Название: Dr. Norden (ab 600) Jubiläumsbox 5 – Arztroman
Автор: Patricia Vandenberg
Издательство: Bookwire
Жанр: Языкознание
Серия: Dr. Norden (ab 600) Box
isbn: 9783740932091
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»Sie kann sich an alles erinnern, es hat mich erstaunt, daß sie gleich so reden konnte. Das ist wenigstens ein großer Fortschritt, aber ihre Mutter ist enervierend. Unsere Schwestern möchten sie am liebsten sonstwohin zaubern.«
Fees Gedanken waren schon wieder bei Andy Delano. Sie hatten seine Dienste schon mehrmals in Anspruch genommen. Er arbeitete im Betrieb seines Onkels, den er später auch mal übernehmen sollte. Er war ein sehr netter, junger Mann, gutaussehend und immer freundlich. Fee konnte verstehen, daß er Janine gefiel, aber sie konnte sich auch ausrechnen, was für ein Theater es bei ihnen geben würde, wenn sie ihn als ihren Freund vorstellte. Genauso würde es auch bei Beate sein, wenn sie einen Freund hätte, der den Ansprüchen ihrer Mutter nicht genügte.
Als Fee zum Markt fuhr, hielt sie bei Delanos Geschäft an. Man konnte bei ihm auch elektrische Geräte aller Art bekommen, und das Geschäft florierte, wohl vor allem deshalb, weil man sehr gut bedient und beraten wurde. Es war alles sehr gepflegt, auch die Werkstatt. Erich Delano war an diesem Tag selbst im Geschäft. Fee wurde höflich begrüßt und nach ihren Wünschen gefragt. Sie kaufte einige Glühbirnen und eine Verlängerungsschnur, die sie wirklich brauchte.
»Wie geht es Andy? Ich habe gehört, daß er Urlaub hat«, fragte Fee.
»Er ist nach Griechenland gefahren, aber vorhin hat er angerufen, er kommt heute zurück.« Delano war verlegen geworden.
»Ich würde ihn gern sprechen, Herr Delano, es geht um den Unfall.«
»Aber da war er schon weg, und er ist schon lange nicht mehr mit Klaus Ziegler zusammen.«
»Darum geht es auch nicht, sondern um Janine. Sie kennen doch Janine, Herr Delano?«
»Das schon, aber ich rede nicht darüber. Ist sie schwer verletzt?«
»Allerdings, und von der Freundschaft wissen wir, weil Beate seinen Namen nannte, als sie kurz zu Bewußtsein kam. Wir werden Frau Binder bestimmt nichts verraten, aber es wäre gut, wenn Andy Janine bald in der Klinik besuchen würde.«
»Der arme Bub ist ganz durcheinander, seit er in Griechenland von dem Unfall erfahren hat. Er hat gleich angerufen, aber erst heute einen Flug bekommen. Er wird bald zu Hause sein.«
»Dann sollte er zur Behnisch-Klinik fahren und sich bei Frau Dr. Behnisch melden.«
»Ich werde es ihm gleich sagen. Es ist ja schrecklich, daß so was passieren mußte, aber ich habe sowieso Bedenken wegen Janines Eltern.«
»Sie ist volljährig und wahrscheinlich läßt sie sich nicht mehr beeinflussen. Aber überlassen wir das den jungen Leuten und der Zukunft und hoffen erstmal, daß Janine gesund wird.«
»Sie ahnen nicht, welche Angst er jetzt aussteht. Es ist nun mal nicht zu ändern, wenn zwei aus verschiedenen Welten sich ineinander verlieben. Er ist ein ordentlicher Bursche, und es würde ihr bestimmt an nichts fehlen, so fleißig wie er ist.«
»Jetzt machen Sie sich mal keine Gedanken über die verschiedenen Welten, das spielt sich doch nur in den Köpfen der Nichtstuer ab, die auf Kosten anderer leben.«
»Wenn alle so denken würden wie Sie, sähe es in der Welt sowieso besser aus.«
»Etwas zuviel der Ehre, Herr Delano, es gibt viele, die so denken wie ich und mein Mann. Und die anderen können einem nur leid tun.«
Jetzt wußte sie wenigstens Bescheid, daß Andy nach Griechenland geflogen war, um dort Janine zu treffen, und nicht irgendwohin, wo er sich amüsieren wollte. O ja, die erste Liebe brachte so manche Schmerzen mit sich, das hatte sie auch erfahren, als sie dachte, daß Daniel sich für andere interessierte und sie nicht ernst nahm. Wie eifersüchtig war sie auf jede gewesen, die sich an ihn heranmachte!
