Mörderjagd in Mecklenbeck. Gernot Beger
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Название: Mörderjagd in Mecklenbeck

Автор: Gernot Beger

Издательство: Автор

Жанр: Контркультура

Серия:

isbn: 9783956837470

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СКАЧАТЬ wie er das Seniorenheim nannte, wäre nicht zu trauen.

      Zu weiteren Kommentaren kam Anselmus von Lukowitz nicht, da Frank, einer der für Christine zuständigen Stationspfleger, den Eingangsbereich des Heims betreten hatte und mit schnellen Schritten die gut besetzte Cafeteria betrat. Die große Gestalt des siebenundzwanzigjährigen Mannes überragte sogar die meines Leinenhalters und sein fotogenes Aussehen – er wäre der geeignete Kandidat für den Fernsehbachelor gewesen – ließ die Blicke der weiblichen Heimbewohner aufleuchten. Beim Näherkommen scherzte er kurz mit Waltraut und Marta, zwei Freundinnen von Christine, die ihre Bewunderung für Frank offen zur Schau trugen. Als er unsere kleine Gruppe sah, kam er lächelnd auf uns zu.

      »Guten Tag Herr Beger, guten Tag Christine, geht es Ihnen nicht gut? Sie machen so einen bekümmerten Eindruck.«

      »Ich habe meinen Ring verloren, er ist einfach weg«, seufzte Christine. Dabei hob sie ihre linke Hand und spreizte den leeren Ringfinger ab, an dem ein schmaler umlaufender Streifen ungebräunter Haut ihre Aussage bestätigte.

      »Den Ring mit dem Diamanten haben sie verloren?« In Franks Gesicht mit seinen braunen Augen spiegelte sich Bestürzung und Mitleid. »Aber der kann doch nicht weg sein. Den sehe ich in meiner Erinnerung noch ganz deutlich an Ihrer Hand«, sagte er fassungslos. Es wurden noch ein paar mitfühlende Bemerkungen von Frank gemacht, bevor er sich von Gernot verabschiedete. Mich hatte der Schönling gar nicht beachtet. Dafür war meiner Nase etwas aufgefallen. Bei manchen Menschen kommt die Falschheit ja schon aus den Poren raus. Frank gehörte dazu. Er roch nach Lack, nach klarer Lackfarbe. Dabei hatte er bestimmt nicht gerade seine Wohnung renoviert. Dieser Geruch steht bei Menschen für Unaufrichtigkeit.

      Als Gernot und ich das Altenheim verließen, blieb eine traurige Christine zurück, die sich nachhaltige Vorwürfe wegen ihrer Vergesslichkeit machte. Ihr Ring, dessen ideellen Wert Christine deutlich höher als den materiellen einschätzte, blieb erst einmal unauffindbar. Als er dann später doch wieder auftauchen sollte, würde ich mir unschlüssig sein, ob die Tatsache des Wiederfindens oder dessen Umstände für mich überraschender waren.

      GASSI GEHEN MIT ANNA

      Die Altenpflegerin Anna Halina Grabowska hatte mit ihren neunundzwanzig Jahren bereits einiges erlebt. Das meiste war eher unschön. Sie war das einzige Kind ihrer Mutter, die sie in einem kleinen polnischen Dorf unehelich zur Welt brachte. In den ländlichen Regionen dieses streng katholischen Landes, in denen sonntags die Kirchen voller waren als die Wirtshäuser, wurde dies als ein besonderer Makel angesehen. Ihren Vater hatte sie nie kennengelernt und ihre Mutter verstarb an Tuberkulose, bevor sie fünf Jahre alt war. Anna kam in das Waisenheim des nächstgrößeren Ortes Posen in Westpolen, welches von Nonnen nach dem straffen Reglement der Hohen Gesellschaft Christi geführt wurde. Ein Jahr später nahmen zwei ältere unverheiratete Schwestern, die entfernt mit ihrer Mutter verwandt waren und zusammenlebten, Anna auf. Sie hatte jetzt zwar ein Zuhause, aber Zuneigung, Wärme und Behütetsein erfuhr sie bei den beiden Jungfern ebenso wenig wie im Waisenhaus zuvor. Anna entwickelte sich zu einem hübschen Mädchen, dem allerdings Selbstvertrauen und Empathie fehlten. Mit sechszehn Jahren machte sie auf Drängen ihrer beiden Tanten eine Ausbildung zur Altenpflegerin. Das Kalkül der beiden älteren Damen war wohl, sich anschließend von Anna pflegen zu lassen. Anna hatte jedoch anderes vor. Sie verließ nach Beendigung ihrer Ausbildung sofort ihre Heimatstadt. Sie wollte weit weg von den Stätten ihrer unglückseligen Kindheit und ließ sich nach Deutschland vermitteln. Die ersten Jahre arbeitete sie in verschiedenen Städten in Brandenburg, dann wechselte sie ins Münsterland. Seit einem knappen Jahr war sie in der Seniorenresidenz fest angestellt.

