Название: Gold!
Автор: Gerstäcker Friedrich
Издательство: Bookwire
Жанр: Языкознание
isbn: 9783753136295
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An dem nämlichen Abend konnte ich freilich keinen Muth zu dem Schritt fassen; aber am nächsten Morgen gestand ich meinem Gatten Alles, zeigte ihm den Brief und versicherte ihm, daß ich Charles zwar früher geliebt, aber auch fest entschlossen sei, jede, selbst briefliche Verbindung mit ihm abzubrechen. Das nächste Postschiff sollte den Scheidebrief an ihn mitnehmen, in dem ich ihm das Geschehene auseinandersetzte und ihn bat, sich wie ein Mann in das nun einmal Unabänderliche zu fügen."
„Und wie nahm Ihr Mann das Geständniß auf?" frug der Arzt leise.
„Im Anfang so ruhig und vernünftig, wie ich nur hoffen und erwarten konnte," erwiderte die Frau. „Er dankte mir auf das Herzlichste für das Vertrauen, das ich in ihn gesetzt, bedauerte den Unglücklichen, der durch eine solche Reihe von Unglücksfällen um meinen Besitz gebracht sei, und bat mich selber, ihm so rasch und ausführlich als möglich zu schreiben. Nur wenn er Alles wußte, lernte er am leichtesten entsagen.
„Augenblicklich schrieb ich den Brief, den ich Hetson zu lesen gab. Er war vollkommen damit einverstanden, und die nächste Post nahm ihn nach England mit; aber selbst von dem Tage an bemächtigte sich meines Gatten eine eigene Unruhe. Wieder und wieder las er Charles' Zeilen, der mir allerdings geschrieben, daß er keine Antwort abwarten, sondern seinem Briefe mit dem nächsten Schiffe folgen würde. Vergebens gab ich ihm die Versicherung, daß ich ihn, wenn er selbst nach Valparaiso käme, nicht sehen wolle und fest überzeugt wäre, er würde das Land augenblicklich wieder verlassen, sobald er erfuhr, was indessen hier geschehen war. Es blieb Alles umsonst. Tag und Nacht ließ es ihm keine Rast; der Gedanke, daß Charles kommen und mich zurückfordern werde - so wild und unwahrscheinlich auch immer - bemächtigte sich mit jeder Stunde mehr seiner Seele, und in einem reinen Ausbruch von Verzweiflung bat er mich endlich, mit ihm in ein anderes Land zu fliehen, denn er sei nicht mehr im Stande, diese stete, ihn aufreibende Angst zu ertragen.
„Ich willigte endlich ein. Mein Vater, dem ich Alles ge-/26/standen, redete mir selber zu, den Wunsch meines Mannes zu erfüllen, und da gerade Ihr Schiff, nach San Francisco bestimmt, in Valparaiso anlegte, beschloß Mr. Hetson die Gelegenheit ohne Weiteres zu benutzen. Unsere Vorbereitungen waren auch bald getroffen, nur wußte ich nicht, weshalb Mr. Hetson dieselben so geheim betrieb. Endlich gestand er mir, er fürchte, daß uns mein früherer Bräutigam selber nach Kalifornien folgen würde, und habe deshalb beschlossen, ihn von unserer Fährte abzubringen. Ein anderes Schiff lag nämlich gleichzeitig, nach Sidney in Australien bestimmt, im Hafen von Valparaiso, und ein Brief, der für Charles zurückbleiben sollte, enthielt die Meldung, daß wir uns nach Neu-Holland eingeschifft hätten.
„Vergebens bat ich Hetson, bei der Wahrheit zu bleiben und sich fest darauf zu verlassen, daß Charles seine Ruhe nie versuchen würde zu stören. Schon die Bitte allein erweckte sein Mißtrauen, seine Eifersucht. Er fing an zu glauben, daß mir daran liege, ihm ein Zeichen zu hinterlassen, wohin wir uns gewendet, und überwachte jeden meiner Schritte, ja selbst meine Blicke auf das Aengstlichste, so lange wir uns noch an Land befanden. Meine Eltern beschwor er dabei bei Allem, was ihnen heilig sei, dem Ankommenden unsern wahren Aufenthalt nicht zu verrathen, und befand sich auch fortwährend in einer solchen Aufregung, daß ich zuletzt selber den Augenblick herbeisehnte, in dem wir Chile verlassen würden. Hoffte ich doch, daß sich dann seine Unruhe legen, seine unglückliche Angst beschwichtigt werden würde."
„Aber das hat sich nicht erfüllt?" sagte theilnehmend der Arzt.
