Orangen und Datteln. Karl May
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Название: Orangen und Datteln

Автор: Karl May

Издательство: Bookwire

Жанр: Языкознание

Серия:

isbn: 9783746750163

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СКАЧАТЬ und gewöhnlich nur von den Tuareg getragen wird.

      »Ich komme aus dem fernen Lande Germanistan herüber, wo es keine Stämme und keine Ferkah giebt. Du bist ein Tebu?«

      Er überhörte die letztere Frage und rief ganz verwundert:

      »Aus Germanistan? Kennst du den Sihdi Emir?«

      »Ich kenne ihn,« antwortete ich nun überrascht. »Hast du ihn gesehen?«

      »Ich habe ihn gesehen. Bist du der Scheikh aus Germanistan, auf den er wartet?«

      »Ich bin es.«

      »Habakek, so sei mir willkommen, Sihdi! Ich bin von ihm ausgesandt, dich zu erwarten.«

      »Wo ist er?«

      »Im weiten Bab-el-Ghud. Am Bab-el-Ghud wirst du sein Zeichen finden, welches dir sagt, wo seine Füße weilen.«

      »So danke Allah, daß ich deine Darb sah und ihnen folgte; du hättest mich sonst vorüberziehen lassen, ohne mich zu sehen.«

      »Ich hätte dich gefunden, Sihdi. Ich wollte in der Serir mein Mehari tränken und mir Wasser holen; dann wäre ich zurückgekehrt zum Wege, den du kommen mußtest. Ich hätte deine Darb gesehen und wäre dir gefolgt, bis ich sah, wer du bist.«

      »So kennst du eine Quelle in dieser Wüste?«

      »Ich kenne viele Quellen, die nur mein Auge gesehen hat, Sihdi.«

      »Und du bist ein Tebu?«

      »Du hast es erraten; ich bin ein Tebu vom Stamme der Beni Amalech.«

      »Und wie ist dein Name?«

      »Ich habe keinen Namen, Sihdi. Mein Name liegt vergraben unter dem Dache meines Zeltes, bis ich den Schwur erfüllt habe, den ich beim Barte des Propheten und beim ewigen Gericht that. Nenne mich Abu billa Beni (Vater ohne Söhne)

      Dieser Wunsch sagte mir alles, dennoch aber fragte ich weiter:

      »Man hat dir deine Söhne getötet?«

      »Drei Söhne, Sihdi, drei Söhne, die meine Freude, mein Stolz und meine Hoffnung waren. Sie standen hoch und schlank wie die Palmen, waren klug wie Abu Bekr, tapfer wie Ali, stark wie Khalid und gehorsam wie Sadik, der Aufrichtige. Sie trieben meine Herde zum Bir (Brunnen), und ich fand ihre Leichen, nicht aber die Tiere.«

      »Wer hat sie getötet?«

      »Hedjahn-Bei, der Karawanenwürger. Er holte sich meine Mehara, um seine Räuber zu tragen, und meine Rinder und Schafe zur Speise für die Mörder. Ich habe mein Duar, meinen Stamm, mein Weib und meine Töchter verlassen und bin ihm nachgefolgt von einer Uah (Oase) zur andern. Meine Lanze hat drei, mein Pfeil vier und mein Messer sechs seiner Männer gefressen, ihn selbst aber beschützt der Scheitan, daß ihn mein Auge nicht erblicken und mein Arm nicht erreichen konnte. Aber er wird dennoch in die Dschehenna gehen, denn wenn meine Hand zu kurz ist, so wirst du ihn treffen, du und Sihdi Emir, den sie Behluwan-Bei, den Räuberwürger, nennen.«

      »Wo trafst du ihn?«

      »Beim Brunnen Khoohl, wo seine Kugel drei Hedjahn tötete, die das Todeszeichen trugen.«

      »Wen hatte er bei sich?«

      »Zwei Männer, die sein Diener und sein Führer sind. Hast du nicht auf deinem Wege Leichen gefunden, welche durch die Stirn geschossen waren – Reiter und Tier?«