      Anna hatte eine besondere Liebe für die unterschiedlichsten Tierarten entwickelt. In Polen bei ihren Tanten versorgte sie eine Katze und einen Stallhasen, bis er zu ihrem Leidwesen geschlachtet wurde. Hunde nahmen bei ihr jenen Platz ein, auf den es keinen männlichen Anwärter gab. Vielleicht war dies den Enttäuschungen geschuldet, die sie in ihrer Kinder- und Jugendzeit von lieb- und freudlosen Zweibeinern erfahren hatte. Deswegen war sie mir immer sehr zugetan, wenn ich mit meinem Leinenhalter Gernots Mutter Christine im Altenheim besuchte und sie Dienst hatte. Intuitiv fand sie die richtige Stelle, um mich zu kraulen: am Ende des Rückens, direkt vor dem Schwanzansatz. Gernot hatte einige Jahre gebraucht, um diesen genussvollen Kraulpunkt bei mir zu entdecken und mich mit dem richtigen Druck zu massieren. Vor zwei Wochen, als wir dem Heim einen Besuch abstatteten, bemerkte sie beiläufig zu meinem Leinenhalter, dass sie mich gerne Gassi führen würde, wenn Gernot verhindert wäre. Mit dem Hinweis, er könne sie jederzeit anrufen, händigte sie ihm ihre Handynummer aus.

      Am vergangenen Montag war es dann soweit. Gernot hatte kurzfristig einen geschäftlichen Termin bei seinem Verlag in Düsseldorf vereinbart, bei dem er mich aus mir unverständlichen Gründen nicht dabeihaben wollte. Eigentlich lasse ich ihn ungerne alleine. Schließlich bin ich für ihn verantwortlich und weiß nie, was er alleine so anstellt. Als er vor einigen Wochen ohne mich mit seinem alten Tiguan unterwegs war, fiel sein Navi aus und er fand die Zieladresse erst Stunden später. Mit meiner Spürnase wäre dies sicherlich nicht passiert.

      Ein Spaziergang mit Anna versprach eine schöne Abwechslung zu werden. Sie würde vielleicht mehr als mein Leinenhalter auf meine Wünsche eingehen und mir größere leinenlose Freiheiten ermöglichen. Mein Zweibeiner rief kurzerhand Anna an. Sie hatte dienstfrei und er verabredete mit ihr, dass ich um 12 Uhr zu ihrer Wohnung in Mecklenbeck gebracht würde. Er könnte dann direkt zu seiner Verabredung nach Düsseldorf weiterfahren. Vorausgesetzt, sein Tiguan war mit dieser Planung einverstanden. Das äußere Erscheinungsbild dieses Fahrzeuges aus dem ersten Produktionsjahr dieses Modells ließ erahnen, dass dem Halter gelegentlich viel Toleranz abverlangt wurde. Sonne und Regen hatten den Lack matt werden lassen und kleinere Dellen sowie auffällige Rostflecken beleidigten die Augen von Freunden deutscher Wertarbeit. Die Kupplung besaß eine erstaunliche Klangvielfalt. Gelegentlich verweigerten die elektrischen Fensterheber ihren Dienst, was bei plötzlichem Regen für den Wagen zu einer ungesunden Pfützenbildung in seinem Inneren führte. Zumeist half jedoch ein gleichermaßen gefühlvolles wie kräftiges Klopfen gegen die Autotür, um die Fenster zu schließen. Der Wagen passte zu meinem Leinenhalter. Beide waren unberechenbar. Diesmal sprang der Wagen an, aber es gab eine andere Verzögerung. Unsere Nachbarin, Frau Strullkötter, lief heftig winkend zu unserem abfahrbereiten Fahrzeug. Frau Strullkötter war eine Person, die es verstand, das nachbarschaftliche Verhältnis spannend und abwechslungsreich zu gestalten. Gernot hielt sie für grenzwertig dement. Als gelernte Hausfrau wurde sie erst in fortgeschrittenem Alter als Krankenschwester diagnostiziert, bevor sie in den vorzeitigen Ruhestand trat. Mit melonenrot geschminkten Lippen und gestylten Haaren eilte sie auf uns zu. Gernot schaltete den Motor wieder aus, vermied es, das Fensterglas der Fahrertür einzufahren und stieg daher aus.

      »Guten Tag, Frau Strullkötter, ist etwas passiert, kann ich ihnen helfen?«

      »Natürlich ist etwas passiert«, rief sie sichtlich echauffiert. »Ihr Hund hat in meinen Vorgarten gekotet.«

      »Das kann ich mir gar nicht …«,

      »Kommen Sie mit, sehen Sie sich das an«, unterbrach sie meinen Leinenhalter. Sie lief auf den Rasen vor ihrem Haus und zeigte triumphierend auf eine Stelle. Erst bei näherem Hinsehen war ein armseliges Würstchen zu erkennen. »Mein Grundstück ist doch keine Hundetoilette. Sie müssen auf ihren Hund besser aufpassen«, schalt sie.

      »Frau Strullkötter, das ist bestimmt nicht von Chaka, eher von einer kleinen Katze, einem Igel oder wohnt vielleicht eine Ratte auf ihrem Grundstück?« Bevor die Nachbarin etwas entgegnen konnte, holte Gernot einen stets griffbereiten Kotbeutel aus seiner Hosentasche, schlüpfte mit seiner rechten Hand in den Beutel und stülpte ihn über die winzige Notdurft.

      »Wenn Chaka sich löst, ist der Beutel voller.« Aber da war Frau Strullkötter bereits auf dem Rückweg in ihr Haus.

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