Reisen zur Entdeckung des Nils. James Bruce
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Название: Reisen zur Entdeckung des Nils

Автор: James Bruce

Издательство: Bookwire

Жанр: Путеводители

Серия: Edition Erdmann

isbn: 9783843803144

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СКАЧАТЬ zu einem Stall hinzuführen schien. Dorthin wurde ich gebracht und der Koch trug mir meine Mahlzeit auf. Verschiedene Engländer von den Schiffen, ostindische Matrosen und auch andere schauten herein, um mich zu betrachten. Und ich hörte, dass sie sich einig darin waren, dass ich wie ein Spitzbube aussähe und gewiss ein Türke sei.

      Ich fiel auf einer Matte in tiefen Schlaf, und Philipp ging, um ein anderes Zimmer für mich zu bestellen. Inzwischen waren einige meiner Diener mit dem Gepäck zu dem Zollhaus gegangen. Einige blieben an Bord zurück, um zu verhindern, dass das Übrige gestohlen wurde. Die Schlüssel hatte ich, und der Wesir legte sich nach Landessitte zu Mittag zur Ruhe. Sobald er erwachte, war er auf seine Beute so begierig, dass er über mein Gepäck herfiel. Er wunderte sich, dass eine solche Menge und Gepäckstücke von so sonderbarer Form einem Mann von meinem Aussehen gehören sollten, und war schon voller Hoffnung über die schöne Gelegenheit zum Plündern. Er verlangte die Schlüssel zu den Koffern. Einer meiner Diener sagte, dass ich sie hätte und er sie sofort holen wolle. Das dauerte dem Wesir aber zu lange, er wollte nicht mehr warten. Die Leute waren das Plündern gewohnt und brachen die Schlösser nicht auf, sondern lösten kunstvoll die Bänder auf der Rückseite der Gepäckstücke. Auf diese Weise öffneten sie die Deckel, ohne die Schlösser zu beschädigen.

      In diesem Brief sagte Ali Bey ganz deutlich, dass er gehört habe, dass die Statthalterschaften über Jidda, Mekka und andere Länder des Scherifs sehr unordentlich verwaltet würden und dass Kaufleute, die wegen ihrer rechtmäßigen Geschäfte kämen, ausgeplündert, in Angst versetzt und aufgehalten würden. Er warne ihn deshalb davor, mir Ähnliches widerfahren zu lassen. Anstatt sich Beschwerden anzuhören, würde er jemanden schicken, um eine solche Beleidigung vor den Toren Mekkas bestrafen zu lassen.

      Diese Sprache gefiel dem Wesir gar nicht, und das, was er gefunden hatte, kam für ihn so unerwartet, dass er nunmehr einsah, dass er zu weit gegangen war. Er rief voll Eifer meinen Diener herbei und machte ihm Vorwürfe, dass er ihm nicht mitgeteilt habe, wer ich sei. Der Diener verteidigte sich damit, dass der Wesir und seine Leute auf alles, was er gesagt habe, nicht im Geringsten geachtet hätten. Deren Stolz habe es nicht erlaubt, ihn anzuhören.

      Nun war die große Verlegenheit da. Meinem Diener wurde befohlen, die Bänder wieder anzunageln, er erklärte jedoch, dies wäre das Letzte, was er täte. Niemand öffne einen Koffer auf diese Art, wenn man dazu die Schlüssel haben könne, außer in der Absicht etwas zu stehlen. Es seien kostbare Sachen in dem Koffer, die für den Scherif und Metical Aga bestimmt seien, und diese könnten gestohlen worden sein, da die Bänder schon vor seiner Ankunft aufgebrochen worden seien. Er wasche wegen dieses Vorgehens seine Hände in Unschuld, wisse aber ganz bestimmt, dass sich sein Herr sowohl in Kairo als auch in Jidda darüber öffentlich beschweren werde.

      Der Wesir trug seinen voreiligen Entschluss wie ein Mann. Er nagelte den Koffer selbst zu, ließ sich sein Pferd bringen und begab sich in Begleitung von fünfzig nackten Schwarzen, die man hier Soldaten nennt, zu dem Bengalischen Haus, worüber die ganze Faktorei in Bestürzung geriet.

      Vor sechsundzwanzig Jahren waren die zwischen Ostindien und Jidda Handel treibenden englischen Kaufleute, vierzehn an der Zahl, bei Tisch durch eine Meuterei dieses rohen Volkes alle ermordet worden.

