Название: Arena Eins: Die Sklaventreiber
Автор: Морган Райс
Издательство: Lukeman Literary Management Ltd
Жанр: Боевая фантастика
Серия: Trilogie Des Überlebens
isbn: 9781632910479
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Ich halte es ins Licht hoch, und zuerst kann ich es nicht erkennen. Aber ich kann die verräterische Aluminiumfolie fühlen und mir wird klar: Ein Schokoriegel. Einige Bissen fehlen, aber er ist noch in seiner Originalverpackung, und das Meiste ist noch da. Ich packe ihn nur ein bisschen aus, halte ihn an meine Nase und rieche daran. Ich kann es nicht glauben: Echte Schokolade. Wir hatten seit dem Krieg keine Schokolade mehr.
Der Geruch bringt meinen stechenden Hunger zurück und ich brauche all meine Willenskraft, um den Riegel nicht aufzureißen und zu verschlingen. Ich zwinge mich, stark zu bleiben, verpacke ihn wieder sorgfältig und verstaue ihn in meiner Tasche. Ich werde warten und ihn gemeinsam mit Bree genießen. Ich lächle und freue mich schon auf ihren Gesichtsausdruck, wenn sie ihren ersten Bissen nimmt. Er wird unbezahlbar sein.
Schnell durchsuche ich die restlichen Schubladen in der Hoffnung, noch weitere Schätze zu finden. Aber alle anderen sind leer. Ich gehe wieder durch das Zimmer, gehe es der Länge und der Breite nach ab, in alle vier Ecken, aber da scheint nichts zu sein.
Plötzlich trete ich auf etwas Weiches. Ich knie mich hin und halte es hoch, ins Licht. Ich bin verblüfft: Ein Teddybär. Ziemlich abgenutzt, und ein Auge fehlt, aber trotzdem, Bree liebt Teddybüren und vermisst ihren von früher. Sie wird sich unglaublich über diesen freuen. Sieht aus, als wäre heute ihr Glückstag.
Ich klemme den Teddy in meinen Gürtel, ertaste dann aber noch etwas Weiches auf dem Boden Ich greife danach und halte es hoch, und bin begeistert: Es ist ein Schal. Er ist schwarz und voller Staub, aber als ich ihn an meinen Nacken und meine Brust halte, kann ich die Wärme schon spüren. Ich halte ihn aus dem Fenster und schüttele ihn durch, um den ganzen Staub abzubekommen. Ich besehe ihn mir im Licht, er ist lang und dick, nicht einmal Löcher hat er. Das ist pures Gold. Ich wickele ihn sofort um den Nacken und klemme ihn unter meinem Shirt fest, und mir ist gleich wärmer. Ich muss niesen.
Die Sonne senkt sich, und weil es aussieht, als hätte ich alles gefunden, was ich gesucht hätte, will ich mich auf den Weg machen. Auf dem Weg zu Fuß bleibe ich aber plötzlich mit meinem Fuß an etwas Hartem, Metallischem hängen. Ich knie mich hin, taste vorsichtig, falls es eine Waffe ist. Ist es nicht, es ist ein runder Eisenknauf, am Holzboden befestigt. Wie ein Klopfer. Oder ein Griff.
Ich ziehe nach links und rechts, nichts passiert. Ich versuche ihn zu drehen, wieder nichts. Dann gehe ich das Risiko ein und stelle mich ein Stück zur Seite und ziehe stark daran, geradeaus nach oben.
Eine Falltür öffnet sich und eine Staubwolke liegt in der Luft.
Ich sehe nach unten und entdecke einen Kriechkeller, vielleicht einen Meter und zwanzig Zentimeter hoch, mit einem Lehmboden. Mein Herz macht einen Sprung, was das für Möglichkeiten bietet. Wenn hier leben würden und es jemals ein Problem gäbe, könnte ich Bree hier unten verstecken. Dieses kleine Häuschen erscheint mir immer wertvoller.
Und nicht nur das. Als ich heruntersehe, sehe ich etwas glänzen. Ich schiebe die schwere Holztür ganz zurück und krieche schnell die Leiter hinunter. Es ist schwarz unten, und ich halte mir die Hände vors Gesicht, während ich mich vortaste. Als ich einen Schritt nach vorne mache, fühle ich etwas. Glas. In die Wand sind Regale eingebaut, und darauf stehen Glasgefäße. Und Steingefäße.
Ich ziehe eins heraus und ans Licht. Der Inhalt ist rot und weich. Es sieht nach Marmelade aus. Ich schraube schnell den Blechdeckel ab, halte ihn an meine Nase und rieche daran. Der durchdringende Geruch von Himbeeren schlägt mir entgegen. Ich stecke einen Finger hinein und halte ihn an meine Zunge. Ich kann es kaum glauben: Himbeermarmelade. Und sie schmeckt so frisch, als wäre sie gestern erst eingemacht worden.
