Die wichtigsten Werke von Jodocus Temme. Jodocus Temme
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Название: Die wichtigsten Werke von Jodocus Temme

Автор: Jodocus Temme

Издательство: Bookwire

Жанр: Языкознание

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isbn: 9788027238149

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СКАЧАТЬ nicht minder die Juden in Stendal. Diese hatten dasselbe auf ein Mittagsmahl getragen, bei dem viele Juden anwesend gewesen; sie hatten zwei Hiebe und mehrere Schnitte hineingethan, worauf so viel Blut, als in eine Nußschaale gehen mag, herausgekommen war und auf den Tisch geflossen. Das Blut aber haben sie, soviel sie auch gewaschen, nicht von dem Tische bringen können, weshalb sie von diesem das Ende, woran das Blut gesessen, abgehauen. Zuletzt haben sie die Hostie, die durch alles Schneiden und Hauen doch nicht verletzet worden, wiederum in die blecherne Büchse hineingethan, und den Juden gen Osterburg zugeschicket. Allda hat am Freitage nach Pfingsten ein Jude, Namens Isak, seine Hochzeit und Beilager gehalten, wobei viele Juden aus allen Gegenden der Mark zugegen gewesen. Bei dem Mittagsmahle nun haben sie die Hostie wieder auf den Tisch gelegt, und mit Messern und Pfriemen hineingestochen, worauf dann abermals Blut herausgeflossen. Von da haben sie die Hostie den Juden in Braunschweig zugesendet. Das Alles haben die gefangenen Juden zu Berlin bekannt. Nicht minder haben sie zugestanden, daß Mehrere von ihnen, nämlich Meier von Osterburg, Elias von Tangermünde, David von Gardelegen, und viele Andere, als sie zu Martini in Werben beisammen gewesen, daselbst ein Christenkind von vier Jahren um zehn Gulden gekauft, das sie in einen Keller gebracht, und allda mit Nadeln und Pfriemen gestochen, ihm auch die Medianader geschlagen und ihm zuletzt den Hals abgeschnitten. Von dem also jämmerlich zum Tode gebrachten Kinde haben sie ein ganzes Nößel Blut bekommen. Ein anderes Christenkind, fünf Jahre alt, hatten sie vier oder fünf Tage nach Ostern gekauft, und in die Synagoge zu Osterburg gebracht, wo sie ihm zur Ader gelassen, es jämmerlich mit Nadeln gestochen und ihm zuletzt den Hals abgeschnitten. Die Juden haben auch angezeigt, warum sie das Alles gethan. Die Hostie nämlich haben sie an sich gebracht, um dadurch die Christen zu verachten, Christum zu verschmähen, und davon Wunderwerke zu sehen. Der unschuldigen Christenkinder Blut hatten sie gebraucht zu ihren Krankheiten und zu ihrem Blutgang.

      Im Jahre 1510 am Freitage nach Margarethe sind darauf, nach vorangegangenem peinlichen Halsgericht, die schuldigen Juden, acht und dreißig an der Zahl, zu Berlin auf dem großen Plan bei der St. Marien-Kirche, der neue Markt genannt, lebendig verbrannt worden.

      Andreas Angelus Annales. pag. 269-279.

       6. Das wunderbare Feuer zu Stendal.

       Inhaltsverzeichnis

      Im Jahre 1553 haben etliche Leute zu Stendal in einem Hause krank gelegen. Dieselben sind in solcher ihrer Krankheit wunderbarlicher Weise mit Feuer überfallen und sichtlich verbrannt worden, also daß sie im Feuer erstickten und starben. Das Haus aber, darinnen sie gelegen, ist unversehrt geblieben, und gar nicht einmal vom Feuer angesteckt gewesen. Als man nun am dritten Tag hernach die also verstorbenen Leute hat begraben wollen, da haben sie durch die Särge überflüssig geblutet.

      Andreas Angelus Annal. pag. 351.

      Sammlung zu einer Chronik von Stendal. Th. I. S. 48.

       7. Der Kinderesser zu Stendal.

       Inhaltsverzeichnis

      Im Jahre 1638 war in der Altmark eine große Hungersnoth. Damals war in der Stadt Stendal ein Soldat, der schon seit mehreren Tagen gar nichts mehr zu essen gehabt hatte. Den trieb die Hungersnoth am Ende so weit, daß er sein eigenes Kind schlachtete, Lunge und Leber herausnahm und verspeisete. Aber während er noch an diesem unnatürlichen Essen war, ereilte ihn die Strafe seines Frevels, denn er fiel plötzlich dabei nieder, und starb eines jähligen Todes.