      Nun wurde eilig nach dem englischen Kavalier gefragt, den niemand gesehen hatte; aber es hieß, einer seiner Diener sei im Bengalischen Haus. Ich saß gerade auf meiner Matte und trank Kaffee, als der Wesir auf seinem Pferd kam und der Hof sich mit Menschen füllte. Einer der Zollbedienten fragte mich, wo mein Herr sei. »Im Himmel«, antwortete ich. Ein Diener des Emir Bahar brachte nun den Wesir zu mir, der nicht abgestiegen war. Er wiederholte dieselbe Frage. Ich verstünde die Absicht seiner Frage nicht, entgegnete ich ihm, ich sei aber der Mann, dem das Gepäck gehöre, welches er zu dem Zollhaus habe bringen lassen. Die Briefe des Großherrn und des Ali Bey beträfen meine Person.

      Er war voller Erstaunen und fragte, warum ich denn in einem solchen Aufzug erschienen sei. »Ihr könnt das nicht im Ernst fragen«, sagte ich, »kein kluger Mann würde sich wohl in Anbetracht der Reise, die ich gemacht habe, besser kleiden. Aber Ihr habt mir auch keine Wahl gelassen, da alles außer dem, was ich auf dem Leib trage, seit vier Stunden im Zollhaus ist und Ihr darüber verfügt.«

      Wir gingen nun alle zu unserem höflichen Wirt hinauf, zu Kapitän Thornhill, bei dem ich mich für mein voriges Betragen damit entschuldigte, dass ich gleich bei meiner Ankunft einen so schlechten Empfang durch meinen eigenen Verwandten hatte erdulden müssen. Er lachte herzlich über meine Erzählung, und von der Zeit an lebten wir in der vertrautesten Freundschaft.

      Es ist bekannt, wie wenig die gewöhnlichen Empfehlungsbriefe nützen. Wir waren alte Reisende und kannten die morgenländische Art gar zu gut, als dass wir durch bloße Höflichkeitsbriefe hintergangen werden konnten. Keine Völker sind in ihrer Korrespondenz untereinander höflicher als die Morgenländer. Aber ihre Höflichkeitsfloskeln bedeuten nicht viel mehr als ähnliche Ausdrücke in Europa. Sie zeigen lediglich, dass der Schreiber ein Mann mit Manieren ist. Das ist aber auf einer so langen, so gefährlichen und so ernsthaften Reise wie der meinigen bei Weitem nicht genug.

      Wir suchten also wirksamere Briefe zu erlangen, Briefe über Geschäfte und Verbindlichkeiten von einem Mann an den anderen. Wir bemühten uns sehr, dies dem Metical Aga, der ein sehr guter Mann, aber sonst kein sehr großer Kopf war, begreiflich zu machen. Meine Briefe von Ali Bey brachen den Bann und verpflichteten ihn zuerst einmal zur Aufmerksamkeit. Ein Paar schöne Pistolen, die ich ihm mitbrachte, verschafften mir dann seine Zuneigung, dies umso mehr, als ich zu keinem Geschenk verpflichtet war, weil ich ihm Briefe von jemandem, der über ihm stand, überbrachte.

      Die Empfehlungsbriefe wurden in einer Art abgefasst, wie ich es nur wünschen konnte, waren aber dennoch nach der Meinung eines würdigen und mir freundschaftlich gesinnten Mannes, der seit meiner Ankunft um mich besorgt war, nicht ausreichend. Dies war Thomas Price, der Kapitän des »Löwen von Bombay«. Er machte dem Metical den Vorschlag, einen seiner Leute gemeinsam mit mir und den Briefen nach Abessinien zu schicken, und ich glaube fest, dass ich neben der göttlichen Vorsehung dieser Maßnahme mein Leben zu verdanken habe. Damit war auch Kapitän Thornhill völlig einverstanden. Ein Abessinier namens Mahomet Gibberti wurde also dazu bestimmt, mit besonderen Briefen, außer denen, die ich selbst mitbrachte, mich zu begleiten und ein Augenzeuge meiner Aufnahme zu sein.

      Es war noch einige Zeit nötig, um diesen Mann in Bereitschaft zu setzen, und ich hatte noch einen ansehnlichen Teil des Arabischen Meerbusens zu untersuchen. Ich traf also alle Anstalten zur Abreise von Jidda, nachdem ich mich schon so lange Zeit hier aufgehalten hatte.

      Die Freundschaft meiner Landsleute blieb mir während meines ganzen Aufenthalts erhalten und begleitete mich bis an Bord. Wenn andere den Stolz der englischen Ostindienfahrer beklagen, war ich so glücklich, nicht einmal einen Schein davon in Jidda empfunden zu haben. Es wäre besser für mich gewesen, wenn man mich etwas mehr vernachlässigt hätte.