Название: Futur 3 - Morgen nennt man Zukunft
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Издательство: Автор
Жанр: Короткие любовные романы
isbn: 9783957448002
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Aber sofort kam mir ein schrecklicher Gedanke: Die Krankenschwester hatte erwähnt, dass am nächsten Tag drei Leute von der KuJSO kamen. Erst jetzt wusste ich warum: Wenn ich keine Eltern mehr hatte, würden sie mich in ein Kinderheim stecken. NEIN! Das können die nicht machen! Sie konnten mich nicht in irgend so ein komisches Kinderheim stecken, wo wildfremde Kinder und Erwachsene waren, wo man nicht in den Urlaub fahren konnte und wo man ohne Eltern aufwachsen musste!
Da sagte eine vertraute Stimme hinter mir: »He, ähmm, ich bin’s, Daron. Es tut mir leid wegen deiner Eltern, aber ich … ich hätte da eine Lösung!«
Schlagartig drehte ich mich um und erblickte seine wundervollen, blaugrauen Augen. Ich hatte das Gefühl, dass sie mir Kraft und Energie gaben. »Was für eine Lösung?«, fragte ich mit einem kleinen bisschen Hoffnung in der Stimme.
»Also, ich hätte da an Flucht gedacht. Ich meine, ich glaube nicht, dass du in ein Kinderheim willst, und eigentlich will ich auch nicht mehr bei den Potells bleiben. Dort wird man sowieso nur wie ein Prinz behandelt. Also, wie findest du meine Idee?«
»Super! Aber das Problem ist, wohin? Früher oder später wird man nach uns suchen.«
»Mach dir mal darüber keine Gedanken. Ist es okay für dich, wenn Jerome mitkommt? Weißt du noch, wer das ist?«
»Ja! Euer Bodyguard, aber wieso?«
»Weil er auch keinen Bock mehr auf die Potells hat. Außerdem hatte er die Idee und er hat dich zusammen mit mir gerettet.«
»Wirklich? Na ja, ich habe nichts dagegen … Wir drei werden sicher ein gutes Team sein!«
»Oh, Mist, da kommt die Krankenschwester mit ihren Kollegen. Schnell! Renn mir einfach hinterher. Wir holen nur noch Jerome und meine Sachen. Willst du mitkommen oder hier warten?«
»Was für eine Frage! Ich komme mit!« Ich war so glücklich, wäre da nicht der Tod meiner Eltern gewesen … Aber die Flucht würde eine gute Ablenkung für mich sein.
Zuerst rannten wir eine Weile, um sicherzugehen, dass wir sie abgehängt hatten. Der Wald war relativ hell und die Sonne bahnte sich einen Weg durch die hohen Bäume. Als wir dann wieder normales Schritttempo liefen, redeten wir über Freunde.
»Wirst du deine Freunde nicht vermissen?«
»Nein. Um ehrlich zu sein, habe ich keine. Meine beste Freundin ist in der siebten Klasse nach Blobem gezogen. Und die anderen aus meiner Klasse wollen sowieso nichts mit mir zu tun haben.«
»Oh!«, sagte er.
Den Rest des Weges schwiegen wir. Daron schaute die ganze Zeit auf den Boden. Ich stattdessen genoss die Ruhe und sah sogar zwei Rehe hinter einem Baum hervorflitzen.
Nach einer Weile sagte er: »Okay. Wir sind da. Am besten wartest du hier, damit dich keiner sieht. Ich hole nur noch Jerome und meine Sachen und dann können wir los, ja?«
»In Ordnung. Aber wann hast du …«
Er legte mir seinen rechten Zeigefinger auf die Lippen und sagte: »Ich muss los! In fünf Minuten können wir gehen.«
Er ging leise den steinernen Gartenweg entlang und verschwand hinter dem Haus. In der Zwischenzeit hatte ich mich hinter einem kleinen Busch versteckt und hockte mich nun auf den weichen, moosigen Boden.
Auf einmal fiel mir ein, dass ich gar keine Sachen mithatte. Na ja, fast keine, denn als ich aus dem Krankenhaus gerannt war, hatte Daron mir meine Tasche hinterhertragen müssen.