      Sammlung zu einer Chronik von Stendal. I. 55.

       8. Der Betrug um die Leichengebühren.

       Inhaltsverzeichnis

      Zu Stendal in der Altmark lebte vor vielen Jahren eine adelige Wittwe, die mit ihrer Tochter vom Lande her dahin gezogen war. Diese Tochter war sehr geizig, was ihr aber zuletzt übel bekam. Denn als die Wittwe nach etlichen Jahren zu Tode gekommen war, und ihrer Anordnung gemäß ihre Leiche aus der Stadt geführt und in ihrem Dorfe begraben werden sollte, und nun die Kirchenväter der Domgemeinde, bei welcher die Verstorbene ihre Seelenweide gehabt hatte, den üblichen Abtrag für das Abführen der Leiche forderten, da führte die Tochter sie mit einer frechen Lüge zurück, und ließ die Leiche heimlich zur Stadt hinausführen. Dafür traf sie aber ein harter Fluch, denn von Stund’ an gingen ihre Sachen zurück, und in wenigen Jahren war sie um alle ihre Erbschaft so gar herum, daß sie weder zu essen noch sich zu bekleiden mehr hatte, und ihr Mann in den Krieg ziehen, ihre Kinder aber zu gutthätigen Leuten ausgethan werden mußten. In solcher Armuth starb sie elend dahin.

      Sammlung zu einer Chronik von Stendal. II. 66.

       9. Die betenden Straßenräuber.

       Inhaltsverzeichnis

      Vor vielen Jahren lebte in einem Dorfe unweit Stendal ein Prediger, der sehr geizig war. Der war eines Tages in Stendal gewesen, und hatte dort viel Geld eingenommen, was drei Soldaten gesehen hatten. Als der Prediger daher mit seinem Gelde die Stadt verließ und seinem Dorfe zuging, folgten ihm die drei Soldaten, welche lose Galgenvögel waren, und trachteten ihm sein Geld abzunehmen. Offene Gewalt wollten sie nicht gern gebrauchen; deshalb wandten sie folgende List an: Als der Pfarrer mitten im Felde war, traten sie zu ihm, und sprachen ihn demüthig um eine Reiterzehrung an. Ihnen erwiederte der Geistliche mit heuchlerischen Worten, daß er kein Geld bei sich habe, und es ihm daher sehr leid thue, daß er ihnen nichts geben könne. Da sprach einer der Galgenvögel eben so heuchlerisch: So lasset uns, lieber Herr, mit einander beten, daß uns Gott etwas bescheren wolle, und was er uns dann zuwenden wird, das wollen wir ehrlich mit einander theilen. Dieser Vorschlag gefiel natürlich seinen Gesellen, und der Prediger konnte sich ihm nicht widersetzen. Was geschah? – Sie knieeten alle Vier nieder, und beteten lange mit einander. Dann standen sie auf, und die drei Soldaten fragten einer den andern, ob ihnen Gott etwas beschert habe. Als nun die Soldaten alle drei Nein gesagt hatten, wandten sie sich an den Pfarrherrn und sprachen, dann müsse er doch sicher etwas bekommen haben. Der erschrockene Prediger schwor, er sei noch so arm, als vorher; allein das half ihm nichts. Die Räuber meinten, er selbst kenne sein Glück noch nicht, und wendeten ihm die Taschen um und suchten seinen Kober durch. Da fanden sie denn viele Thaler, die nahmen sie heraus, und theilten sie ehrlich in vier Theile, gaben dem Prediger davon einen, und nahmen ein Jeglicher auch einen, und gingen also ihre Straße fröhlich zurück.

      Sammlung zu einer Chronik von Stendal. II. 48. 49.

       10. Die alte Glocke in Koblake.

       Inhaltsverzeichnis

      Unweit Stendal ist eine wüste Feldmark, die Kobbellake genannt; vor Zeiten hat hier ein großes Kirchdorf gestanden, das denselben Namen geführt, das aber schon lange vor dem dreißigjährigen Kriege zu Grunde gegangen ist. Man sieht nur an dem Orte, wo früher die Kirche gestanden, einige wenige Mauerstücke aus der Erde hervorragen. Vor vielen Jahren war einem Hirten aus dem nahen Dorfe Großen-Möhringen, der dort in der Gegend das Vieh hütete, eine Sau entkommen. Er suchte СКАЧАТЬ