Rudyard Kipling - Gesammelte Werke. Rudyard Kipling
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Название: Rudyard Kipling - Gesammelte Werke

Автор: Rudyard Kipling

Издательство: Bookwire

Жанр: Языкознание

Серия:

isbn: 9783746747873

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СКАЧАТЬ und die blaugrüne Flamme erstarb. Dschanu bückte sich, einen ihrer Fußringe zurechtzuschieben, während sich Afisun der Mauer zuwandte und den Dachshund in ihre Arme nahm. Soddhu streckte unwillkürlich seinen Arm nach Dschanus Huka aus, und sie schob sie mit dem Fuß über den Boden hin. Gerade über dem Körper hingen an der Wand ein paar feurige in Stempelpapier eingerahmte Bildnisse der englischen Königin und des Prinzen von Wales. Sie schauten nieder auf das Schauspiel und steigerten nach meinem Gefühle das Sonderbare der Scene bis zum Gipfel.

      Als das Schweigen unerträglich zu werden drohte, wandte sich der Körper herum und rollte von dem Becken fort der Zimmerwand zu, wo er auf dem Rücken liegen blieb. Von dem Becken erklang ein leises Hup – gerade wie wenn ein Fisch nach einer Fliege schnappt – und das grüne Licht flackerte von neuem auf.

      Ich sah nach dem Becken hin und erblickte im Wasser schwebend den eingefallenen, runzligen schwarzen Kopf eines kleinen indischen Kindes mit offenen Augen, offenem Munde und glattgeschorenem Schädel. Das war wegen der großen Plötzlichkeit noch schlimmer als vorher das Kriechen. Noch ehe wir Zeit hatten, einen Ton von uns zu geben, begann der Kopf zu sprechen. Auch wer Poes Schilderung der Summe des galvanisierten Sterbenden gelesen hat, kann sich kaum zur Hälfte das Entsetzen vorstellen, das der sprechende Kopf verursachte.

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      Mit Pausen von einer oder zwei Sekunden kam jedes Wort heraus, und im Klange der Stimme lag etwas Metallisches, wie bei einer tönenden Schelle. Mehrere Minuten syllabierte die Erscheinung langsam, wie im Selbstgespräche, vor sich hin, ehe ich mich des kalten Schweißes erwehren konnte. Dann ging mir, dem Himmel sei Dank, ein befreiender Gedanke auf. Ich schaute auf den neben der Thür liegenden Körper und sah, gerade an der Stelle, wo der Hals mit einer flachen Einsenkung in die Schulter übergeht, beständig einen Muskel zucken, der mit dem gewöhnlichen Atmen eines Menschen nichts zu thun hat. Es handelte sich also um ein Schauspiel nach Art der egyptischen Teraphim, von denen man manchmal liest, und die Stimme war ein Erzeugnis meisterhafter Bauchredekunst. Währenddessen bewegte der Kopf beständig die Lippen und fuhr fort zu sprechen. Er erzählte dem wimmernden Soddhu von der Krankheit seines Sohnes und berichtete genau über dessen Zustand bis zu diesem selben Abend. Ich kann dem Stempelschneider meine Achtung nicht versagen dafür, daß er sich so gewissenhaft an die Zeit seiner Depeschen von Peschawer hielt. Weiter verkündete der Kopf, daß geschickte Ärzte Tag und Nacht über dem Leben des Kranken wachten, und daß er genesen würde, wenn dem mächtigen Zauberer, in dessen Diensten der Kopf in dem Becken stehe, der doppelte Lohn zu teil würde.

      Das war vom künstlerischen Gesichtspunkt ein Fehler. Die Verdoppelung des bedungenen Lohnes mit einer Stimme zu fordern, die vielleicht einem vom Tode auferstehenden Lazarus hätte angehören können, ist abgeschmackt. Auch die mit wahrhaft männlichem Scharfsinn ausgestattete Dschanu begriff dies ebenso schnell wie ich. Ich hörte sie mit leiser Stimme zornerfüllt sagen: » Asli nahin! Fareib[10]

      Zu gleicher Zeit erstarb das Licht im Becken, der Kopf hörte auf zu sprechen, und wir hörten die Thür in ihren Angeln knarren. Hierauf zündete Dschanu mit einem Streichholz die Lampe an, und wir sahen, daß Kopf, Becken und Stempelschneider fort waren. Soddhu rang die Hände und versicherte jedem, der es anhören wollte, er fei außer stande, noch einmal zweihundert Rupien aufzubringen, und wenn seine ewige Seligkeit davon abhinge. Afisun war in ihrer Ecke den Krämpfen nahe, während Dschanu gefaßt auf einem der Betten saß und die Möglichkeit erörterte, daß das Ganze nur künstlich gemacht sei.

      Ich erklärte, soviel ich davon verstand, die Art der Zauberei des Stempelschneiders; aber Dschanus Beweisführung war viel einfacher.

