Название: Es geschah in jener Nacht
Автор: Walter Brendel
Издательство: Bookwire
Жанр: Языкознание
isbn: 9783754168868
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Bereits als Jugendlicher hat Robin die Heimat in Schleswig-Holstein verlassen. Er will eine große Karriere als Turnierreiter beginnen und zieht nach Westfalen. Robin erreicht einige kleinere Erfolge, der große Wurf jedoch bleibt ihm versagt. Sein unbedingtes Ziel ist aber, die höchsten Stufen zu erklimmen.
Und Robin selbst gibt sich zielstrebig und verlässlich. Seine Ideen, einen Pferdehof aufzubauen, zu züchten, Turniere zu reiten und die besten Tiere seines Hofes später gewinnbringend zu verkaufen, klingen zwar ein wenig großspurig, aber die Voraussetzungen scheinen zu stimmen. Das gutbürgerliche Milieu der Pferdeliebhaber verfügt über Geld, viel Geld. Nach vorsichtigen Schätzungen werden in der Branche jedes Jahr weit mehr als fünf Milliarden Euro umgesetzt, allein in Deutschland, und der Markt gilt noch lange nicht als ausgeschöpft.
Ein eigenes Gestüt, das wäre es!, schwärmt Robin. Und seine Mutter, Cornelia H., will den Traum des Sohnes großzügig unterstützen. Das hat sie versprochen.
Zusammen mit seiner Mutter, Cornelia Bettina Susann H. erfüllt er sich den Traum vom eigenen Pferdehof. Während Robin die Arbeitsabläufe leiten will, soll seine Mutter die kaufmännischen Belange erledigen. Beide sehen sich nach geeigneten Objekten um. Obwohl die Finanzierung eines solchen Kaufes nicht gesichert und aus eigenen Mitteln keinesfalls möglich ist, lässt sich Robin verschiedene Angebote in Nordrhein-Westfalen unterbreiten und gibt auch mindestens eine Kaufzusage ab. Später suchen beide in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg nach günstigeren Angeboten.
Der Ostersamstag 2011: Robin und Cornelia H. kommen zum Osterfeuer in Christins Elternhaus und haben sich als möglicher neuer Chef und neue Chefin vorgestellt.
Am 17. Juni 2011 schließen Cornelia und Robin H. ohne Finanzierungszusage einer Bank oder ausrei-chende eigene Mittel einen notariellen Kaufvertrag über den „Goldnebelhof“ in Oranienburg zu einem Kaufpreis von sechshunderttausend Euro ab. Robin beginnt den Betrieb wie ein Eigentümer zu führen, stellt Pferde auf dem Hof ein und nimmt, ohne die Alt- und Noch-Eigentümer, Jäkel und Schannowske, nach deren Einverständnis zu fragen, umfangreiche, aber wenig sachgerechte bauliche Veränderungen auf dem Gelände vor.
Bereits ab dem 1. April 2011 wohnen Mutter und Sohn auf dem Hof und stellen noch im Laufe des Monats April bei der Berliner Volksbank einen Finanzierungsantrag zum Erwerb des „Goldnebelhofs“ zum obengenannten Preis.
Im Kaufvertrag vom 17. Juni 2011 wird eine Kauf-preisfälligkeit zum 30. Juni 2011 vereinbart, was illusorisch ist, da die allein angefragte Berliner Volksbank den Kreditantrag noch nicht bearbeitet hat. Nachdem die späteren Angeklagten trotz Erinnerung der Verkäufer keinerlei Zahlung geleistet haben, treten diese am 22. August 2011 vom Kaufvertrag zurück und erklären die fristlose Kündigung des geschlossenen Pachtvertrages. Letztlich verliert Cornelia H. durch den fehlgeschlagenen Kauf des „Goldnebelhofs“ etwa sechsundsechzigtausend Euro.
Aber es gibt merkwürdige Vorfälle. Der Kredit platzt, der alte Eigentümer geht auf Distanz, und der Kaufvertrag für den Hof muss rückabgewickelt werden. Robin muss im September 2011 ausziehen.
Mutter und Sohn suchen nach einer neuen Variante, pachten nun ein großzügiges Anwesen in Friesack im Havelland.
Zwischenzeitlich, am 10. August 2011, besteht Christin erfolgreich ihre Abschlussprüfung als Pferdewirtin und kauft sich ihr neues Auto vom Typ Toyota RAV 4.
Doch der Gedanke und Wunsch für den eigenen Pferdehof von Robin und Cornelia H. bleibt.