„Nein," seufzte die Frau; „es ist im Gegentheil, seit wir das Land in Sicht haben, noch mit vermehrter Stärke wieder ausgebrochen. Hatte er doch schon in den ersten Tagen unserer Reise die unglückselige und fixe Idee, daß sich Charles heimlich mit an Bord geschlichen habe. Erst als er sich vom Gegentheil fest und unleugbar überzeugt, wurde er ruhiger; mit dem Land aber vor sich, mit den fremden Schiffen in Sicht, scheint die alte Angst nur stärker wiederzukehren. Auf jedem Fahrzeug, das den Eingang zur San Francisco-Bai /27/ sucht, fürchtet er den Mann, den er für seinen Nebenbuhler hält. Er zittert sogar schon vor dem Betreten des fremden Bodens, den Jener vor uns erreicht haben könnte, und ich selber bin über diesen Zustand des Unglücklichen, der nahe an Wahnsinn grenzt, in Verzweiflung. Deshalb, verehrter Herr, drängte es mich auch, mein Herz einmal gegen irgend Jemanden auszuschütten, und wem hätte ich da eher vertrauen können, wie gerade Ihnen?"
„Ihr Vertrauen soll Sie da nicht getäuscht haben, verehrte Frau," sagte der alte Mann gerührt, „aber ich weiß nicht recht, wie ich Ihnen da jetzt beistehen kann. Ihr Gatte hat einmal diese unglückliche fixe Idee gefaßt, und mit äußeren Mitteln ist da nichts zu bessern."
„Wenn man ihm nur die Kunde bringen könnte," seufzte die Frau, „daß - Jener wirklich nach Australien gegangen sei."
„Um Gottes willen nicht," rief der Arzt schnell, „dann würde er erst die Gewißheit haben, daß er Sie wirklich verfolge, und nie im Leben mehr Ruh' und Rast finden. Von Australien kommen überdies, wie ich gehört habe, sehr häufig Schiffe in San Francisco an, und jedes von diesen würde seiner Unruhe neue, und dann gerechtfertigte Nahrung geben."
„Aber was soll, was kann ich da thun? Wie wird das überdies enden," frug verzweifelnd die Frau, „wenn diese fixe Idee mehr und mehr überhand nimmt? Schon jetzt ist sein Körper dieser ununterbrochenen Aufregung fast erlegen."
„Fahren Sie vor allen Dingen fort," sagte der alte Mann, „wahr und aufrichtig gegen Ihren Gatten zu sein. Der geringste Widerspruch, auf dem er Sie beträfe, könnte und müßte das Uebel nur verschlimmern. Geben Sie ihm dagegen nicht den geringsten Anlaß zu Verdacht, und hört er nichts mehr von dem vermeintlichen Nebenbuhler, so ist die Zeit sein bester Arzt und wird ihn bald vollkommen wiederherstellen."
„Aber wenn nicht?" frug, ängstlich die Hände gefaltet, die Frau - „wenn in dem fremden Lande diese entsetzlichen Träume stärker und stärker würden?"
„Vertrauen Sie auf Gott," unterbrach sie ernst der alte Mann, „und bedenken Sie vor allen Dingen, daß Sie durch solche ängstliche Phantasien Ihre eigene Gesundheit muth-/28/willig untergraben. Haben Sie guten Muth; das neue rege Leben da drüben wird den besten und heilsamsten Einfluß auf Ihren Gatten ausüben. Jetzt in das enge Schiff einge¬schlossen, Tag für Tag ohne jede Beschäftigung, nur immer auf die gewohnte Umgebung angewiesen, deren man ohnedies müde wird, ist es kein Wunder, daß er sich solchen unglück¬lichen Ideen mit doppelter Schärfe hingegeben. Erst einmal von dem praktischen californischen Leben, von all' dem Drängen und Ringen nach Gold und Schätzen umrauscht, wird und muß er seine trüben Gedanken bald vergessen."
„Ich will es hoffen," seufzte die Frau aus tiefstem Herzen, „ich selber will ja gern Alles thun, was in meinen Kräften steht, ihn aufzuheitern und zu zerstreuen - wenn nur sein Geist nicht schon gelitten hat."
„Ich fürchte das nicht," sagte freundlich der Arzt. „Geben (sie sich nur nicht selber solchen gefährlichen Träumen hin, dann wird schon Alles gut werden. Uebrigens kenne ich nun sein Leiden, und sollten Sie in San Francisco meiner Hülfe bedürfen, so seien Sie versichert, daß ich Ihnen treu und redlich zur Seite stehen werde."
„Das lohne Ihnen Gott," sagte die Frau und ergriff zitternd seine Hand; der alte Herr bot ihr aber freundlich den Arm und geleitete sie zu der in die Kajüte hinabführenden Treppe, wo er sie verließ, um an Deck zurückzukehren.
2.
Das „goldene Thor".
Sonnen und klar brach der nächste Morgen an. Kaum aber warf der erste Dämmerschein seinen mattgrauen Strahl über die ruhig wogende See, als das Deck der Leontine schon von Passagieren wimmelte, СКАЧАТЬ