Die Erde. Emile Zola
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Название: Die Erde

Автор: Emile Zola

Издательство: Bookwire

Жанр: Языкознание

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isbn: 9788726683325

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СКАЧАТЬ zurückgekaufte Landstücke, unaufhörlich wieder in Frage gestellter lächerlich kleiner Besitz, von so hohen Steuern erdrückte Erbschaften, daß sie dahinzuschmelzen schienen, nach und nach jedoch durch dieses Besitzbedürfnis mit einer allmählich siegreichen Zähigkeit vergrößerte Wiesen und Ackerstücke. Generationen erlagen dabei, lange Menschenleben düngten den Boden; als aber die Revolution von 1789 kam und die Rechte des damaligen Fouan, Joseph-Casimir, bestätigte, besaß dieser einundzwanzig Arpents, die in vierhundert Jahren dem ehemaligen herrschaftlichen Gut abgerungen worden waren.

      Im Jahre 1793 war dieser Joseph-Casimir siebenundzwanzig Jahre alt; und an dem Tag, da das, was von dem Gut übriggeblieben war, zum Nationalbesitz erklärt und parzellenweise versteigert wurde, brannte er darauf, einige Hektar davon zu erwerben. Heruntergekommen, verschuldet, überließen die Rognes-Bouquevals schon seit langem, seit sie den letzten Turm des Schlosses hatten einstürzen lassen, ihren Gläubigern das Pachtgeld von La Borderie, von dessen Anbauflächen drei Viertel brach blieben. Es war da vor allem neben einer seiner Parzellen ein großes Stück, nach dem der Bauer mit dem rasenden Verlangen seines Geschlechts gierte. Aber die Ernten waren schlecht, er besaß kaum hundert Taler Ersparnisse in einem alten Topf hinter seinem Ofen; und andererseits hatte ihn, wenn ihm einen Augenblick der Gedanke gekommen war, bei einem Geldverleiher in Cloyes ein Darlehen aufzunehmen, eine ängstliche Vorsicht davon abgehalten: diese Besitztümer der Adligen machten ihm Angst; wer wußte, ob man sie ihm nicht später wieder wegnehmen würde? So daß er, zwischen Verlangen und Mißtrauen schwankend, zu seinem Herzeleid sehen mußte, wie bei den Versteigerungen La Borderie zu einem Fünftel seines Werts Stück um Stück von einem Bürger aus Châteaudun, Isidore Hourdequin, einem ehemaligen Angestellten vom Salzhof, gekauft wurde.

      Joseph-Casimir Fouan hatte, als er alt geworden war, seine einundzwanzig Arpents – sieben für jedes Kind – zwischen seiner Ältesten, Marianne, und seinen beiden Söhnen, Louis und Michel, aufgeteilt; eine jüngere Tochter, Laure, die schneidern gelernt hatte und in Châteaudun untergekommen war, wurde mit Geld abgefunden. Aber die Heiraten zerbrachen diese Gleichheit. Während Marianne Fouan, die Große genannt, einen Nachbarn ehelichte, Antoine Péchard, der ungefähr achtzehn Arpents hatte, lud sich Michel Fouan, Fliege genannt, eine Liebste auf den Hals, der ihr Vater nur zwei Arpents Wein hinterlassen sollte. Louis Fouan, der mit Rose Maliverne, Erbin von zwölf Arpents, verheiratet war, hatte auf diese Weise seinerseits die neun und einen halben Hektar zusammengebracht, die er sich nun anschickte, zwischen seine drei Kinder aufzuteilen, da die Reihe an ihn kam.

      In der Familie war die Große gefürchtet und geachtet, nicht wegen ihres Alters, sondern wegen ihres Vermögens. Sie war noch sehr gerade, sehr groß, hager und hart, hatte starke Knochen und den fleischlosen Kopf eines Raubvogels auf einem langen, welken, blutfarbenen Hals. Bei ihr war die Nase der Familie wie ein schrecklicher Schnabel gebogen; sie hatte runde und starre Augen, kein Haar mehr unter dem gelben Foulardkopftuch, das sie trug, und im Gegensatz dazu alle ihre Zähne, Kinnladen, als müsse sie von Kieselsteinen leben. Sie schritt mit erhobenem Stock, sie ging niemals aus ohne ihren Schlehdornspazierstock, dessen sie sich einzig und allein bediente, um auf Tiere und Menschen einzuschlagen. Sie war zeitig Witwe geworden und allein mit einer Tochter zurückgeblieben, die sie davongejagt hatte, weil sich die Schlampe darauf versteift hatte, gegen ihren Willen einen armen Burschen, Vincent Bouteroue, zu heiraten; und selbst jetzt, da diese Tochter und ihr Mann im Elend gestorben waren und ihr eine Enkeltochter und einen Enkelsohn hinterlassen hatten, Palmyre und Hilarion, sie bereits zweiunddreißig und er vierundzwanzig Jahre alt, hatte sie nicht verziehen; sie ließ die beiden schier vor Hunger verrecken und wollte nicht, daß man sie an ihr Vorhandensein gemahnte. Seit dem Tode ihres Mannes leitete sie persönlich die Bestellung ihrer Äcker, hatte drei Kühe, ein Schwein und einen Knecht, die sie aus dem gemeinsamen Trog nährte; vor Schrekken geradezu auf dem Bauch liegend, gehorchten ihr alle.

