Man erzieht nur mit dem Herzen gut. Daniel Zindel
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Название: Man erzieht nur mit dem Herzen gut

Автор: Daniel Zindel

Издательство: Bookwire

Жанр: Сделай Сам

Серия:

isbn: 9783417269901

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СКАЧАТЬ Mitglied kommt es zu neuen Beziehungen und Bezügen im Familienhaus. Die Familie ist ein Beziehungsgeflecht, ein lebendiger Organismus, der ständig in Bewegung ist. Das ist bei jedem Kind, das hinzukommt, der Fall, aber ebenso wenn Familienmitglieder das Familienhaus verlassen.

      Für unsere Jüngste war es eine große Herausforderung, als ihre drei älteren Geschwister aus Studien- oder Berufsgründen auszogen. Sie hat die Gabe, Beziehungen zu leben. Wie ein Herdenhund wachte sie über das Miteinander in unserer ganzen Familie. Nun war ihr die Herde abhandengekommen. Für uns Eltern und sie war eine Zeit der Neuanpassung angesagt. Tränen wurden vergossen und viele Gespräche geführt.

      Wir haben die Erfahrung gemacht, dass uns bei einschneidenden Veränderungen die Gottesbeziehung Stabilität und Flexibilität verleiht. Der biblische Gott ist ein Weg-Gott. Er forderte Abraham auf, alles zu verlassen, was ihm vertraut war und ihm Sicherheit gab.4 Er versprach ihm, ihn in ein Land zu führen, das er ihm noch zeigen würde. Abraham vertraute ihm und zog aus.

      Angst macht unbeweglich, Gottvertrauen macht flexibel. Wir dürfen darum bitten, dass uns dieses Vertrauen immer wieder neu geschenkt wird.

      BAUSTELLE FAMILIENHAUS

      Wir Eltern haben eine Verantwortung für die Innen- und die Außenarchitektur unseres Familienhauses. Das bedeutet für uns, dass wir immer mal wieder über Strukturen unseres Hauses sprechen, darüber, wer in der Familie wie viel Raum einnimmt:

      • Hat jeder seine gute Nische?

      • Wie gestalten sich unsere Beziehungen zu den Kindern aus?

      • Gibt es ungute Koalitionen, die den Beteiligten und der Familie schaden?

      • Werden Familienmitglieder ausgetrickst?

      • Bevorzugen wir eines der Kinder und stellen es auf einen Sockel?

      • Gibt es einen Sündenbock oder ein schwarzes Schaf?

      • Ist das kranke oder rebellische Kind vielleicht Symptomträger eines vertuschten Elternproblems?

      • Unser Blick möge mit besonderer Sorgfalt auf dem stillen, angepassten und pflegeleichten Kind liegen!

      Wenn die Kinder größer sind, können wir als Familie über unsere Plätze in der Familie sprechen. Mit ihren Themen, wer in der Familie was, wann und wie viel bekommt, spielen die Kinder uns manchmal einen Steilpass zu. Die Frage: »Wie erlebt ihr uns als Familie?«, kann uns die Augen für unsere blinden Flecken öffnen.

      Die Gebäudehülle

      Wir Eltern haben außerdem die Verantwortung für die Gebäudehülle. Raum entsteht durch Begrenzung. Familiengrenzen haben eine Abschluss- und Schutzfunktion, wie sie die Haut bei unserem Körper wahrnimmt.

      Mehrere Familien verbringen zusammen eine Ferienwoche am Meer. Die Kinder wären am liebsten Tag und Nacht zusammen. Die Eltern jedoch haben ein Gespür dafür entwickelt, wann die Familie Zeit für sich selbst und Abgrenzung nach außen braucht.

      Gut gesetzte Grenzen stärken den Zusammenhalt und die Identität der Familie: Das sind wir. Wir musizieren. Wir sind Genießer. Bei uns wird laut gelacht und gestritten. Bei uns wird gebetet. Bei uns ist vieles nicht perfekt, aber es lebt!

      Gute Grenzen funktionieren für eine Familie wie eine Gore-Tex-Haut. Sie schützen und lassen vieles abperlen, was dem Einzelnen schaden könnte. Das Wir-Gefühl stärkt die einzelnen Familienmitglieder.