Am 1. Oktober 2011 pachtet Cornelia H. ein Anwesen in Wutzetz am Dorfring 1. Die Renovierung und der Hausputz werden durch die Familien Rexin und Daebel, die Schwester von Ralf Rexin, durchgeführt. Zweitausendfünfhundert Euro Pacht muss Cornelia H. monatlich zahlen. Eintausend Euro weniger als sie als Baufinanzberaterin verdient.
Wieder alles umsonst? Das darf nicht sein. Ein Plan muss her. Und Christin. Am 16. Oktober 2011 zieht Christin von Lübars nach Wutzetz.
Die angehende Schwiegermutter stellt die Freundin ihres Sohnes auf dem erworbenen Hof an und wird ihre Chefin, auch wenn sie Christin den vereinbarten Lohn und die nötigen Krankenkassenbeiträge oft schuldig bleibt.
Sie organisieren, Christin arbeitet. Oft ist sie allein auf dem Gehöft. Sie sorgt für Ordnung, schippt Leitungsgräben, betreut die Tiere. Zeitweise stehen bis zu acht Fohlen und acht erwachsene Holsteiner-Pferde in den Boxen. Christin arbeitet ohne zu murren, denn sie liebt und vertraut Robin. Es geht ja um ihre Zukunft.
Ein offenes Stromkabel, das im Stall unter Stroh versteckt liegt, löst einen Kurzschluss aus, als Christin dort sauber macht. Sie bleibt unverletzt.
Christin liebt Robin, den Springreiter. Dass er hem-mungslos lügt, ahnt sie nicht. „Er kann taktisch mani-pulativ mit anderen umgehen“, so ein Auszug aus der Urteilsbegründung. Auf dem gepachteten Reiterhof denkt Christin, sie und Robin werden sich dort eine gemeinsame Zukunft aufbauen.
Sie ahnt nicht, dass sie zur Zielscheibe, zum Mordopfer wird.
„Die saßen hier am Tisch“, sagt Dr. Karl Ziegler, Reitstall-Besitzer und Internist mit Praxis in Berlin, „Mutter und Sohn H. und Christin, die mir als Robins Verlobte vorgestellt wurde.“
Ziegler will das Gestüt nebenan verpachten, hat es bundesweit inseriert. Es besteht aus den Stallungen mit kleiner Wohnung für den Pferdeknecht, einer Scheune, zwei Reitplätzen, drei Hektar Weideland und einem Haus mit drei Wohnungen.
Der Pachtvertrag ab Mitte Oktober soll über fünf Jahre laufen. Im gleichen Monat ist Christin im Auftrag von Robin und Cornelia H. eine Woche in Leck, um Pferde anzuschauen und zu filmen. Vermutlich ist es auch in dieser Woche, wo durch Mutter und Sohn der Mordplan entwickelt wird.
Die Staatsanwaltschaft geht in ihrer Anklageschrift davon aus, dass Mutter und Sohn bereits im Oktober 2011 den Plan gefasst haben, das Leben von Christin hoch zu versichern, und die junge Frau dann zu töten.
Doch es gibt viel Ungereimtes in Robins Leben. Sogar verheiratet ist er noch. Anfang November findet deshalb ein Gespräch in Lübars mit Christins Familie über die Ehe mit Sabrina S. statt.
Mitte November ein weiteres Gespräch, wo es um Altlasten aus Nordrhein-Westfalen und um die eigentlichen Gründe für das Scheitern des Kaufes vom Goldnebelhof geht. Robin H. versteht es blendend, sich durch neue Lügen aus der Affäre zu ziehen.
Am 24. November 2011 erfährt Christin, dass sie schwanger ist. Am nächsten Tag verlässt sie für zehn Tage das Anwesen in Wutzetz. Als Grund wird ange-geben, dass der Hof von der Landwirtschaftskammer und dem Veterinäramt überprüft wird.
Des Weiteren solle ein Privatdetektiv zur Beobachtung des Hofes anwesend sein; vermutlich angeheuert von Tino und Matti (ehemalige Beschäftigte, d. A.) wegen des Arbeitsgerichtsprozesses gegen Cornelia H.
Später stellt sich allerdings heraus, dass dies gelogen war. Der wahre Grund ist die Anwesenheit von Frau S., der angeblichen Ehefrau von Robin auf dem Hof in Wutzetz.
Das Anwesen sollen Robin und Christin, die inzwi-schen ein Kind erwarten, einmal übernehmen und da-rauf ihre Zukunft aufbauen. Doch die Zukunft gibt es nicht.
Christin СКАЧАТЬ