      Die Magie, die immer Gaben heischt, ist keine wahre Magie, sagte sie. Meine Mutter sagte mir, daß die einzigen wirksamen Liebeszauber die unentgeltlich gegebenen sind. Dieser Stempelschneider ist ein Lügner und Teufel. Ich kann nichts sagen und nichts thun, weil ich dem Geldverleiher Bhagwan Das als Pfand für meine Schuld zwei goldene Ringe und einen gediegenen Fußring gelassen habe. Ich muß meine Kost von ihm nehmen. Der Stempelschneider ist ein Freund von Bhagwan Das, und er würde mein Essen vergiften. Ein falscher Zauber ist zehn Tage lang ausgeübt worden und hat Soddhu jeden Abend viele Rupien gekostet. Bisher hat der Stempelschneider nur schwarze Hennen und Limonen und Zaubersprüche verwendet. Dergleichen wie heute nacht hat er uns noch niemals zu sehen gegeben. Asisun ist eine Thörin und wird bald eine purdanashin[11] sein. Soddhu ist schwach und kindisch geworden. Nun sieh! Ich hatte gehofft, von dem Alten, solange er lebte, so manche Rupie zu ziehen und noch viel mehr nach seinem Tode; und schau, er verschwendet alles an diesen Bastard eines Teufels und einer Eselin, den Stempelschneider!

      Hierauf sagte ich: Was veranlaßte aber Soddhu, mich herbeizuziehen? Selbstverständlich könnte ich mit dem Stempelschneider ein paar Wörtchen reden und ihn nötigen, mit dem Golde wieder herauszurücken. Das Ganze ist ein kindisches Treiben – schändlich und sinnlos.

      Soddhu ist ein altes Kind, erwiderte Dschanu. Er hat siebzig Jahre lang auf den Dächern gelebt und hat nicht mehr Verstand als eine Ziege. Er hat Sie hergebracht, um sicher zu sein, daß er kein Gesetz übertrete. Er vergöttert den Staub an den Füßen des Stempelschneiders, und dieser Würger hat ihm untersagt, jetzt zu seinem Sohne zu reisen. Was weiß Soddhu von euren Gesetzen oder von der Blitzpost? Ich muß zusehen, wie sein Geld Tag für Tag an den betrügerischen Schuft da unten geht.

      Dschanu stampfte mit ihrem Fuße auf den Boden und weinte fast vor Ärger, während Soddhu in der Ecke, mit einem Tuche sich zudeckend, wimmerte, und Asisun sich mühte, das Pfeifenrohr in seinen thörichten alten Mund zu stecken.

      *

      Nun liegt die Sache folgendermaßen. Unbedachtsamerweise habe ich mich der Anklage auf Mithilfe und Begünstigung des Stempelschneiders bei der Erlangung von Geld durch Vorspiegelung falscher Thatsachen ausgesetzt, ein Vergehen, das nach Abschnitt 420 des indischen Strafgesetzbuches strafbar ist. Aus folgenden Gründen bin ich dabei ganz hilflos. Die Polizei kann ich nicht benachrichtigen. Denn wen wollte ich als Zeugen für meine Behauptungen aufstellen? Dschanu weigert sich unbedingt, und Afisun ist irgendwo in der Gegend von Bareilly verheiratet, verloren in diesem ungeheuren Indien. Auch wage ich nicht, das Gesetz selbst in die Hand zu nehmen und mit dem Stempelschneider zu reden, denn es unterliegt für mich keinem Zweifel, daß nicht nur Soddhu mir doch nicht glauben würde, sondern daß mein Schritt schließlich die Vergiftung Dschanus, die durch ihre Schuld dem Pfandleiher an Händen und Füßen gebunden überliefert ist, zur Folge haben würde. Soddhu ist ein alter Narr, und so oft wir uns treffen, wiederholt er murmelnd meinen dummen Spaß, die Regierung begünstige eher die schwarze Kunst als daß sie sie verbiete. Sein Sohn ist jetzt gesund, aber der Alte steht völlig unter dem Einflüsse des Stempelschneiders, durch dessen Einflüsterungen er sich in allem, was er unternimmt, leiten läßt. Dschanu muß täglich zusehen, wie das Geld, das sie Soddhu abzunehmen gedachte, dem Stempelschneider zufließt, und ihre Wut und ihr Verdruß steigern sich von Tag zu Tag.

      Reden wird sie nie, weil sie es nicht wagt, aber ich fürchte, tritt kein Zwischenfall ein, so wird der Stempelschneider so etwa um die Mitte des Mai an Cholera sterben, an der weißen Arsenik-Cholera. Und so werde ich der Mitschuldige oder doch Mitwisser sein an einem Morde in Soddhus Hause.

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      Wer ist ein glücklicher Mann? Der daheim

      im eignen Hanse kleine Kinder mit Staub bedeckt

      sieh!, wie sie hüpfen und fallen und schreien.

      Munichandra.

      Der Poloball war alt, voll von Rissen, Flecken und Beulen. Er lag auf dem Kammsims zwischen den Pfeifenrohren, die Imam Din, mein Zimmerdiener, für mich reinigte.

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