Fee dachte auch an die vielen Mißverständnisse, bis sie beide ganz genau wußten, daß sie sich liebten. Es war kein Strohfeuer gewesen, wie bei so vielen, das schnell verglühte, um dann völlig ernüchterte Paare auf den Boden der Tatsachen zurückzubringen und oft sehr unsanft. Ihre Ehe hielt, ihre Liebe war immer stärker geworden, und jetzt, nach so vielen Jahren, wußte sie, daß es eigentlich so sein sollte, und nicht so, daß sich Paare nach vielen
Jahren trennten, sich bekriegten und um Geld und Besitz feilschten.
Warum war das so? fragte sie sich manches Mal. Man konnte eben nicht hinter die Fassaden schauen, die so oft lange Zeit nach außen poliert wurden, um über die Wahrheit und über das, was sich dahinter abspielte, hinwegzutäuschen.
Es war seltsam, daß ihr jetzt all diese Gedanken kamen, aber sie hatte ja auch Kinder und dachte an die jungen Menschen, die voller Illusionen waren und so oft erst am Anfang eines langen Kampfes standen. Würde Andy auch zu Janine halten, wenn sie für immer von den Unfallfolgen gezeichnet bleiben würde? War dieser jungen Liebe überhaupt eine Zukunft beschieden? Würde wenigstens ihr Vater dem Schicksal dankbar sein, wenn ihm seine Tochter erhalten blieb und ihr dann das Glück gönnen, das ihr noch beschieden sein konnte?
Fee konnte sich nicht von den Gedanken lösen, die sie so bewegten. Die Kinder schauten fragend und verwundert, weil sie gar so in sich versunken war.
»Mami hat ihren philosophischen Tag«, meinte Danny.
»Mami träumt mit offenen Augen«, sagte Anneka.
»Mami ist heute nicht lustig«, beschwerten sich die Zwillinge.
*
Andy war von seinem Onkel empfangen worden, als käme er von einer Weltreise zurück, aber Erich Delano war erschrocken, wie blaß und niedergeschlagen Andy aussah.
»Du möchtest in die Behnisch-Klinik kommen, Junge, und möglichst bald, läßt dir Frau Dr. Norden ausrichten.«
»Wieso Frau Dr. Norden?« fragte Andy verwirrt.
»Beate war kurz bei Bewußtsein und hat nach dir gefragt. Sie hat dann wohl gesagt, daß du Janines Freund bist.«
»Hoffentlich erfährt das ihre Mutter nicht«, stöhnte Andy, »sonst bekommt sie da auch noch Ärger.«
»Sie ist noch nicht bei Bewußtsein.«
Andy wurde gleich noch fahler. »So schlimm ist es? Dann muß ich sofort hin, Onkel Erich.«
»Fahr nur, der Wagen ist startbereit. Aber paß auf, daß du in der Aufregung nicht auch irgendwo hinfährst.«
»Weiß man denn schon, wie es passiert ist?«
»Die Hauptschuld trifft wohl Klaus Ziegler. Er ist tot.«
Andy fuhr sich über die Augen. »Ich habe ihm mehrmals gesagt, daß er sich eines Tages derrennt«, murmelte er. »Und nun war er auch noch schuld an diesem Unglück. Er kann froh sein, daß er tot ist. Wenn Janine leiden muß, hätte ich ihn…«
»Versündige dich nicht, Andy!« fiel ihm der Ältere hart ins Wort, bevor er zu Ende sprechen konnte. »Bete lieber zu Gott, daß Janine gesund wird.«
»Das werde ich, Onkel Erich«, flüsterte Andy mit Tränen in den Augen. »Ich fahre jetzt zur Klinik.«
»Du sollst dich bei Frau Dr. Behnisch melden«, rief ihm sein Onkel nach.
*
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