Schnell verschließe ich das Glas wieder und eile zu den Regalen zurück, fasse hinein – da sind noch Dutzende Gläser mehr in der Dunkelheit. Ich greife nach dem nächsten, halte auch das ins Licht. Sieht aus wie Gurken.
Ich wünschte, ich könnte sie alle mitnehmen, aber meine Hände gefrieren. Ich habe nichts, womit ich die Gläser tragen könnte, und draußen wird es dunkel. Also packe ich die Gurken wieder zurück, klettere die Leiter hoch und schließe die Falltür fest hinter mir. Ich wünschte, ich hätte ein Schloss. Es macht mich nervös, all das hier ungeschützt liegen zu lassen. Aber dann erinnere ich mich selbst daran, dass hier jahrelang niemand war – und dass ich das Haus wahrscheinlich selbst nie bemerkt hätte, wäre der Baum nicht umgefallen.
Als ich gehe, schließe ich die Tür hinter mir, fühle mich schon, als wäre ich hier zu Hause.
Mit vollen Taschen eile ich wieder zum See zurück – erstarre aber plötzlich, als ich eine Bewegung spüre und ein Geräusch höre. Zuerst sorge ich mich, dass jemand mir gefolgt sein könnte, aber als ich mich langsam umdrehe, sehe ich etwas anderes: Ein Reh steht dort, drei Meter entfernt nur vielleicht, und starrt zurück. Das erste Reh, das ich seit Jahren gesehen habe. Seine großen, schwarzen Augen sehen mich direkt an, dann dreht es sich plötzlich um und läuft weg.
Ich bin sprachlos. Monatelang habe ich nach einem Reh gesucht, in der Hoffnung, ich käme nahe genug an eines heran, um mein Messer danach zu werfen. Aber ich konnte keins finden, nirgends. Vielleicht habe ich nicht weit genug oben gesucht. Vielleicht haben sie die ganze Zeit hier oben gelebt.
Ich beschließe, gleich morgen früh wiederzukommen und den ganzen Tag zu warten, wenn es nötig ist. Wenn das Reh einmal hier war, kommt es vielleicht wieder. Nächstes Mal werde ich es töten. Von diesem Reh könnten wir monatelang leben.
Voll neuer Hoffnung eile ich zum See zurück. Als ich näher komme, klopft mein Herz höher: Die Rute ist fast zur Hälfte heruntergebogen. Zitternd vor Aufregung rutsche und schlittere ich über das Eis. Ich greife die Schnur, die sich wild bewegt, und bete, dass sie hält.
Ich ziehe fest daran. Ich kann die Kraft eines großen Fisches spüren, der sich widersetzt, und bete, dass die Schnur nicht reißt, der Haken nicht bricht. Ein letztes Mal ziehe ich, und der Fisch fliegt aus dem Wasser. Ein riesiger Lachs, so groß wie mein Arm. Er landet auf dem Eis und zappelt, rutscht. Ich reiche herüber und will ihn greifen, aber er rutscht mir aus den Händen und fällt wieder aufs Eis. Meine Hände sind zu glitschig, um ihn festzuhalten, also ziehe ich meine Ärmel hoch, beuge mich hinunter und greife dieses Mal fester zu. Noch etwa dreißig Sekunden zappelt er in meinen Händen, dann schließlich stirbt er.
Ich bin verblüfft. Es ist mein erster Fang seit Monaten. Ekstatisch rutsche ich über das Eis und lege ihn am Ufer ab, verpacke ihn in Schnee, weil ich Angst habe, dass er irgendwie wieder zum Leben erwacht und in den See zurückspringt. Ich nehme die Angel und die Schnur in eine Hand, dann greife ich mit der anderen den Fisch. Ich kann das Marmeladengefäß in einer Tasche spüren und den Thermosbecher mit Saft in der anderen, zusammengepackt mit dem Schokoriegel, und den Teddy an meiner Taille. Bree wird heute Abend Reichtümer besitzen.
Nur eins muss ich noch mitnehmen. Ich gehe zu dem Stapel von trockenem Holz hinüber, balanciere die Rute in meinem Arm, und mit der freien Hand hebe ich so viele Holzstücke auf, wie ich halten kann. Ich lasse ein paar fallen, und kann nicht so viele nehmen, wie ich gerne möchte, aber ich kann mich nicht beschweren. Ich kann immer noch wiederkommen und den Rest holen.
Mit vollen Händen, Armen und Taschen rutsche und schlittere ich den steilen Berghang im letzten Tageslicht wieder hinunter, achtsam, nichts von meinem Schatz zu verlieren. Im Gehen kann ich das Häuschen nicht aus dem Kopf bekommen. Es ist perfekt, und mein Herz schlägt schneller beim Gedanken an die Möglichkeiten. Das ist genau das, was wir brauchen. Das Haus unseres Vaters ist zu auffällig, an einer Hauptstraße gebaut. Schon seit Monaten mache ich mir Sorgen, dass wir da zu verwundbar sind. Alles, was es bräuchte, wäre, dass zufällig ein Sklaventreiber vorbeikäme, СКАЧАТЬ