Эликсиры Сатаны. Уровень 2 / Die Elixiere des Teufels. Эрнст Гофман
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Читать онлайн книгу Эликсиры Сатаны. Уровень 2 / Die Elixiere des Teufels - Эрнст Гофман страница 8

СКАЧАТЬ seht in mir, Herr Richter, einen unglücklichen Flüchtling. Erlasst mir die näheren Umstände meiner Geschichte. Die Liebe zu einem Mädchen niederen Standes war die Ursache meiner Leiden. In dem langen Gefängnis ist mir der Bart gewachsen. Man hat mir schon die Tonsur geben lassen. Wie Ihr’s bemerken könnt, so wie ich auch in dem Gefängnis, in eine Mönchskutte gekleidet gehen musste. Erst nach meiner Flucht, hier im Wald, durfte ich mich umkleiden. Einen Pass kann ich Euch, wie Ihr seht, nun nicht vorzeigen, aber für die Wahrheit meiner Behauptungen habe ich gewisse Gründe.«

      Mit diesen Worten zog ich den Geldbeutel hervor, legte drei blanke Dukaten auf den Tisch. Und der gravitätische Ernst des Herrn Richters verzog sich zum schmunzelnden Lächeln[10].

      »Eure Gründe, mein Herr«, sagte er, »sind gewiss genug. Nun, glückliche Reise, gnädiger Herr!«

      Immer lebendiger und lebendiger wurde die Heerstraße. Ein großes Haus mit hellen Spiegelfenstern fiel mir in die Augen. Aus den unteren Zimmern schallte mir Gelächter und Gläserklang entgegen. Kaum hielt ich an der Tür, als der Hausknecht herbeisprang, mein Pferd bei dem Zügel ergriff und es hineinführte. Der Kellner kam mit dem Schlüsselbund und schritt mir voran die Treppe herauf. Als wir uns im zweiten Stock befanden, sah er mich noch einmal flüchtig an. Er führte mich dann noch eine Treppe höher und mich dann höflich sagte, dass um zwei Uhr im Saal No. 10 gespeist wird, erster Stock usw.

      »Bringen Sie mir eine Flasche Wein!«

      Das war in der Tat das erste Wort.

      Kaum war ich allein, als es klopfte. Es war ein Gesicht, das einer komischen Maske glich, wie ich sie wohl ehemals gesehen. Eine spitze rote Nase, ein paar kleine funkelnde Augen, ein langes Kinn und dazu ein gepudertes Toupet, ein großes Jabot, ein brennendrotes Gilet, unter dem zwei starke Uhrketten, Pantalons, ein Frack, der kurz mit Konsequenz überall nicht passte! – So schritt die Figur und sagte:

      »Ich bin der Friseur des Hauses und biete meine Dienste, meine unmaßgeblichen Dienste gehorsamst an.«

      Die kleine Figur hatte so etwas Possierliches, dass ich das Lachen kaum unterdrücken konnte. Doch war mir der Mann willkommen. Ich stand nicht an, ihn zu fragen, ob er meine Haare in Ordnung bringt! Er sah meinen Kopf mit kunstrichterlichen Augen an und sprach, indem er die rechte Hand, graziös gekrümmt, legte:

      »In Ordnung bringen? – O Gott! Pietro Belcampo, du, den die schnöden Neider schlechtweg Peter Schönfeld nennen, wie den göttlichen Regimentspfeifer und Hornisten Giacomo Punto Jakob Stich, du wirst verkannt. Wenn Sie es wünschen, so will ich, Ihre Züge, Ihre Gestalt, Ihre Sinnesart beobachten, etwas Caracalla, Abälard und Boccaz zusammengießen und so in der Glut, Form und Gestalt bilden, den wunderbaren antik-romantischen Bau ätherischer Locken und Löckchen beginnen.«

      Endlich war er fertig. Da lächelte er ganz seltsam und sprach:

      »Goldene Zeit, als noch Bart und Haupthaar in einer Lockenfülle sich zum Schmuck des Mannes ergoß und die süße Sorge eines Künstlers war. – Es gibt Pietros, die euerem schnöden Gewerbe entgegenarbeiten.«

      Der Kleine ergoß sich noch in allerlei sonderbaren, grotesken Redensarten.

      Alles war mir neu und ganz dazu geeignet, die heitre Stimmung zu erhalten. In meiner neuen Kleidung ging ich in die zahlreiche Wirtstafel. Jede Scheu verschwand, als ich wahrnahm, dass mich niemand bemerkte. Es war mir ein eignes Vergnügen, die Straßen zu durchstreichen. Abends besuchte ich die öffentlichen Spaziergänge, wo mich oft meine Abgeschiedenheit mitten im lebhaftesten Gewühl der Menschen mit bittern Empfindungen erfüllte. – Von niemanden war ich gekannt, in niemandes Brust konnte ich die leiseste Ahnung vermuten. Dachte ich daran, wie ehemals den berühmten Kanzelredner alles freundlich und ehrfurchtsvoll grüßte, wie alles nach seiner Unterhaltung, so ergriff mich bittrer Unmut. – Aber jener Kanzelredner war der Mönch Medardus, der gestorben und begraben in den Abgründen des Gebirges ist. Ich bin es nicht, denn ich lebe.