Einige Zeit später kamen Daron und Jerome die steinerne Treppe hinunter und auf mich zu. Ich sprang hinter dem Busch hervor und ging den beiden entgegen.
»Wir sind bereit!«, sagte Daron und reichte mir eine Tasche. »Ich habe noch ein paar Sachen für dich besorgt, weil du ja keine mithast. Das ist Jerome«, sagte er und zeigte auf ihn. »Und das, Jerome, ist Levina.«
Nachdem wir uns begrüßt hatten, gingen wir eine verlassene, lange Straße mit leuchtenden Pöllersternen entlang. Sie war aus Beton und die leuchtenden Sterne waren in die Straße eingebaut. Ab und zu fuhren ein paar Elektroautos an uns vorbei. Nach einem kurzen Fußmarsch kamen wir an einen Nadelwald. Wir gingen einen kleinen Trampelpfad entlang. Hier und da waren Geräusche zu hören. Ein Specht hämmerte auf einen Baumstamm ein, Vögel flogen um unsere Köpfe herum. Manchmal hörte man aber auch ein leises Rascheln.
»Wo gehen wir eigentlich hin?«, fragte ich.
»In diesem Wald ist ein Zeitportal, da gehen wir hin. Kein anderer weiß das und kein anderer wird uns sehen.«
»Aber warum ist hier ein Zeitportal und warum hat es zuvor noch niemand entdeckt?«
»Weil … Hör zu. Du darfst das, was du jetzt hören und sehen wirst, niemandem verraten, okay?«
»Ja, okay, aber …«
Doch weiter kam ich nicht, denn im selben Augenblick trat Jerome nach vorn an eine Art Loch in einem Felsen, das mir zuvor noch nicht aufgefallen war, und drückte eine Reihe von Steinen. Das ging so schnell, dass man nicht mal anfangen konnte zu zählen. Denn wenn man es tun wollte, war es auch schon wieder vorbei. Anschließend sagte er leise eine Formel, die lateinisch klang. Plötzlich kam Licht aus dem Felsen und ich erkannte einen Türumriss. Jerome erklärte mir, dass er bei den Potells wie ein Sklave behandelt worden sei und deswegen habe flüchten wollen …
Der Felsen, auf dem Jerome zuvor ein paar Steine gedrückt hatte, schob sich zur Seite. Er war mit Moos bewachsen, sodass man nicht auf die Idee kommen konnte, dass dahinter etwas verborgen war. Zu meiner Überraschung kam nun ein langer, schmaler Gang zum Vorschein. Viele würden denken, es sei wie in den Filmen und Büchern, dass das ein Geheimgang war. Das war er auch, aber er hatte eine Besonderheit: Überall an den Wänden stand die Zahl Drei. Was diese Zahl wohl zu bedeuten hatte?
Keiner sagte etwas, alle waren in Staunen versetzt. Wir gingen hinein. Irgendwann kamen wir drei an das Ende des Ganges. Ob die Zahl an der Wand für unser Team stand? Jerome schob eine weitere Tür beiseite und ich kam aus dem Staunen nicht mehr heraus! Überall waren saftgrüne Bäume, die Wege waren mit dem schönsten Rindenmulch belegt und am schönsten war die Sonne. Sie strahlte durch die Bäume, Vögel zwitscherten und es waren weit und breit nur Tiere, keine Menschen, zu sehen.
»Willkommen in der Zukunft, Ladys and Gentlemen …«, sagte Jerome und zeigte auf die wunderschöne Welt, die vor uns lag. Sie war bestimmt mindestens so groß wie unsere Erde. Aber die anderen Menschen sollten später kommen, sehr viel später. Erst, wenn sie die Zukunft erreicht haben würden.
»Komm, Levina, wir erkunden die Welt hier«, sagte Daron.
»Ich bereite schon mal das Abendbrot vor!«, rief Jerome uns hinterher.
Daron und ich rannten an dem klaren Fluss vorbei und setzten uns an das Flussufer.
»Kennst du die Welt hier schon?«, fragte ich.
»Ja, Jerome hat mich oft mitgenommen.«
»Aha. Ist das nicht СКАЧАТЬ