MATTHEW CORBETT und die Königin der Verdammten (Band 2). Robert Mccammon
Чтение книги онлайн.

Читать онлайн книгу MATTHEW CORBETT und die Königin der Verdammten (Band 2) - Robert Mccammon страница 17

Название: MATTHEW CORBETT und die Königin der Verdammten (Band 2)

Автор: Robert Mccammon

Издательство: Bookwire

Жанр: Языкознание

Серия: Matthew Corbett

isbn: 9783958353299

isbn:

СКАЧАТЬ Die Kerze war fast ganz heruntergebrannt, aber ein kleiner Stummel mit einem Rest von Docht war noch übrig, der zischte, dann aber schließlich die Flamme akzeptierte. Bei diesem dürftigen Licht nahm Matthew das Notizbuch in die Hand, um sich zu vergewissern, dass er nicht nur davon geträumt hatte. Er wandte sich wieder der Seite mit dem Eselsohr zu, hielt sie näher an die Laterne heran und musterte die Namen und Zahlen, die mit Bleistift eingetragen worden waren.

      Matthew nahm an, dass es sich um die Namen von Waisenkindern handelte. Two neben Jacob bedeute wohl, dass es der zweite Jacob in der Gruppe war und dass niemand seinen Nachnamen kannte, wie bei John Five. Die Zahlenreihen waren ein Rätsel. Und dann noch die andern Wörter: Untgl, Chapel, und Zahlen, die vielleicht Daten waren. Der neunte Mai, zweiundzwanzigste und achtundzwanzigste Juni. Dem letzten Eintrag fehlten diese Wörter und das Datum. Er betrachtete das Wort Untgl.

      Untauglich? Warum hatte Ausley es nicht ausgeschrieben? Oder war es ein Kürzel?

      Dann wandte er sich dem Wort Chapel zu. Er wusste, dass das Waisenhaus tatsächlich eine Kapelle hatte, die King Street Chapel – nur ein Zimmer mit ein paar Bänken. Als Matthew noch im Waisenhaus lebte, kamen hin und wieder Kirchenmänner vorbei, um sicherzustellen, dass die Kinder auf dem rechten Pfad blieben. Sonst wäre die Kapelle nur zu einem weiteren kalten Zimmer mit Betten geworden. Matthew beunruhigte das Wort. Hatte er etwa Ausleys Liste kürzlich vorgenommener »Bestrafungen« vor sich? Und hatte das Schwein seine kranken Handlungen ausgerechnet in der Kapelle durchgeführt?

      Aber das Wort Untauglich passte in diesem Zusammenhang nicht. Falls es überhaupt dieses Wort war – untauglich für was? Und für wen? Und warum fehlten diese Einträge neben dem letzten Namen?

      Matthew überlegte, dass er herausfinden musste, über welche Zeitspanne sich die Einträge in diesem Notizbuch erstreckten. Wenn Ausley eines vollgeschrieben hatte, würde er doch vermutlich das nächste begonnen haben. Dieses war vielleicht sein fünftes oder fünfzehntes gewesen. Wenn er nach den Daten auf der Liste ging, war dieser Band über Ausleys große Taten ungefähr in der zweiten Maiwoche begonnen worden.

      Der Docht flackerte und Matthew beschloss, dass es an der Zeit war, wieder mit dem Rest der Welt Verbindung aufzunehmen. Auch sein Magen machte sich bemerkbar und verlangte nach einem Frühstück. Als er auf die Uhr sah, entdeckte er mit Schrecken, dass es fast acht war. Er war erschöpfter gewesen, als er gedacht hatte. Normalerweise wachte er gegen sechs auf. Er spritzte sich kühles Wasser ins Gesicht, aber es gab weder Seife noch ein Handtuch. Er nahm sich vor, nach dem Frühstück zum Rasieren und Baden zum Barbier zu gehen, denn ihm saßen sowohl der Schmutz der Reise als auch der Unglücksstaub in den Poren.

      Er nahm ein sauberes hellblaues Hemd aus seiner Tasche – wobei sauber ein dehnbarer Begriff war – und fand noch ein Paar frische Strümpfe. Die beiden Kniehosen in der Tasche waren fast so dreckig wie die, in denen er geschlafen hatte, weshalb er sich nicht die Mühe machte, sie zu wechseln. Dann schob er Ausleys Notizbuch in die Tasche unter die Hosen und stopfte sie unter das Bettgestell. Der helle Sonnenschein draußen blendete ihn zuerst; in dem holländischen Milchhaus war es dunkler, als er gedacht hatte, aber so war es ja extra gebaut worden. Er schloss die Tür hinter sich ab.

      Auf sein Klopfen hin öffnete Marmaduke und bat ihn herein, und bevor Matthew es sich versah, saß er an Grigsbys Küchentisch, während der ihm gepökelten Speck in Scheiben schnitt und zwei Eier in die Pfanne über der Feuerstelle schlug. Eine Tasse starker Tee beseitigte die letzten Spinnweben in Matthews Kopf.

