit Schmähungen überhäuften. Alle nur erdenklichen Schimpfwörter wurden gegen ihn geschleudert und selbst dabei blieb es nicht, denn Stücken Zwieback flogen gegen ihn an, und mit den Blechbechern schöpften Einige Wasser und gossen es nach ihm.

      Mit Gewalt war da nichts auszurichten, so viel sah Capitain Meier endlich ein, und den Bug seines Bootes herumwerfend, hielt er, so rasch er konnte, der nächsten Landung zu, wahrscheinlich um gerichtliche Hülfe in Anspruch zu nehmen. War das übrigens seine Absicht gewesen, so kam er damit zu spät, denn das Lichterboot gelangte bald darauf an eine Stelle, wo es die Matrosen bequem an Land setzen konnte. Diese schulterten dort ihre Säcke, zahlten ihr Ueberfahrtsgeld und waren im nächsten Augenblick in dem Gewühl am Ufer verschwunden, wahrend das Boot jetzt langsam dem gewöhnlichen Landungsplatz entgegenruderte. /34/

      Der Capitain der Leontine schien einmal nicht übel Lust zu haben, seinem Kollegen zu Hülfe zu eilen, besann sich aber doch wieder eines Besseren und mischte sich nicht in fremde Händel, deren günstiges Resultat immer nur höchst zweifelhaft geblieben wäre.

      Die Passagiere und besonders die Matrosen hatten übrigens dieser Scene mit außerordentlichem Interesse zugeschaut, und wie auf gemeinschaftliche Verabredung stockten, so lange sie dauerte, alle Arbeiten. Der Capitain selbst vergaß ganz, daß sich die eigenen Leute doch am Ende ein Beispiel daran nehmen könnten, und nur erst als die Deserteure an Land und jubelnd den Abhang hinaufsprangen, rief er seine Mannschaft mit lauter und barscher Stimme an ihre Arbeit zurück. Dadurch wurden die Passagiere aber ebenfalls gemahnt, daß sie hier ihre Zeit nutzlos vergeudeten. Dort drüben lag Kalifornien, und Alles drängte und schrie durcheinander nach einem Boot, das Schiff so rasch als möglich zu verlassen.

      So sehr sich nun die Auswanderer bei ihrer Landung in Nordamerika oder Australien scheuen, das Schiff gleich die ersten Tage zu verlassen, weil sie doch gern erst einmal recognosciren und den Boden kennen lernen wollen, auf dem sie ihre neue Heimath gründen sollen; so rücksichtslos suchte jetzt hier Alles nur Land - nur Boden zu gewinnen, dem man eben mit Spaten und Spitzhacke beikommen konnte. - Daß dort Gold lag, verstand sich von selbst. In diesem nach Außendrängen der Masse konnte sich aber der Einzelne natürlich nicht um den Einzelnen bekümmern. So geschah es denn auch, daß die Frau Siebert, der man bis dahin jede Freundlichkeit erwiesen, unbeachtet und allein mit ihren drei Kindern an Deck stand, und mit klopfendem Herzen über die Bai hinausschaute, auf der sie jeden Augenblick das nahende Boot ihres Gatten erwartete. Das geankerte Schiff zeigte schon lange die Hamburger Flagge; - er wußte, daß sie mit einem solchen in dieser Zeit eintreffen mußte, und hatte gewiß schon Wochen lang auf sie und die Kinder gehofft - ja ohnedies auch in seinem Briefe fest versprochen, sie gleich von Bord abzuholen, - und doch kam er nicht.

      Nur der alte Assessor Möhler war bei ihr geblieben. Ein/35/mal fürchtete er, daß das Jüngste, bei der Aufregung der Mutter und in der allgemeinen Verwirrung, vielleicht doch am Ende zu Schaden kommen könne, und dann sagte ihm auch wohl ein unbestimmtes, eben nicht ermuthigendes Gefühl, daß er immer noch früh genug jenes fabelhafte Land betreten würde. So, indem er Schutz gab, suchte er auch wieder zugleich Schutz unter den Fittigen der Frau, und glaubte die Bekanntschaft des reichen Californiers unter keinen besseren Umständen machen zu können, als wenn er ihm die gewiß sehnlichst erwartete Familie gesund und wohl überliefere.

