Glaube & Ansichten – Beiträge zur zeitgenössischen deutschen Geschichte. Joachim Gerlach
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Название: Glaube & Ansichten – Beiträge zur zeitgenössischen deutschen Geschichte

Автор: Joachim Gerlach

Издательство: Bookwire

Жанр: Языкознание

Серия:

isbn: 9783737530033

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СКАЧАТЬ mit dem Wagenheber notdürftig selber ausgebeult, was bei jedoch dem grauen Sapo zu einer dauerhaften Scheinwerferverstellung führte. Er schielte gewissermaßen.

      Unser erstes Nachwende-Auto war ein Opel-Corsa mit 1500 ccm. Es war eine Tageszulassung, und wir blätterten 15.000 Westmark dafür hin. Cash. Ich weiß gar nicht mehr, wie wir plötzlich zu soviel Geld gekommen sind, denn unsere Ersparnisse beliefen sich zur Wende auf gerade etwas über 10.000 Ost-Mark, die ja, wie man weiß, für einen neuen Trabi akkumuliert wurden. Aber egal.

      Eigentlich wollte ich einen neuen Lada kaufen, denn ich war ob der Erfahrungen des letzten Jahrzehnts hinreichend bedient von gebrauchten Autos. Alle Hinweise, statt dessen lieber einen der allerorten zuhauf angebotenen gebrauchten Westwagen anzuschaffen, schlug ich in den Wind. Zum einen hörte man schon reihum, dass es mit diesen schön aufpolierten Fahrzeugen auch nicht immer zum besten stand, die Wessis nach dem Motto ‚wenn sie rosten – in den Osten‘ gutes Geld mit ihrem Schrott verdienten. Zum anderen konnte ich mir zu diesem Zeitpunkt noch nicht vorstellen, dass ein fünf Jahre alter Westwagen – einigermaßen gepflegt – allemal besser sei als ein neuwertiger Lada. Sicher spielte dabei auch ein nicht unerheblicher Rest alter Ideologie eine gewichtige Rolle bei meiner aus späterer Sicht nicht mehr nachvollziehbaren Entscheidung.

      Der Lada hätte dann auch so um die 15.000 gekostet. Jedoch, der Gott aller Autos (oder der aller Ossis?) war uns gnädig gestimmt, denn, dem Himmel und dem darin wohnenden Autogott sei Dank, infolge des Krieges in Serbien und Kroatien und Slowenien und was weiß ich noch wo im gerade eben parzellierten Jugoslawien, konnten diverse, in diesen jetzt von Kämpfen durchzogenen Teilen der arbeitsteilig organisierten Weltwirtschaft produzierten Bauteile zu Komplettierung des Ladas bei der Deutschen Lada AG in Hamburg nicht geliefert werden. So verzögerte sich der Kauf von Monat zu Monat, bis Dagi, und dies mit allem Nachdruck, verkündete, dass sie des langen Wartens nunmehr überdrüssig sei und nie und nimmer mit dem abgelegten Trabi meines Bruders zum im November anstehenden Geburtstag ihrer Mutter ins Brandenburgische fahren würde. Und schon gar nicht deshalb, da um uns herum schon Gott und alle Welt und so wahrscheinlich auch all ihre Geschwister schicke Westwagen fuhren.

       Der kleine Opel, viertürig und flink, übertraf dann auch all unsere Erwartungen und setzte uns zur Geburtstagsfeier in Potsdam in ein den neuen gesellschaftlichen Umständen entsprechendes gebührendes Licht. Wir fuhren ihn bei bester Zufriedenheit ohne jegliche Störungen drei Jahre, bis ein wildgewordener Skoda-105-Fahrer, von dem man mir später sagte, dass sogar allerhöchste Vorsicht geboten sei, wenn man seiner in der Kaufhalle mit einem Einkaufswagen ansichtig würde, ihn an einem schönen Samstagmorgen im geparkten Zustand in rasanter Fahrt bei einer Geschwindigkeitsbegrenzung von 30 kmh und der völligen Ignoranz einer knapp davor gelegenen gleichberechtigten Kreuzung aufs Horn nahm und in die Luft schleuderte. Kopfüber landete der Corsa auf dem Dach. Personenschaden keiner, das Auto Totalschaden. Im gleichen Zug demolierte der Ritter der Landstraße zwei weitere an gleicher Stelle geparkte Fahrzeuge, davon eines gleichermaßen totalgeschädigt. Sein Skoda hatte auch arg gelitten. Nur er, der flotte Fahrer, blieb nahezu unverletzt und eilte nach vollbrachter Tat ohne den Schrottplatz auch nur noch eines Blickes zu würdigen von hinnen. Nein, er hätte, von Nacheilenden festgehalten und zur Rede gestellt, überhaupt keine Zeit, sich dem Fortgang seiner Zertrümmerungen zu widmen. In wenigen Stunden führe sein Bus in den Urlaub nach Bayern, da wäre zu Hause bei Gott noch einiges vorzubereiten. Seine Versicherung vergütete uns den Schaden mit 17.000 D-Mark, 2000 mehr als wir für den Corsa selbst gezahlt hatten. Das war ein guter Deal, und wir wurden noch Monate danach von Leuten mit Autos, die sie gern alt gegen neu getauscht hätten, befragt, ob wir wüssten, wo denn der rasante Automobilist wohne und in aller Regel entlang führe.