      »Ja.«

      »Das ist Sihdi Emir, der Behluwan-Bei, gewesen. Seine Kugel ist wie Allahs Zorn; sie fehlt nie ihr Ziel. Der Hedjahn-Bei und seine Gum kennen die Büchse des Rächers; sie fluchen ihm, aber der friedliche Hirt denkt ihrer mit segnendem Worte. Er reitet auf den Ethar (Fährten) der Räuber; sie wollen ihn fangen und töten, aber sein Gott ist mächtig wie Allah; er macht ihn unsichtbar und behütet ihn vor aller Fährlichkeit. In jeder Uah ertönt sein Lob, und an jedem Bir erklingt sein Ruhm; die Wüste ist stolz auf seinen Namen, und die Lüfte verbreiten den Preis seiner Thaten. Er ist der Richter des Sünders und der Schutz des Gerechten; er kommt und geht, keiner weiß, woher und wohin. Ich aber werde dich zu ihm bringen, damit dein Name so groß werde, wie der seinige.«

      Das war ja eine wirkliche Hymne, gesungen auf meinen braven Emery Bothwell! Dieser Tebu hatte jedenfalls ein mutigeres Herz, als der große Hassan, und ich konnte mich seiner Führung ohne Sorge anvertrauen.

      »Wie weit ist es noch bis zum Bab-el-Ghud?« fragte ich.

      »Einen Tag und noch einen Tag; wenn dann dein Schatten nach Osten geht, dreimal so lang wie dein Fuß, wird dein Bischarin unter dem Bab-el-Hadjar (Thor der Steine) niederknieen, damit du im Schatten Ruhe findest.«

      Der Bewohner der Wüste kennt weder Kompaß noch Uhr oder Bussole. Die Sterne zeigen ihm den Weg, und nach der Länge des Schattens bestimmt er seine Zeit. Und darin besitzt er eine solche Fertigkeit, daß er sich nur selten irrt.

      »So komm, damit wir meine Leute treffen!«

      »Mein Wasser geht zur Neige, Sihdi!«

      »Du findest bei mir, soviel du dessen bedarfst.«

      Er folgte mir. In kurzer Zeit stießen wir auf Josef und Hassan, welche mein Zeichen verstanden und ihre Richtung beibehalten hatten. Sie verwunderten sich nicht wenig über die Gesellschaft, welche ich hier mitten in der Wüste aufgegriffen hatte.

      »Maschallah, tausend Schwerebrett,« meinte der Staffelsteiner, »is dos hübsch, daß Gesellschaft kommt! Wer is denn halt der Schwarze, Herr?«

      »Das ist Abu billa Beni, der uns nach dem Bab-el-Ghud führen wird.«

      Da zogen sich die Brauen Hassans finster zusammen.

      »Wer ist dieser Tebu, daß er den Weg besser kennen will, als Hassan el Kebihr, den alle Kinder der Wüste Djezzar-Bei, den Menschenwürger, nennen? Welche Mutter hat ihn geboren, und wie viele Väter sind ihm vorangegangen? Er kann gehen, wohin er will, Sihdi; ich werde dich nach dem Babel-Ghud bringen auch ohne ihn! Sieh sein Gesicht und sein Haar, seine Wange und seinen Mund; ist er ein echter Nachkomme Ismails, welcher der wahre Sohn des Erzvaters Abram war?«

      Der Tebu sah ihm ruhig lächelnd in die Augen.

      »Du nennst dich Hassan el Kebihr und Djezzar-Bei, den Menschenwürger? Das Ohr meines Djemmels hat noch niemals diese Namen vernommen. Wie heißt dein Stamm und deine Ferkah?«

      »Ich bin ein Kubaschi vom Ferkah en Nurab. Wir haben den Panther mit seiner Frau und Assad-Bei, den Löwen, getötet. Wen aber hast du getötet? Du bist der Vater ohne Söhne und der Tebu ohne Mut und Heldenthat. Ich werde den Sihdi führen; du aber kannst dich am Schwanze meines Djemmels halten!«

      Der Tebu blieb auch bei dieser Beleidigung gleichmütig.

      »Wie ist dein Name?« fragte er.

      »Größer als die Zahl deiner Verwandten und länger als dein Gedächtnis. Ich heiße Hassan-Ben-Abulfeda-Ibn-Haukal al Wardi-Jussuf-Ibn-Abul-Foslan-Ben-Ishak al Duli.«

      »Nun gut, Hassan-Ben-Abulfeda-Ibn-Haukal al Wardi-Jussuf-lbn-Abul-Foslan-Ben-Ishak al Duli, steige von deinem Djemmel, denn ich habe ein kleines СКАЧАТЬ