Название: Dr. Laurin Staffel 3 – Arztroman
Автор: Patricia Vandenberg
Издательство: Bookwire
Жанр: Языкознание
Серия: Dr. Laurin
isbn: 9783959796644
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»Du darfst noch nicht soviel sprechen, Benedikt. Ich werde mir Dr. Sternbergs Zorn zuziehen, wenn es dir morgen wieder schlechtergeht.«
»Es tut mir so leid, daß ich dich in Angst und Schrecken versetzt habe. Als ich dich sah, hatte ich plötzlich alles vergessen. Es war wie ein wunderschöner Traum.«
Sie küßte ihn leicht auf die Augen. »Träum weiter, Liebster«, sagte sie weich. »Wir werden noch viel Zeit haben, um über alles sprechen zu können.«
»Hast du den Koffer an dich genommen, Mirja?« fragte er. »Er ist sehr wichtig. Er enthält Dinge, die für mich unersetzlich sind.«
»Er ist in meiner Wohnung, Benedikt«, sagte sie mit belegter Stimme.
»Das ist gut. Dich kennt niemand.«
Sie war froh, daß sie noch nichts von Irene gesagt hatte, aber sie war jetzt unruhig, und das spürte er.
»Verzeih, Liebes, ich vergesse, daß du deine Nachtruhe brauchst. Es ist lieb, daß du trotzdem gekommen bist. Bitte – darf ich dich darum bitten, daß du mit dem Koffer zu meinem Anwalt gehst? Er wird schon sehr unruhig sein, daß ich nicht komme.«
»Kannst du ihm vertrauen, Benedikt?« fragte sie gedankenvoll. »Kannst du ihm ganz vertrauen?«
Er sah sie bestürzt an. »Ich denke doch«, erwiderte er zögernd. »Was weißt du, Mirja?«
»Zu wenig, als daß ich mich einmischen dürfte, aber ich habe Angst um dich, Benedikt. Ich kann nicht sagen, warum, aber ich denke, daß du dich auf keinen Menschen verlassen sollst, der mit Vergangenem zu tun hat. Ein Verwandter und Freund von Dr. Laurin ist Anwalt. Ich wäre ruhiger, wenn er sich um deine Angelegenheiten kümmert. Bitte, sei mir nicht böse, wenn ich das sage. Ich habe deine Schwägerin kennengelernt.«
Sie wich seinem Blick, der sekundenlang forschend auf ihr ruhte, nicht aus.
»Weiß sie, daß wir uns kennen?« fragte er sinnend.
»Ja, der Ober in dem Lokal hat mich ziemlich genau beschrieben, und ich habe den Fehler gemacht, zu ihr zu gehen, um ihr zu sagen, daß du in der Prof.-Kayser-Klinik liegst.«
»Warum hast du das getan, Mirja?« fragte er tonlos.
»Ich dachte, daß sie dir etwas bedeuten könnte, daß sie deine Frau wäre oder deine Mutter. Es tut mir leid.« Sie war den Tränen nahe.
»Sie hätte es auch so herausbekommen, Liebes«, sagte er tröstend. »Aber du hast recht. Ich muß noch mißtrauischer sein. Sprich du mit dem Anwalt. Wie heißt er?«
»Dr. Friedrich Brink.«
»Den Namen habe ich schon gehört. Ein bekannter Anwalt. Aber es sind sehr heikle Dinge, Mirja.«
»Ich weiß, daß deine Schwägerin dich wegen fahrlässiger Tötung angezeigt hat«, gab Mirja zu.
Er schloß die Augen. »Jürgen war ein guter Junge. Diese Frau hat ihn zermürbt. Er wollte nicht mehr leben. Er wußte nicht, daß ich mit der Maschine fliegen würde. Er wollte es verhindern. Er wollte nur Fred mitnehmen.«
Er hatte schon zuviel geredet und war noch viel zu schwach. Die letzten Worte waren nur noch ein unverständliches Murmeln. Er schlief wieder ein. Mirja läutete.
Dr. Liepmann kam.
»Es war wohl gleich ein bißchen zuviel für ihn«, flüsterte sie.
»Nur keine Panik, er schläft ja ganz ruhig. Sie können wirklich ganz beruhigt sein, Mirja«, sagte er kameradschaftlich.