      Als Fouan sie an ihrer Tür sah, war er aus Rücksicht näher getreten. Sie war zehn Jahre älter als er, wie das ganze Dorf hegte er für ihre Härte, ihren Geiz, ihr Versessensein aufs Besitzen und aufs Leben Ehrerbietung und Bewunderung.

      „Du, Große, ich wollte dir gerade die Sache mitteilen“, sagte er. „Ich habe mich entschlossen, ich gehe dort rauf wegen der Teilung.“

      Sie antwortete nicht, packte ihren Stock fester und schwenkte ihn.

      „Neulich abend habe ich dich noch um Rat fragen wollen; aber ich habe angeklopft und niemand hat geantwortet.“

      Da platzte sie los mit ihrer schrillen Stimme:

      „Dummkopf! Ich hätte dir schon einen Rat gegeben! Man muß dumm und feige sein, um auf seinen Besitz zu verzichten, solange man auf seinen Beinen stehen kann. Mir, mir hätte man das Blut abzapfen können, ich hätte noch unter dem Messer nein gesagt ... Bei andern sehen, was einem gehört, sich selber vor die Tür setzen wegen dieser Schlampen von Kindern, ach nein, ach nein!“

      „Aber“, wandte Fouan ein, „wenn man nicht mehr die Felder bestellen kann, wenn die Erde leidet ...“

      „Na schön, da leidet sie eben! – Ehe ich einen Sester davon loslasse, gehe ich lieber alle Morgen hin und sehe nach, wie die Disteln wachsen!“ Sie reckte sich hoch mit dem wilden Aussehen eines alten gerupften Geiers. Und sie klopfte ihm mit ihrem Spazierstock auf die Schulter, wie um ihm ihre Worte besser begreiflich zu machen. „Höre, gib das nicht raus ... Wenn du nichts mehr hast und deine Kinder alles haben, werden sie dich in die Gosse stoßen, wirst du am Bettelstab enden wie ein Habenichts ... Und laß dir nicht einfallen, dann bei mir anzuklopfen, denn ich habe dich genug gewarnt. Tut mir leid! – Willst du wissen, was ich machen würde, he? Willst du?“ Ohne aufzubegehren, wartete er unterwürfig, da er der Jüngere war; und sie ging wieder hinein, sie machte heftig hinter sich die Tür zu und schrie dabei:

      „Das werd ich machen ... Verrecke draußen!“

      Einen Augenblick verharrte Fouan reglos vor dieser geschlossenen Tür. In seiner ganzen Haltung lag schicksalsergebene Entschlossenheit, dann stieg er den Pfad hinan, der zum Kirchplatz führte. Genau dort stand das uralte angestammte Haus der Fouans, das sein Bruder Michel, Fliege genannt, einst bei der Teilung bekommen hatte, während das von ihm bewohnte Haus unten an der Dorfstraße von seiner Frau Rose kam. Fliege, der seit langem Witwer war, lebte allein mit seinen beiden Töchtern Lise und Françoise in der Verbitterung eines Pechvogels, noch durch seine arme Heirat gedemütigt, und beschuldigte seinen Bruder und seine Schwester nach vierzig Jahren noch, ihn bei der Verlosung der Parzellen bestohlen zu haben; und er erzählte ohne Ende die Geschichte von dem schlechtesten Los, das man ihm unten im Hut zurückgelassen hatte, was mit der Zeit wahr geworden zu sein schien, denn er zeigte sich so quengelig und bei der Arbeit so lässig, daß sein Anteil in seinen Händen um die Hälfte an Wert verloren hatte. Der Mensch macht die Erde, wie man in der Beauce sagt.

      An diesem Morgen stand Fliege, im Begriff auszuspähen, ebenfalls vor seiner Tür, als sein Bruder an einer Ecke des Platzes auftauchte. Diese Teilung bewegte ihn leidenschaftlich, da sie seine alten Grollgefühle wieder aufwühlte, obwohl er nichts dabei zu erwarten hatte. Aber um völlige Gleichgültigkeit zu heucheln, drehte er Fouan ebenfalls den Rücken zu und schloß flugs die Tür.

      Sofort hatte Fouan Delhomme und Jesus Christus erblickt, die zwanzig Meter voneinander entfernt warteten. Er sprach den ersten an, der zweite trat herzu. Ohne zu reden, fingen alle drei an, mit den Augen den Pfad abzusuchen, der längs des Randes der höher gelegenen Fläche entlangführt.

      „Da ist er“, sagte Jesus Christus schließlich.

      Das war Grosbois, der vereidigte Landvermesser, ein Bauer aus Magnolles, einem Nachbardörfchen. Seine Schreib- und Lesekundigkeit hatte ihn verdorben. Da er von Orgères bis Beaugency zur Vermessung der Äcker herbeigerufen wurde, überließ er es seiner Frau, seinen eigenen Besitz zu verwalten, weil er bei seinem ständigen Unterwegssein ein solcher Trunkenbold geworden war, daß er niemals nüchtern wurde. СКАЧАТЬ