      Ich besuchte sowieso die vielen öffentlichen Häuser, in denen man trank, spielte u.d.m., und vorzüglich war mir in dieser Art ein Hotel in der Stadt lieb. Jeden Abend versammelte eine zahlreiche Gesellschaft. – An einem Tisch im Nebenzimmer sah ich immer dieselben Personen, ihre Unterhaltung war lebhaft und geistreich. Es gelang mir, den Männern näherzutreten, endlich irgendeine interessante, literarische Notiz, nach der sie vergebens suchten, mitteilte und so einen Platz am Tische erhielt. So hat ich eine Bekanntschaft mir wohltat, und meine Stimmung wurde täglich unbefangener und heitrer.

      Seit mehreren Abenden sprach man in der Gesellschaft, die ich besuchte, viel von einem fremden Maler, der angekommen und eine Ausstellung seiner Gemälde veranstaltet hat. Alle außer mir haben die Gemälde schon gesehen. So beschloss ich auch hinzugehen. Der Maler war nicht da, als ich in den Saal trat. Doch machte ein alter Mann den Cicerone und nannte die Meister der fremden Gemälde, die der Maler zugleich mit den seinigen ausgestellt. – Es waren herrliche Stücke, Originale berühmter Meister. Aber mein Blick fiel auf ein lebensgroßes Porträt, in dem ich die Fürstin, meine Pflegemutter, erkannte. Sie war herrlich und mit jener im höchsten Sinn aufgefaßten Ähnlichkeit, wie Van Dyck seine Porträts malte. Darin war Tracht, wie sie in der Prozession am Bernardustage vor den Nonnen einherzuschreiten pflegte, gemalt. Der Maler hat gerade den Moment ergriffen, als sie nach vollendetem Gebet sich anschickt, aus ihrem Zimmer zu treten, um die Prozession zu beginnen. In dem Blick der herrlichen Frau lag ganz der Ausdruck des zum Himmlischen erhobenen Gemüts. Ach, es war, als schien sie Vergebung für den frechen Sünder zu erflehen, der sich gewaltsam von ihrem Mutterherzen losgerissen, und dieser Sünder war ja ich selbst![11] Gefühle durchströmten meine Brust. Eine unaussprechliche Sehnsucht riß mich fort. Ich war wieder bei dem guten Pfarrer im Dorf des Zisterzienserklosters, ein muntrer, unbefangener, froher Knabe, weil der Bernardustag gekommen. Ich sah sie!

      »Bist du recht fromm und gut gewesen, Franziskus?« frug sie mit der Stimme, deren vollen Klang die Liebe dämpfte.

      »Bist du recht fromm und gut gewesen?«

      Ach, was konnte ich ihr antworten? – Frevel auf Frevel habe ich gehäuft. Dem Bruch des Gelübdes folgte der Mord! – Von Gram und Reue zerfleischt, sank ich halb ohnmächtig auf die Knie, Tränen entstürzten meinen Augen. – Erschrocken sprang der Alte auf mich zu und fragte:

      »Was ist Ihnen, was ist Ihnen, mein Herr?«

      »Das Bild der Äbtissin ist meiner gestorbenen Mutter so ähnlich«, sagte ich dumpf.

      »Kommen Sie, mein Herr!« sagte der Alte, »solche Erinnerungen sind zu schmerzhaft. Man darf sie vermeiden. Es ist noch ein Porträt hier, welches mein Herr für sein bestes hält. Das Bild ist nach dem Leben gemalt und vollendet. Wir haben es verhängt, damit die Sonne nicht die noch nicht einmal ganz eingetrockneten Farben verderbe.«

      Der Alte stellte mich sorglich in das gehörige Licht und zog dann schnell den Vorhang weg. – Es war Aurelie! – Mich ergriff ein Entsetzen, das ich kaum bekämpfen konnte. – Aber ich erkannte die Nähe des Feindes, der mich vernichten wollte. Mir kam der Mut wieder. Mit gierigen Blicken verschlang ich Aureliens Reize.

      Von dem fremden Maler wollte ich etwas erfahren. Ich hatte nämlich nichts Geringeres im Sinn, als in meiner jetzigen neuen Gestalt auf das Schloß zurückzukehren. Und das schien mir nicht einmal ein sonderlich kühnes Wagstück zu sein. – Am Abend ging ich in jene Gesellschaft. Man sprach viel von den Gemälden des fremden Malers und vorzüglich von dem seltnen Ausdruck, den er seinen Porträts gab.

      Von seltsamen Gefühlen, von unbekannten Ahnungen bestürmt, ging ich den ändern Abend später als gewöhnlich in die Gesellschaft. Der Fremde saß mit mir СКАЧАТЬ



<p>10</p>

Und der gravitätische Ernst des Herrn Richters verzog sich zum schmunzelnden Lächeln. – И суровая серьезность господина судьи сменилась вымученной улыбкой.

<p>11</p>

Ach, es war, als schien sie Vergebung für den frechen Sünder zu erflehen, der sich gewaltsam von ihrem Mutterherzen losgerissen, und dieser Sünder war ja ich selbst! – Увы, казалось, будто она молила о прощении у дерзкого грешника, который насильно вырвал себя из сердца ее матери, и этим грешником был я сам!