»Ich muß unbedingt etwas erledigen«, murmelte sie. »Ich rufe nachher noch einmal an.«
*
Sie hetzte durch die nächtlichen Straßen. Völlig außer Atem kam sie daheim an. Rolf Hilgers Tür tat sich auf, als sie ihre aufschließen wollte. Erschrocken fuhr sie zurück.
»Einen Augenblick bitte, Frau Rickmann«, sagte er höflich. »Ich müßte Ihnen etwas sehr Wichtiges mitteilen.«
»Hat das nicht bis morgen Zeit?« fragte sie.
»Es handelt sich aber um Herrn Arnold«, erklärte er stockend.
Ihre Augen weiteten sich. Wußte denn jetzt schon alle Welt von ihr und Benedikt?
»Ich habe heute abend Frau Arnold-Mattis kennengelernt«, begann er erneut. »Das heißt, sie sprach mich an. Ich dachte, daß ich es Ihnen erzählen müßte. Ich möchte Sie warnen«, sagte er eindringlich.
Ihr Herz schlug immer noch bis zum Hals, und seine Worte trugen nicht dazu bei, sie zu beruhigen.
»Bitte, kommen Sie doch einen Augenblick herein!« forderte sie ihn auf.
Vielleicht war es gewagt, aber wer nicht wagt, gewinnt nicht. Das hatte Dr. Laurin erst vor ein paar Tagen gesagt. Seltsam, daß ihr jetzt solche Vergleiche in den Sinn kamen.
Sie öffnete die Tür zum Wohnzimmer und ließ ihn eintreten. Die Zeitungsausschnitte lagen noch immer auf dem Tisch.
»Einen Augenblick, bitte«, sagte sie, um dann in das Zimmer ihrer Mutter zu gehen. Die Schranktür stand offen, der Koffer und auch der dicke Briefumschlag lagen darin. Sie atmete auf und schloß die Tür ab.
Ruhiger geworden, setzte sie sich zu Rolf Hilger, und nun erfuhr sie, was er heute abend erlebt hatte.
»Dies alles kam mir so merkwürdig vor, daß ich mich verpflichtet fühlte, Sie davon in Kenntnis zu setzen, Frau Rickmann«, sagte er sehr höflich und zurückhaltend. »Als Angestellter der Arnold-Werke, das konnte Frau Arnold-Mattis natürlich nicht wissen, fühlte ich mich doppelt verpflichtet.«
»Das wußte ich auch nicht«, sagte Mirja geistesabwesend, »aber ich denke, daß Herr Arnold sich Ihnen erkenntlich zeigen wird für Ihre Loyalität, Herr Hilger. Ich bin Ihnen sehr dankbar.«
»Wir sind ja Nachbarn«, sagte er verlegen, »und bitte, entschuldigen Sie, wenn ich Ihnen zu nahe getreten sein sollte. Es war nicht böse gemeint. Ich dachte wirklich nur daran, daß Sie abends auch immer allein sind.«
Mirjas Gedanken waren schon weitergewandert. »Sie sagten, daß Frau Arnold-Mattis Sie eingeladen hat?« fragte sie. »Nein, ich will keine eigenmächtigen Entscheidungen treffen, aber eventuell könnten Sie Herrn Arnold einen Dienst erweisen, wenn Sie diese Einladung annehmen würden. Ich muß mir das noch einmal durch den Kopf gehen lassen und mit ihm darüber sprechen. Aber das ist nur eine Idee.«
»Warum sollte ich den Spieß nicht umdrehen?« meinte er.
»Ja, warum sollten wir das eigentlich nicht?« Mirja wurde lebhaft. Alles war ihr noch einmal durch den Kopf gegangen. Rolf Hilger hatte keinerlei Veranlassung, ihr das alles zu erzählen, wenn er es nicht ehrlich meinte.
Auch ihr kam der Gedanke, daß er sich einen beruflichen Vorteil davon versprach. Aber den konnte er nur von Benedikt erhoffen, nicht von Irene.
Guter Gott, nun spann auch sie schon Intrigen. Aber sie rechtfertigte sich mit dem Gedanken, daß sie nur Benedikt helfen wollte.
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