      Matthew genoss das äußerst schmackhafte Frühstück und trank eine Tasse Apfelmost, bevor er fragte: »Berry ist wohl eine Langschläferin?«

      »Langschläferin? Das Mädchen schläft so gut wie gar nicht. Sie ist schon aufgestanden und rausgegangen, bevor es richtig hell war.«

      »Tatsächlich? Wohin ist sie denn so früh gegangen?«

      »Die Queen Street hoch. Um, wie sie sagte, einen Ort zu finden, der das Morgenlicht einfängt.«

      Matthew hielt beim Speckkauen inne. »Das Morgenlicht einfängt? Warum?«

      »Das fasziniert sie nun mal«, sagte Grigsby und schenkte sich selbst eine Tasse Tee aus der Kanne ein. »Habe ich Euch nicht davon erzählt, dass sie Malerin werden möchte? Wobei, sie ist ja schon eine Malerin, aber sie hofft, damit auch Geld zu verdienen.« Grigsby setzte sich Matthew gegenüber an den Tisch. »Schmeckt es Euch?«

      »Ausgezeichnet, danke. Ich weiß Eure Gastfreundschaft sehr zu schätzen.« Matthew aß seinen Speck auf, bevor er weitersprach. »Eine Malerin? Ich dachte, sie wollte Lehrerin werden.«

      »Ja, das hat sie vor. Schulmeister Brown wird nächste Woche mit ihr sprechen. Aber Berry hat sich schon als kleines Mädchen fürs Zeichnen und all so was interessiert. Wenn ich mich recht entsinne, ist sie einmal kräftig dafür verdroschen worden, ihren Hund mit Fingerfarben angemalt zu haben.«

      »Irgendwie überrascht mich das nicht.«

      Grigsby musste lächeln. Aber dann runzelte er die Stirn. »Solltet Ihr nicht auf der Arbeit sein? Mir ist klar, dass Euch das heute nicht leicht fällt, aber Ihr solltet zumindest mit Richter Powers reden.«

      »Ich bin entlassen worden«, gab Matthew zurück und wünschte sich, er hätte das nicht gesagt, denn der Blick des Zeitungsmannes verschärfte sich sofort und er beugte sich über den Tisch zu Matthew vor.

      »Was war denn? Ist Powers gefeuert worden?«

      »Nein. Ich kann es Euch genauso gut sagen: Der Richter verlässt New York. Ihm ist in der Carolina-Kolonie eine bessere Stelle angeboten worden: Mit seinem Bruder auf Lord Kents Tabakplantage zu arbeiten.« Matthew konnte an Grigsbys hinter der Brille glänzenden Augen sehen, dass gerade ein Artikel für den Ohrenkneifer das Licht der Welt erblickt hatte. »Aber hört mal, Marmy, das darf nicht gedruckt werden. Ich meine das ernst.« Wenn ein Ohrenkneifer im Tollhaus von Westerwicke auftauchen konnte, war es auch möglich, dass Professor Fell ihn zu Gesicht bekam. »Ihr müsst unbedingt begreifen, dass das eine streng vertrauliche Auskunft ist.«

      »Und warum ist sie streng vertraulich?« Grigsby musterte ihn eingehend und streckte die Hand nach einer Schüssel voller Walnüsse aus. Er nahm sich eine heraus. »Es sind ein Umzug und eine neue Position für ihn, nicht wahr? Oder steckt noch mehr dahinter?«

      »Es ist streng vertraulich, mehr nicht. Ich erwarte von Euch, dass Ihr es unterlasst, darüber zu berichten.«

      »Unterlassen.« Grigsby verzog das Gesicht. »Das ist aber ein starkes Wort. Vor allem, wenn Ihr es an einen Mann in meinem Berufszweig richtet.« Er schlug sich die Hand mit der Walnuss gegen die Stirn. Ein pistolenartiges Krachen war zu hören, und ohne persönlichen Schaden genommen zu haben, entfernte Grigsby die Nuss aus der zerbrochenen Schale. »Ihr müsst verstehen, dass ich an Neuigkeiten nehmen muss, was ich bekommen kann, seit der Maskenmörder durch den Sperrstundenerlass zu morden aufgehört hat. Es ist meine Pflicht, Tatsachen und Ereignisse zu berichten. Etwas unterlassen zu müssen, kann schwierig sein.« Er hörte einen Moment auf, die Walnuss zu kauen, schlürfte seinen Tee und sah Matthew dann über den Rand seiner Tasse an. »Was haltet Ihr von Berry? Ganz ehrlich.«

      »Ich habe keine Meinung.«

      »Natürlich habt Ihr eine.« Er suchte sich in der Schüssel eine zweite Walnuss aus. »Sie hat Euch gestern Abend etwas verärgert, nicht wahr?«

      Matthew zuckte die Achseln.

      »Das hat sie. So ist sie. Sie sagt, was sie denkt. All diesen Unsinn über СКАЧАТЬ