      Mit den 17.000 Mark erstanden wir eine gebrauchten Toyota, der hatte gerade einmal 30.000 Kilometer auf den Reifen. Mit dem befuhren wir die Tschechei und die Slowakei, und er leistete uns störungsfrei die besten Dienste, bis er nach wiederum drei Jahren auf der A9 kurz vor Leipzig zwischen die Mahlsteine geriet. Diesmal allerdings mit Dagi und mir an Bord. Nacht war es schon und wir auf dem Weg von Potsdam nach Hause, wenn ich mich recht erinnere, wieder einmal von einer der alljährlichen Geburtstagsfeiern meiner Schwiegermutter. Die Autobahn in alle Richtungen zugestopft infolge der unendlichen Baustellen im Rahmen des Aufbaus-Ost. Nur hin und wieder die Chance, mit ein bisschen mehr Gas zügig voranzukommen. In einer solchen Beschleunigungsphase passierte es: Nach kurzzeitiger flotter Fahrt plötzlich wieder nur noch rote Bremslichter, und ich hatte alle Mühe, dem vor mir Fahrenden nicht aufzusitzen. Dann plötzlich ein hartes Geräusch, und ich bekam bei aller Bremskraft den Wagen nicht zum Stehen und dachte, ein technisches Problem sei die Ursache. Die Zeit lief wie tausendfach verlangsamt. Ich sah den Toyota auf den vor mir fahrenden Audi auffahren, die Motorhaube sich hochfalten und fand mich wieder rücklings auf dem nach hinten geklappten Sitz. Dagi gleichermaßen. Was war nur geschehen? Ich rappelte mich auf, half auch Dagi in die Senkrechte, beide scheinbar ohne sichtbaren Schaden. Dann, allmählich zu mir kommend, beschloss ich, auszusteigen, dem Aufgefahrenen meine Entschuldigung darzubieten und den Crash zu besichtigen. Wie ich gerade die Tür öffnete und noch nach einer einigermaßen vernünftigen Entschuldigungsformel suchte, wurde die Tür von außen gänzlich aufgerissen und vor mir stand ein hektischer junger Mann, der stammelnd von sich gab: Es tut mir wirklich leid, ich bin Ihnen wohl soeben hinten aufgefahren! So stellte sich heraus, dass das harte Geräusch daraus resultierte, und wir auf den Vorderwagen aufgeschoben wurden, weswegen ich ich auf die Bremse drücken konnte wie ein Wahnsinniger, ohne dass es Effekte zeigte.

      Dieser Unfall war ein Glück im Unglück, denn er kaschierte in wunderbarer Weise den argen Blechschaden an der Beifahrertür, den mir beim Rechtsüberholen ein Fahrer im BMW mit Regensburger Kennzeichen zufügte, und den wir mangels Finanzkraft für 600 Mark an der Steuer vorbei nur oberflächlich verkitten und lackieren ließen. Bemerkenswert an diesem Unfall war, dass der Regensburger nach dem Crash keine Anstalten machte, sein Fahrzeug zu verlassen. Ausgelassen ruhig verblieb er darinnen, drehte bei meinem Nähern nur etwas die Scheibe herab und fragte im besten Fränkisch, wie ich mir das denn nun weiter vorstelle. Das schaffte Schuldgefühle, allerdings nur bei mir, und ich gestand ihm 50 West-Mark zu, zahlbar auf der Stelle, um für die kaum sichtbare Schramme an seinem Plastik-Stoßfänger zu büßen. Dass der Regensburger ganz höchstwahrscheinlich selbst erheblich Schuld an der Karambolage trug, kam mir erst später in den Sinn. Sein, wie man heutzutage sagt, ausgesprochen cooles Verhalten nötigt mir noch heute Respekt ab, aber ich habe es selbst nie zu dieser Meisterschaft gebracht.

      Wir erhielten nach dem Auffahrunfall auf der A9 umgehend einen Leihwagen, ich glaube es war ein Fiat, den wir nach kurzer Fahrt mit einer von der Gegnerversicherung bezahlten Taxe am nahe gelegenen Leipziger Hauptbahnhof abholten, und mit dem wir die Heimreise ohne weitere Störungen fortsetzten. Der Toyota indes erwies sich als Schrott, und die Versicherung des Verursachers löhnte 11.000 Märker. Davon kauften wir, (der Sachzwang, der Sachzwang!, nunmehr auch berufsbedingt, denn ich musste als Geschäftsführer unserer kleinen GmbH, welche mit den Tschechen zu handeln versuchte, zuweilen bis an die Grenze zur Ukraine vorstoßen) nach diversen Probefahrten mit allerlei Fahrgerät - ein Renault Lagune war darunter und wohl auch ein Opel Astra - einen Mazda 303, den mit den Schlupfaugen. Farbe weiß, Tachostand 70.000 Kilometer. Und hatten Glück. Denn wir schlossen mit dem Kauf eine Gebrauchtwagenversicherung ab, die wir schon nach kurzer Betriebszeit der Neuerwerbung in Anspruch nehmen mussten: der rechte Vorderradantrieb lief aus dem Ruder, kurz darauf auch der linke, was uns keinen Penny kostete, den Auto-Händler allerdings seine Versicherung.

      Den Mazda überließen wir nach dreijähriger Fahrt, ich fuhr nunmehr einen Passat mit allen Raffinessen als Dienstwagen, unserm Sohn, der seinen Opal Kadett wiederum seiner studierenden Schwester überließ. Über deren Fahrabenteuer mit dem Opel-Kadett wären ganze Bände zu beschreiben, was allerdings den Rahmen dieser Geschichte erheblich sprengen würde. Den Mazda veräußerte unser Sohn Jahre später bei einem Händler in Frankfurt, am Main versteht sich. Zum Nulltarif, als er sich einen fahrbaren Untersatz zulegte, für den man zu früheren Zeiten wohl einen Waffenschein benötigt hätte.

      Mit dem Passat, stolze 120 PS unter der Motorhaube, inklusive Klimaanlage, ABS, Servolenkung und СКАЧАТЬ