      In der Schule wird Peter ausgelacht, als er von seinen Ferien erzählt, weil sie mit Fahrrad und Zelt unterwegs gewesen sind. Zu Hause meint sein älterer Bruder: »Deine Klassenkameraden sind Banausen. Die haben keine Ahnung, wie cool Fahrradtouren sind!«

      Eingeengt

      Die Gore-Tex-Haut ist zugleich atmungsaktiv und durchlässig. Wenn Grenzen in einer Familie zu eng gezogen werden, wird die Familie zur Festung. Wir bekommen im geschlossenen System keine Luft mehr. Es fehlt der Austausch mit den anderen. Es gibt keine Anregung, keine Befruchtung, keine Korrektur. Kein Ausgang ist möglich, nur noch Ausbruch.

      Der Vater bestimmte alles. Er wusste haargenau, was biblisch war. Seine Frau ordnete sich ihm in allem unter. Ebenso seine drei Kinder. Zunächst. Mit 18 Jahren brach die Mittlere aus dem engen Regelkorsett der Familie aus. Der Vater duldete das nicht und schloss sie aus der Familie aus. Manchmal telefonieren die Mutter und die Tochter miteinander. Heimlich.

      Durchzug

      In manchen Familien sind die Grenzen zu wenig entwickelt. Es herrscht Durchzug. Das »Wir« ist unterentwickelt, das Zusammengehörigkeitsgefühl fehlt und die Familienidentität ist brüchig. Hielt früher der gemeinsame Kühlschrank die Familie zusammen, so ist es heute zusätzlich noch der gemeinsame WLAN-Anschluss. Alle Familienmitglieder starren auf ihre Screens. Was jedoch vordergründig als trauliches Zusammensein erscheint, ist im Grunde sprachlose Einsamkeit, wo sich jeder in seiner Medien-Blase befindet.

      Auch hier ist es hilfreich, wenn wir als Eltern über unsere Familiengrenzen im Gespräch bleiben. Haben wir als Familie zu wenig Zeit für uns allein? Was könnte unser Wir-Gefühl stärken?

      Wir können außerdem betend mit Gott ins Gespräch über unsere Familie kommen:

      Guter Gott, wie sind wir als Familie in deinen Augen aufgestellt? Wie denkst du darüber? Hast du für mich, hast du für uns als Eltern einen Hinweis dazu? Füllen wir unsere Plätze aus? Hast du eine Idee, wie sich jede und jeder von uns weiter entfalten kann, trotz der Enge, in der wir leben?«

      Nehmen Sie die Impulse, die Ihnen in diesen betenden Fragen kommen (Gedanken, Ideen, innere Bilder etc.), ernst. Gott kann durch solche intuitiven Eindrücke zu Ihnen sprechen.

      ZUSAMMENLEBEN UNTER EINEM DACH

      Die Familie ist der sichere Ort, wo das Leben von Erwachsenen und Kindern behütet und entfaltet wird. Es geht um das Kindswohl und das Elternwohl. Die Familie ist kein Schon-, aber ein Schutzraum, wo wir den täglichen guten Umgang miteinander üben, damit das Leben gelingt. Familie ist wie eine Heimat, wo wir sichere Bindungen und Urvertrauen entwickeln. Wir vertrauen einander und haben Respekt voreinander, obwohl wir manchmal streiten. Jeder von uns macht Fehler und wir brauchen Korrektur und Ergänzung. In einer Familie geht es nicht primär um Erziehung, sondern um Beziehung. Alle entwickeln sich aneinander und miteinander.

      Unsere Kinder hatten auf meine eigene Entwicklung einen entscheidenden Einfluss: Als unsere erste Tochter zur Welt kam, begann ich, Tagebücher zu schreiben. Vor Kurzem habe ich wieder mal meine Tagebücher aus jener Zeit der frühen Mutterschaft hervorgenommen. Pulsierendes Leben kommt mir beim Lesen entgegen. Ich lese von intensiven Gefühlen der Freude und Dankbarkeit, aber auch von meinem Unvermögen. Ich lernte in diesen Jahren meine Schwächen und Grenzen schmerzlich kennen. Gefühle der Scham, der Ohnmacht und des Versagens erlebte ich wie nie zuvor. Immer wieder war ich enttäuscht über meine lieblosen und ungeduldigen Reaktionen gegenüber meinen Kindern. Ich stellte mich damals meinem Unvermögen. Es war mir eine Hilfe, mit Gott darüber zu sprechen. Das ermutigte mich immer wieder, mich selbst nicht zu verurteilen, sondern Neues zu lernen.

      Gerade weil es in unserem Zusammenleben in der Familie oft eng wird und wir nicht einfach ausbrechen können, sind wir herausgefordert, СКАЧАТЬ