      Eine Menge kleiner Boote kreuzten herüber und hinüber zwischen den verschiedenen Schiffen und dem Land - oft dicht an ihrem eigenen Fahrzeug vorüber. Angerufen aber schüttelten die Rudernden stets mit dem Kopfe, oder antworteten auch gar nicht - sie hatten irgend ein anderes Ziel - was kümmerten sie die Neuankommenden, denen Schiff auf Schiff folgte. Nur ein paar leere Boote, von einzelnen Männern gerudert, legten langseit, Passagiere mit hinüber zu nehmen. Es waren Amerikaner, die mit ihren eigenen Booten auf solche Art ihren Lebensunterhalt verdienten, und die Passagiere wunderten sich darüber, solche Leute hier noch zu finden. Warum waren die nicht oben in den Minen und gruben Gold?

      Mr. Hetson, der, seit sie die Einfahrt des goldenen Thores passirt, das Deck noch keinen Augenblick verlassen hatte, rief eins dieser Boote an, und miethete es zu einem enormen Preis für sich und seine Frau und sein Gepäck. Andere wurden von den übrigen Kajüten-Passagieren in Beschlag genommen, und mehrere Stunden mochten vergangen sein, ehe dasselbe viereckige und kastenähnliche Fahrzeug, das früher von der Bremer Barke den Matrosen zur Flucht verholfen, wieder zwischen den Schiffen sichtbar wurde und auf sie zuhielt.

      Der Capitain der Leontine war indessen schon lange mit seiner eigenen Jolle an Land gefahren, und der Steuermann wollte das gutgemerkte Fahrzeug nicht an seinen Bord legen lassen. Die Passagiere aber, denen das Deck unter den Füßen brannte, sammelten sich in Masse gegen den Seemann, und drohten ihn über Bord zu werfen, wenn er ihnen verbieten wolle, /36/ das Schiff zu verlassen. Das Lichterfahrzeug nahm übrigens nicht die geringste Notiz von den drohend hinübergerufenen Worten des Officiers. Einzelne der Passagiere, während sich die Matrosen vollkommen unthätig dabei verhielten, warfen ihnen dabei ein Tau hinunter, und Alle, die ihr Gepäck schon bereit hatten, reichten ihre Kisten und Kasten hinab, und sprangen nach, so rasch sie irgend konnten. - Nur die Frau Siebert blieb theilnahmlos bei dem Allen stehen und schien blos Augen für die Ufer, blos für die anfahrenden Boote zu haben, um wieder und immer wieder getäuscht zu werden. Der alte Assessor aber redete ihr fortwährend Trost ein und bat sie, ja nicht ungeduldig zu werden. In dem Wirrwarr, der dort am Ufer zu herrschen scheine, habe Herr Siebert rechr gut die Ankunft ihres Schiffes übersehen können, oder wenn er darauf gewartet, so hätte er auch die übrige kleine Flotte, die ihnen gefolgt sei, bemerken müssen. Noch eine Hamburger und eine Bremer Flagge wehe von deren Masten, und es wäre sehr leicht möglich, daß er erst nach den beiden anderen deutschen Schiffen - leider den falschen - hinübergefahren sei, ehe er an Bord käme, seine Frau und Kinder hier zu finden. Die Frau nickte schweigend mit dem Kopf; so zuversichtlich sie aber bis jetzt aufgetreten war, ein so beengendes Gefühl hatte sich jetzt ihrer bemächtigt, denn gar so einsam, gar so verlassen kam sie sich in dem fremden Land vor. Sie wußte wohl recht gut, daß das nur aus ein paar Stunden sein konnte, aber sie hatte sich den Empfang doch ganz anders gedacht und ausgemalt - hatte gehofft, daß ihr Mann noch an Bord springen würde, so lange alle Passagiere versammelt waren, sie dann im Triumph an Land zu führen, und jetzt - ein Boot nach dem andern glitt an ihnen vorüber, und keins von allen trug den so heiß Erwarteten.

      Der Eigenthümer des viereckigen Lichterbootes war mit an Bord gekommen und lehnte an der Schanzkleidung, das Einladen seiner Fracht zu überwachen. Was an Bord übrigens vorging, schien ihn nicht im Mindesten zu interessiren, denn er hatte nur Augen für die aus seinem Boot eingestauten Güter. Der Assessor stand kaum zwei Schritte von ihm entfernt, aber der Bootsmann drehte ihm den Rücken /37/ zu und überhörte auch ein paar höflich und leise an ihn gerichtete Fragen des alten Mannes. Wer von ihm etwas erfahren wollte, mußte laut sprechen.

      „Heda - Hans!" rief er da plötzlich in deutscher Sprache dem Einen der unten beschäftigten СКАЧАТЬ